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Neuer Schufa-Score: Büßt diese Gruppe jetzt Punkte ein?


Autor: Nadine Wüste, Agentur dpa, Ellen Schneider

Wiesbaden, Freitag, 20. März 2026

Seit dem 17. März gelten bei der Schufa neue Maßstäbe zur Bewertung, auch der Score hat sich dadurch bei vielen Verbrauchern geändert. Werden junge Menschen benachteiligt?
Ab dem 17. März soll sich beim Schufa-Score einiges ändern - sowohl bezüglich der Methode zur Berechnung, als auch bei der Transparenz. Was die Reform konkret bedeutet. (Symbolbild)


Nach vermehrter Kritik aufgrund fehlender Transparenz zu den Hintergründen der jeweiligen Schufa-Scores, hat die Auskunftei seit dem 17. März 2026 nun ein neues System eingeführt. Dieses soll deutlich weniger komplex und leichter verständlich sein. Nach einmaliger Registrierung kann man den Score kostenfrei einsehen.

Allerdings wurde der bisherige Score bei vielen Verbrauchern durch das neue System verändert - teils auch zum Negativen, wie beispielsweise mehrere Bild-Leser aufgrund ihrer Erfahrungen berichten. Es gibt allerdings auch eine Gruppe, die laut der Schufa aktuell gar keine Möglichkeit hat, die volle Punktzahl zu erreichen.

Schufa-Reform: Sind junge Menschen im Nachteil?

Betroffen sind, wie die Auskunftei im Netz selbst informiert, junge Menschen. "Bei einigen Kriterien, die in die Bonitätsbewertung einfließen, können junge Menschen naturgemäß noch nicht die volle Punktzahl erreichen. Dazu zählen etwa das Alter des ältesten Bankvertrags oder das Alter der aktuellen Anschrift", teilt die Schufa mit. Aber: "Auch ohne höchste Punktzahlen bei diesen Kriterien kann der Score in der besten Score-Klasse liegen."

Dennoch: Wenn bei jungen Menschen anfangs noch viele Informationen zur Kreditwürdigkeit fehlen, spiegelt sich das auch im Score wider. Die Auskunftei veranschaulicht anhand eines Beispiels: Liegen bei einer 18-Jährigen kurz nach Eröffnung ihres ersten Girokontos inklusive Kreditkarte und dem Einzug in die erste eigene Wohnung keine Einträge über Zahlungsstörungen oder weitere Informationen vor, könnte sie bei 655 Punkten, in der Score-Klasse "akzeptabel", eingestuft werden.

Der Score könne sich jedoch bereits innerhalb weniger Monate durch neue Informationen verbessern. Einen bedeutenden Nachteil sehe man daher für junge Menschen nicht. Auch die Schufa-Daten würden zeigen: "Rund zwei Drittel der 18- bis 25-Jährigen verfügen über einen Score in den Klassen gut oder hervorragend. Weitere rund 25 Prozent weisen einen akzeptablen Score auf."

Neues Schufa-System seit 17. März: Das ändert sich für dich

Der Score ist ein bedeutender Indikator für die Kreditwürdigkeit einer Person und wird oft vor Abschluss von Verträgen oder Vergabe von Krediten zurategezogen. Die Methode zur Berechnung ist jetzt eine neue. In der Vergangenheit wurde der Score anhand von 100 Kriterien berechnet. Nun sollen es nur noch die folgenden zwölf sein:

  • Alter der ältesten Kreditkarte
  • Alter der aktuellen Adresse
  • Anzahl von Anfragen und Abschlüssen für Girokonten und Kreditkarten in den vergangenen 12 Monaten
  • Kredit mit der längsten Restlaufzeit
  • Anzahl von Anfragen im Bereich Telekommunikation & (Online)-Handel in den vergangenen 12 Monaten
  • Alter des ältesten Bankvertrags
  • Immobilienkredit oder Bürgschaft
  • Aufgenommene Ratenkredite in den vergangenen 12 Monaten
  • Kreditstatus
  • Vorliegen einer Identitätsprüfung
  • Jüngster Rahmenkredit
  • Zahlungsstörungen

Aber was bedeutet das für die bisherigen Schufa-Scores? Wie die Auskunftei auf Anfrage der Bild verrät, soll der Score für 83 Prozent der Verbraucher gleichbleiben. Bei neun Prozent hingegen verbessere sich der Schufa-Score, bei acht Prozent der Verbraucher verschlechtere er sich. 

Neuen Schufa-Score einsehen: So geht's

Da es sich um sensible Daten handelt, ist es erforderlich, sich einmalig für den sogenannten Schufa-Account zu registrieren, wie die Auskunftei mit Sitz in Wiesbaden erklärt. Interessenten müssen sich zunächst auf eine Warteliste setzen lassen (https://www.meineschufa.de/lp/schufa-warteliste) und werden dann der Reihe nach freigeschaltet. Um die persönlichen Schufa-Daten einsehen zu können, müssen sich Nutzer aus Datenschutzgründen identifizieren.

Bisher war dies mit einem Personalausweis und aktivierter Online-Ausweisfunktion möglich. Zukünftig soll auch eine Identifizierung per Brief angeboten werden. 

Für insgesamt zwölf - aus Sicht der Schufa verständliche - Kriterien werden Punkte vergeben, insgesamt 100 bis 999. Je höher die Gesamtpunktzahl, desto höher wird die Bonität des jeweiligen Verbrauchers eingeschätzt - also die Wahrscheinlichkeit, ob Rechnungen pünktlich bezahlt und Kredite zuverlässig getilgt werden. 

Weiterer Schritt zu mehr Transparenz

Die Schufa rechtfertigte ihre bisherige Zurückhaltung damit, dass der Score manipuliert werden könnte, wenn das Berechnungsmodell vollständig transparent wäre. "Es kommt laut Verbraucherbeschwerden immer wieder vor, dass negative Bewertungen auf falschen oder zumindest strittigen Daten beruhen", sagt Dorothea Mohn, Leiterin Finanzmarkt beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv).

Im Jahr 2024 gingen beim vzbv 317 Meldungen zu Problemen mit Bonitäts-Bewertungen ein, in 79 Prozent der Fälle ging es um die Schufa. Verbraucher gaben an, nicht nachvollziehen zu können, warum sie einen schlechten Score hatten.

"Die Bundesregierung sollte Auskunfteien dazu verpflichten, die Richtigkeit von Daten sicherzustellen", fordert Mohn.

Erweiterung geplant: Schufa-App soll ebenfalls kommen

"Der Aufwand, falsche Daten korrigieren zu lassen, kann sehr hoch sein." Der nun initiierte Schufa-Account als Zugang zu den persönlichen Daten bei der Auskunftei wird zunächst über eine Web-Anwendung erreichbar sein, die über den Browser auf dem PC, Tablet und Smartphone verfügbar sein wird.

Geplant ist eine Erweiterung um eine Schufa-App, die als Download in den gängigen App-Stores bereitgestellt werden soll. Die Schufa verfügt nach eigenen Angaben über Informationen zu 68 Millionen Menschen in Deutschland - überwiegend seien "ausschließlich positive Informationen gespeichert".

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