Druckartikel: Neue Pläne der Politik: Lohnen sich private PV-Anlagen überhaupt noch?

Neue Pläne der Politik: Lohnen sich private PV-Anlagen überhaupt noch?


Autor: Christoph Eberle

Bergkirchen, Freitag, 14. August 2026

Die Bundesregierung will die feste Einspeisevergütung für Photovoltaikanlagen abschaffen. Zudem plant die Bundesnetzagentur eine extra Gebühr. Lohnt sich PV da noch?
Rechnet sich eine Photovoltaik-Anlage künftig noch?


Für Betreiber von PV-Anlagen auf Hausdächern stehen Änderungen bevor, denn die Regierung plant die Abschaffung der festen EEG-Einspeisevergütung für neue Anlagen bis 25 kW. Stattdessen wird ein System zur Direktvermarktung eingeführt, bei dem der Strompreis vom Markt abhängt. Energieberater Thomas Burgert erklärt, was auf aktuelle und künftige Besitzer von Dachphotovoltaik zukommt und ob sich die Installation der Anlagen künftig überhaupt noch rechnet. Entscheidend sei künftig der Eigenverbrauch, besonders mit Batteriespeichern, betont der Experte. 

So ist die aktuelle Situation für Betreiber von PV-Anlagen auf Hausdächern:

"Aktuell erhält man entsprechend EEG-Einspeisevergütung für PV-Anlagen bis 10kWp für 20 Jahre eine feste Vergütung von ca. 7,7 ct/kWh (Teileinspeisung) bzw. ca. 12,2 ct/kWh (Volleinspeisung)", erklärt Thomas Bugert aus Bergheim (Landkreis Dachau), Energieberater für die Verbraucherzentrale Bayern.

Bei größeren Anlagengrößen gebe es eine gestaffelt etwas verringerte Vergütung. Aber: Die Bundesregierung will weg von der klassischen festen EEG-Einspeisevergütung und schrittweise zur Direktvermarktung wechseln.

Für PV-Dachanlagen ist das geplant

Laut dem Energieberater ist Folgendes geplant:

  • Neue Anlagen unter 25 kW: Die dauerhafte feste Einspeisevergütung soll grundsätzlich entfallen
  • Stattdessen sollen Betreiber ihren Strom stärker selbst vermarkten. Das geschieht über Direktvermarkter, die den Strom an der Strombörse verkaufen. Der Preis für den eingespeisten Strom ist dann nicht mehr garantiert, sondern hängt vom Erlös am Strommarkt ab
  • Für den Übergang ist eine befristete Übergangszahlung vorgesehen.
  • Zusätzlich soll es für kleine Anlagen einen Direktvermarktungsbonus für vier Jahre geben
  • Bestandsanlagen sind geschützt: Bereits bestehende Anlagen behalten ihre zugesicherte EEG-Förderung für die Laufzeit
  • Die Umstellung soll schrittweise erfolgen, nicht abrupt. Die Bundesregierung will neue Anlagen zunehmend über intelligente Messsysteme und Direktvermarktung in den Strommarkt integrieren

Das Bundeskabinett hat am 29. Juli 2026 den Entwurf für die EEG-Novelle beschlossen. "Das ist aber nur der Regierungsentwurf. Danach muss das Gesetz noch durch das parlamentarische Gesetzgebungsverfahren (Bundestag und anschließend Bundesrat, soweit erforderlich). Erst danach ist die Neuregelung verbindlich", so der Energieberater.

Zudem plant die Bundesnetzagentur die Einführung einer zusätzlichen Gebühr für Haushalte, die PV-Strom produzieren und auch selbst etwas davon verbrauchen.

Lohnt sich die Anschaffung einer eigenen PV-Anlage für Privathaushalte auch künftig noch?

"Aufgrund der geplanten Änderung ist eine PV-Anlage dann sinnvoll, wenn ein hoher Eigenverbrauch vorliegt, d. h., die Einspeisung deutlich zurück geht", sagt der Energieberater. Das sei etwa dann  der Fall, wenn zur PV-Anlage ein Batteriespeicher installiert wird und große Verbraucher, z. B. Wärmepumpe, E‑Auto, den Eigenverbrauch deutlich erhöhen.

Gut für Verbraucher: Die Anschaffungskosten für PV und Speicher seien gesunken und für typische private PV-Anlagen gelte immer noch die Regelung mit 0 Prozent Umsatzsteuer.

Bei hoher Einspeisung wird die PV-Anlage unrentabler

Die geplanten Änderungen beeinflussen die bislang 20 Jahre feste Vergütung, die es dann laut Bugert nicht mehr geben wird. "Bei hoher Einspeisung sind dann viele Anlagen leider nur sehr viel später wirtschaftlich und rentabel", sagt er. PV-Anlagen sind wirtschaftlich sehr viel schwieriger zu planen. 

Was sollten Verbraucher bei der Planung einer neuen Anlage künftig besonders beachten?

Bei einer neuen PV-Anlage sollten Verbraucher künftig vor allem darauf achten, die Wirtschaftlichkeit nicht ausschließlich mit der heutigen EEG-Einspeisevergütung zu kalkulieren. "Gerade wegen der geplanten Änderungen wird die Kombination aus Eigenverbrauch, Anlagenpreis und Stromvermarktung wichtiger", sagt der Experte.

Ist es angesichts der Änderungen sinnvoll, eine PV-Anlage noch 2026 zu installieren, um sich die derzeitigen Rahmenbedingungen zu sichern? 

"Aus Verbrauchersicht würde ich nicht allein wegen der geplanten EEG-Änderungen in Panik geraten und noch schnell 2026 installieren. Es gibt aber einen guten Grund, eine bereits geplante Anlage nicht unnötig zu verschieben", sagt Thomas Bugert.

Welche Anlagengröße ist für einen typischen Privathaushalt sinnvoll?

Sollte die Anlage eher auf einen möglichst hohen Eigenverbrauch oder auf eine möglichst große Stromproduktion ausgelegt werden? "Eine typische Anlagengröße kann man nur schwer benennen", sagt Bugert.

Für die PV-Anlagengröße seien neben der verfügbaren Dachfläche und Ausrichtung sowie Verschattung, der Jahresstromverbrauch, der künftige Verbrauch durch z.B. Wärmepumpe, die Anschaffungskosten, der Speicher und die Höhe des Eigenverbrauchs entscheidend. 

"Als Orientierung würde ich sagen: Zwei-Personen-Haushalt ca. 8 kWp, Vier-Personen-Haushalt und höherer Verbrauch ca. 10 bis 15 kWp und mit Wärmepumpe und Elektroauto über 15 kWp."

Wann lohnt sich ein Batteriespeicher wirtschaftlich und wann eher nicht?

Entscheidend ist laut Bugert, ob der Speicher die zusätzliche Investition durch eingesparte Strombezugskosten tatsächlich wieder erwirtschaftet.

Das wird dem Experten zufolge dann der Fall sein, wenn:

  • der Solarstrom, der mittags anfällt, im Haushalt wenig direkt verbraucht wird
  • abends und nachts relativ viel Strom benötigt wird
  • der Speicher nicht überdimensioniert ist und der Speicher zu einem vernünftigen Preis angeboten wird

Sollte ein Batteriespeicher von Anfang an eingeplant werden oder kann es sinnvoll sein, später nachzurüsten?

Ein Batteriespeicher muss dem Experten zufolge nicht zwingend von Anfang an installiert werden, macht aber Sinn, wenn damit der Eigenverbrauch deutlich erhöht werden kann. "Dann kann ein abgestimmtes Gesamtsystem aus PV, Wechselrichter, Speicher und Energiemanagement Vorteile haben", sagt er.

Gibt es Fälle, in denen sich eine PV-Anlage für einen Privathaushalt künftig nicht mehr lohnt?

"Es wird auch künftig Fälle geben, in denen sich eine PV-Anlage für einen Privathaushalt wirtschaftlich nicht oder nur sehr schlecht rechnet", ist sich Energieberater Bugert sicher. Das dürfte ihm zufolge aber eher an den individuellen Rahmenbedingungen liegen als allein an der geplanten EEG-Änderung. Insbesondere sei das bei teureren, zu großen Speichern oder unnötigen Zusatzkomponenten der Fall.