Druckartikel: Mieten in Deutschland: Zahl der überlasteten Haushalte steigt

Mieten in Deutschland: Zahl der überlasteten Haushalte steigt


Autor: Nadine Wüste, Agentur dpa

Berlin, Mittwoch, 03. Juni 2026

Viele Mieter in Deutschland sind durch hohe Wohnkosten stark belastet. Besonders Menschen mit geringem Einkommen müssen immer mehr von ihrem Geld für Miete und Heizung ausgeben.
Die Wohnkostenbelastung in Deutschland steigt, wobei rund 6,6 Millionen Mieterhaushalte mehr als 30 Prozent ihres Einkommens dafür aufwenden müssen, was vor allem Großstädte wie Berlin stark betrifft.


Millionen von Mietern in Deutschland sind durch ihre Wohnkosten stark belastet. Etwa 3,2 Millionen Mieterhaushalte verwenden über 40 Prozent ihres Nettoeinkommens für das Wohnen, wie eine Untersuchung des Instituts Wohnen und Umwelt (IWU) im Auftrag des Deutschen Mieterbunds zeigt. Weitere 3,4 Millionen Mieterhaushalte geben zwischen 30 und 40 Prozent ihres Nettoeinkommens für Kaltmiete und Heizkosten aus.

Insgesamt betrachtet sind laut IWU und Mieterbund etwa ein Drittel der Mieterhaushalte - rund 6,6 Millionen - überlastet. Die Präsidentin des Deutschen Mieterbunds, Melanie Weber-Moritz, bezeichnete die Zahlen als alarmierend. "Die Bundesregierung muss jetzt Mieterinnen und Mieter vor weiteren Belastungen schützen."

Am "finanziellen Limit": Wohnen in Deutschland zu teuer?

Ein hoher Anteil von Geringverdienern ist betroffen. Der Studie zufolge gehören von den fast 20 Millionen Mieterhaushalten in Deutschland 42 Prozent oder 8,3 Millionen zum unteren Einkommensdrittel: Sie haben ein durchschnittliches Haushaltsnettoeinkommen von 1.417 Euro pro Monat. Diese Gruppe steht mit ihren Wohnkosten am "finanziellen Limit".

"Besonders betroffen sind die untersten 10 Prozent der Einkommensverteilung. Sie haben eine durchschnittliche Wohnkostenbelastung von 60 Prozent", heißt es in der Studie, die auf Daten aus dem jüngsten Mikrozensus 2022 zu Einkommen und Mieten basiert. Die Zahlen wurden anhand von Angaben des Statistischen Bundesamts auf den neuesten verfügbaren Stand von 2024 fortgeschrieben.

Im Gegensatz zum Mieterbund sieht das Statistische Bundesamt nur eine relativ kleine Minderheit der Bevölkerung von ihren Wohnkosten überlastet. Im Jahr 2025 waren davon 11,2 Prozent der Menschen in Deutschland oder rund jeder Neunte betroffen, hat die Behörde auf Basis früherer europäischer Statistikdaten errechnet. Das Statistische Bundesamt zieht die Grenze strenger und betrachtet Haushalte erst als überlastet, wenn sie mehr als 40 Prozent ihres Einkommens für Wohnen ausgeben.

Kürzlich umgezogen? Neue Mieter zahlen deutlich mehr

Der Mieterbund schreibt, dass der Anstieg der Mieten die Wohnkostenbelastung vieler Haushalte erhöht, besonders für jene, die kürzlich umgezogen sind. So sind die Mieten in Verträgen ab 2020 durchschnittlich gut ein Fünftel höher, und Mieterhaushalte haben mit 33 Prozent eine deutlich höhere Wohnkostenbelastung als Haushalte, die vor 2020 eingezogen sind. Besonders betroffen sind Großstädte: In Berlin liegen die Mieten von Haushalten, die nach 2020 eingezogen sind, durchschnittlich 29 Prozent über dem Durchschnitt aller Mietverträge. In München sind es 26 und in Frankfurt 25 Prozent.

Dahinter steckt, dass viele Menschen, die einen bezahlbaren Mietvertrag haben, einen Umzug scheuen - das friert die Mietmärkte förmlich ein. Die Wohnkostenbelastung in Metropolen liegt bei über 30 Prozent und bei neuen Mietverträgen über 35 Prozent, so der Mieterbund. "Die Spirale immer stärker steigender Mieten muss gestoppt werden.

Dazu muss die Bundesregierung die geplante strengere Ahndung von Mietwucher durchsetzen, die Mietpreisbremse verschärfen und Verstöße mit empfindlichen Bußgeldern ahnden, damit Mieterinnen und Mieter endlich vor illegaler Mietüberhöhung geschützt sind", fordert Weber-Moritz. Die Mietpreisbremse, die in angespannten Wohnungsmärkten und bis 2029 gilt, müsse entfristet werden und bundesweit wirken. Der Mieterbund fordert ferner, dass der Bestand an Sozialwohnungen bis 2030 von zuletzt 1,1 Millionen auf mindestens 2 Millionen Wohnungen steigen soll. Auch müsse es mehr öffentliche Wohnungen geben, um im Mietwohnungsmarkt "ein dauerhaft preisgebundenes und bezahlbares Segment zu etablieren".