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Merz-Rentenpläne: Wie sicher ist die Altersvorsorge mit Aktienfonds?


Autor: Elisabeth von Sydow

Deutschland, Mittwoch, 25. Februar 2026

Das Rentensystem samt Altersvorsorge in Deutschland steht unter Druck. Eine private Altersvorsorge mit Aktien könnten helfen. Was bedeutet das für die Generationengerechtigkeit?
Die Prognosen, wie gut Friedrich Merz bei der Wiederwahl als CDU-Vorsitzender abschneiden könnte, gehen weit auseinander.


Die gesetzliche bzw. staatliche Rente in Deutschland steht vor großen Herausforderungen – demografischer Wandel und steigende Ausgaben drücken das Rentenniveau. Bundeskanzler Friedrich Merz plant eine umfassende Reform: Die private und betriebliche Altersvorsorge sollen kapitalgedeckt eine stärkere Rolle spielen, mit Aktien als zentralem Element.

Warum steht die klassische Altersvorsorge in Deutschland unter Druck?

Die demografische Entwicklung belastet das Umlagesystem der gesetzlichen Rente stark. Bis 2036 rechnen Experten mit fast 20 Millionen Rentnern aus der Babyboomer-Generation bei sinkenden Beitragszahlern durch niedrige Geburtenraten.

Das Rentenniveau, aktuell bei 48 Prozent des Durchschnittseinkommens, soll bis 2031 stabilisiert werden, könnte aber bis 2030 auf 44,5 Prozent fallen und langfristig weiter sinken.

Der Beitragssatz liegt 2026 bei 18,6 Prozent und könnte bis 2035 auf 22,3 Prozent oder mehr steigen. Zusätzlich wachsen die Rentenausgaben bis 2039 um rund 47 Prozent, was höhere Steuerzuschüsse oder Schulden erfordert. Du spürst das in Form steigender Abgaben oder niedrigerer Rentenleistungen.

Was ist eine Aktienrente und wie funktioniert sie?

Eine Aktienrente basiert auf kapitalgedeckten Systemen, bei denen Beiträge in Aktien, Anleihen oder Fonds investiert werden, um Renditen für die Rente zu erzielen. Im Kontext der Merz-Pläne funktioniert die Aktienrente als Ergänzung zur gesetzlichen Umlage-Rente.

Der Staat nimmt Kredite auf, leitet jährlich Milliarden in einen Aktienfonds, der breit diversifiziert in globale Märkte investiert – mit rund 20 Prozent Aktienanteil – und Erträge ab 2036 in die Rentenkasse fließen lässt. Die Verwaltung erfolgt über eine unabhängige Stiftung, die Zinsen plus Renditeüberschuss bedient, um Beiträge zu senken und das Rentenniveau zu sichern. Gleichzeitig setzt Merz in seinem erweiterten Drei-Säulen-System auf stärkere betriebliche und private Vorsorge, beide mit Kapitaldeckung.

Das bringt durchaus Vorteile mit sich: Historisch erzielen Aktien langfristig höhere Renditen als Anleihen: In Deutschland brachten sie über 118 Jahre eine reale Rendite von rund 4 Prozentpunkten mehr. Das könnte die Rente entlasten und höhere Auszahlungen ermöglichen, besonders bei einer internationalen Diversifikation. Das Drei-Säulen-System soll das System gegen die Demografie stabilisieren, da Renditen unabhängig von Beitragszahlern wirken.

Welche Risiken gibt es bei der Aktienrente?

Die Aktienrente zielt auf Generationengerechtigkeit ab, indem sie junge Beitragszahler entlastet, birgt aber Marktrisiken. Ein großer Nachteil ist: Aktien schwanken stark. Selbst über 30 Jahre gab es Perioden mit niedrigen Renditen, wie 2000 bis 2017 mit nur 3 Prozent real. Kosten für Fonds (bis 1,5 Prozent p. a.) schmälern Erträge, und Kreditzinsen für das Generationenkapital müssen bedient werden. Bei Marktrückgängen könnte der Staat nachzahlen müssen.

Es gibt auch deutliche Kritik an den Aktienrente-Plänen von Bundeskanzler Friedrich Merz. Gewerkschaften wie die IG Metall werfen ihm vor, die gesetzliche Rente abzuwerten und durch private Vorsorge zu ersetzen, was die Finanzlobby stärkt und Arbeitgeber entlastet.

Grüne und Linke kritisieren, dass der Paradigmenwechsel die solidarische Rente schwächt und Altersarmut fördert. Verdi-Vorsitzender Frank Bsirske nennt die Ideen "wirklich verstörend", da sie die gesetzliche Altersvorsorge gefährden.

Wie sieht die Altersvorsorge in anderen Ländern aus?

Wie es auch gehen kann, zeigen internationale Modelle für Altersvorsorge. Die Niederlande erreichen mit ihrem Drei-Säulen-Modell (Staat, Arbeitgeber, privat) eine Nettoersatzrate von über 90 Prozent, dank starker kapitalgedeckter betrieblicher Vorsorge. Schweden nutzt ein sogenanntes Notional-Defined-Contribution-System mit Fondsanteilen, das Renditen einbezieht und flexibel anpasst. In den USA dominieren 401(k)-Pläne mit Aktien, was hohe Renditen, aber auch Ungleichheit bringt. Deutschland liegt im Mittelfeld mit 61 Prozent Nettoersatzrate und könnte von hybriden Modellen lernen.

​Für die junge Generation könnte die Rentenreform nach dem Merz-Modell Renditechancen bieten: höhere Auszahlungen durch Kapitalerträge statt reiner Umlage. Gleichzeitig trägt sie die Kosten für Kredite und Risiken, die Beiträge nur mäßig dämpfen (von 22,3 auf unter 22 Prozent bis 2035).

​Langfristig wird Eigenverantwortung gefördert, die Abhängigkeit von Älteren reduziert, es gibt aber Unsicherheiten bei Marktschwankungen. Die Balance zwischen den Säulen sichert Vielfalt, abhängig von deiner Risikobereitschaft.