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Langzeitstudie zeigt: Selbstständigkeit zahlt sich oft nicht aus


Autor: Emma Firlus

Deutschland, Mittwoch, 05. August 2026

Selbstständig zu sein bedeutet nicht automatisch mehr Geld oder mehr Zufriedenheit. Eine Langzeitstudie zeigt, welche Gründer besonders profitieren – und für wen sich der Schritt sogar negativ auswirken kann.
Studie zeigt: Selbstständigkeit macht nicht automatisch glücklicher.


Viele träumen davon, den sicheren Job hinter sich zu lassen und der eigene Chef zu sein. Oft gilt Unternehmertum als Weg zu mehr Freiheit, höheren Einkommen und größerer Zufriedenheit. Eine neue Langzeitstudie aus den USA zeichnet jedoch ein deutlich differenzierteres Bild: Ob sich der Schritt in die Selbstständigkeit lohnt, hängt weniger vom Alter als von der Art des Unternehmens und den persönlichen Voraussetzungen ab.

Vier Wege in die Selbstständigkeit

Für ihre Untersuchung werteten Forscher Daten von 12.686 Amerikanerinnen und Amerikanern aus, die seit 1979 regelmäßig befragt wurden. Die Teilnehmenden wurden von ihrer Jugend bis etwa zum 50. Lebensjahr begleitet. Frühere Studien kamen häufig zu widersprüchlichen Ergebnissen. Manche sahen junge Menschen als besonders gründungsfreudig, andere verorteten den Höhepunkt erst in der Lebensmitte. Nach Ansicht der Forscher liegt das daran, dass bislang sehr unterschiedliche Lebensläufe zu einem Durchschnittswert zusammengefasst wurden.

Die neue Analyse zeigt stattdessen vier typische Muster. Rund 69 Prozent der Befragten machten sich nie selbstständig. Etwa sechs Prozent gründeten bereits in jungen Jahren und blieben dauerhaft Unternehmer. Weitere zwölf Prozent wagten den Schritt in den Zwanzigern oder frühen Dreißigern, kehrten später aber wieder in ein Angestelltenverhältnis zurück. Knapp 13 Prozent entschieden sich erst nach der Lebensmitte für die Selbstständigkeit.

Diese unterschiedlichen Verläufe erklären auch die widersprüchlichen Ergebnisse früherer Untersuchungen. Je nachdem, welche Gruppe in einer Studie stärker vertreten ist, entsteht der Eindruck, Unternehmertum sei entweder vor allem etwas für junge Erwachsene oder eher für Menschen mittleren Alters.

Die Unternehmensform entscheidet über den Erfolg

Besonders deutlich: Nicht das Alter bei der Gründung sagte den späteren Erfolg voraus, sondern die Frage, ob ein Unternehmen offiziell als Firma gegründet wurde oder ob die Selbstständigkeit informell, etwa als Einzelunternehmer oder Freiberufler, erfolgte.

Menschen mit einem eingetragenen Unternehmen erzielten im Durchschnitt höhere Einkommen und berichteten häufiger von einer größeren Lebenszufriedenheit. Besonders gut schnitten diejenigen ab, die schon früh ein formelles Unternehmen aufgebaut und langfristig geführt hatten. Auch spätere Gründer mit einer eingetragenen Firma profitierten finanziell.

Ganz anders sah es bei nicht eingetragenen Selbstständigkeiten aus. In dieser Gruppe fanden die Forscher keinen messbaren Einkommensvorteil gegenüber Menschen, die angestellt blieben. Gleichzeitig berichteten die Betroffenen häufiger über eine geringere Lebenszufriedenheit.

Später Neustart kann besonders belastend sein

Am ungünstigsten entwickelte sich die Situation für Menschen, die sich erst in der Lebensmitte ohne formelle Unternehmensgründung selbstständig machten. Sie verzeichneten den stärksten Rückgang ihres Wohlbefindens – ohne dass sich dies durch höhere Einnahmen ausglich.

Die Forscher vermuten, dass diese Gruppe unterschiedliche Motive für die Selbstständigkeit hat. Manche dürften bewusst eine neue berufliche Chance gesucht haben, andere könnten wegen schlechter Arbeitsmarktchancen oder beruflichen Drucks in die Selbstständigkeit gewechselt sein.

Aus Sicht der Autoren sollte Gründungsförderung deshalb genauer unterscheiden, ob Menschen aus einer aussichtsreichen Geschäftsidee heraus gründen oder eher aus Mangel an Alternativen. Beide Ausgangslagen könnten langfristig sehr unterschiedliche Folgen haben.

Die Familie prägt den späteren Berufsweg

Neben dem Alter untersuchte das Forschungsteam auch, welche Erfahrungen in der Kindheit den späteren Schritt in die Selbstständigkeit begünstigen. Dafür betrachteten sie unter anderem das Einkommen der Familie, den Zugang zu Büchern und Zeitungen sowie das familiäre Umfeld.

Den stärksten Einfluss hatte ein Elternteil oder anderes Familienmitglied, das bereits selbst ein Unternehmen führte. Wer mit einem Familienbetrieb aufwuchs, entschied sich später deutlich häufiger selbst für unternehmerische Tätigkeiten – unabhängig davon, welchem der vier Karrierewege die Person später folgte.

Überraschend gering fiel dagegen der Einfluss des Familieneinkommens aus. Deutlich wichtiger als finanzielle Ressourcen schien das Vorbild zu sein, das den Alltag eines selbstständig arbeitenden Familienmitglieds erlebbar machte. Ein bildungsnahes Umfeld mit vielen Büchern spielte vor allem dann eine Rolle, wenn Menschen langfristig ein formelles Unternehmen führten.

Ungleichheiten nehmen im Laufe der Karriere zu

Die Studie zeigt außerdem, dass nicht alle Bevölkerungsgruppen die gleichen Chancen auf eine erfolgreiche Unternehmerkarriere haben. Unterschiede, die zu Beginn noch vergleichsweise klein sind, können sich über viele Jahre deutlich vergrößern.

Frauen waren insbesondere unter den dauerhaft erfolgreichen Gründern mit formell eingetragenen Unternehmen deutlich seltener vertreten als Männer. Auch Schwarze und hispanische Teilnehmende stießen häufiger auf Hürden – vor allem beim Aufbau oder der langfristigen Führung formeller Unternehmen.

Nach Einschätzung der Forscher können bereits kleine Unterschiede beim Zugang zu Finanzierung, Netzwerken oder Mentoren langfristig erhebliche Auswirkungen haben. Ein kleiner Vorsprung oder Nachteil zu Beginn der beruflichen Laufbahn könne sich bis ins mittlere Lebensalter erheblich verstärken.