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Länger arbeiten, später in Rente: Reiches Pläne - Linke hält dagegen


Autor: Nadine Wüste, Agentur dpa

Berlin, Freitag, 03. April 2026

Die Lebenserwartung bleibt seit Jahren nahezu unverändert, während das Rentenalter steigt. Neue Zahlen zeigen zudem große Unterschiede zwischen den Regionen in Deutschland.
Die Diskussion um die Erhöhung des Renteneintrittsalters hält an, während neue Zahlen aus dem Jahr 2024 erhebliche regionale Unterschiede in der Lebenserwartung in Deutschland aufzeigen.


Während das gesetzliche Rentenalter allmählich steigt, bleibt die Lebenserwartung für ältere Menschen heute auf dem Niveau von 2014. Dies geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Die Daten verdeutlichen zudem erhebliche regionale Unterschiede: So haben Männer in Baden-Württemberg mit 65 statistisch gesehen ganze zwei Jahre mehr vor sich als in Sachsen-Anhalt. Die Linken-Abgeordnete Sarah Vollath hatte die kleine Anfrage gestellt, um Forderungen aus der Regierung nach einer weiteren Erhöhung des gesetzlichen Rentenalters zu begegnen.

Lebenserwartung steigt immer weiter: "Das stimmt einfach nicht"

Jetzt sieht sie sich durch die Daten aus dem Sozialministerium bestätigt: "Selbsternannte Rentenexperten fantasieren sich seit Jahren die Erzählung zusammen, dass die Lebenserwartung immer weiter steigt und die Menschen viel zu früh in Rente gehen", sagte Vollath. "Unsere Anfrage zeigt: Das stimmt einfach nicht."

Der Sozialverband Deutschland forderte: "Keine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters." Laut Statistik hatten 65-Jährige zuletzt Aussicht auf weitere 19,4 Lebensjahre. Dieser Durchschnittswert der Jahre 2022 bis 2024 lag nach einigen Schwankungen auf demselben Niveau wie zehn Jahre zuvor: Auch im Dreijahresmittel 2012 bis 2014 waren es gerundet 19,4 Jahre.

Derweil stieg aber nach der politischen Entscheidung für die "Rente mit 67" das gesetzliche Alter für eine abschlagsfreie Rente seit 2012 schrittweise um mehr als ein Jahr. Auch der tatsächliche Rentenstart verschob sich innerhalb von zehn Jahren im Schnitt um gut 1,3 Jahre nach hinten.

Lebenserwartung unterscheidet sich regional deutlich

Bis 2030 wird die Lebenserwartung für 65-Jährige laut Antwort der Regierung im Durchschnitt um ein Jahr für Männer und acht Monate für Frauen gestiegen sein. Die Anhebung des gesetzlichen Rentenalters von 65 auf 67 wird jedoch zwei volle Jahre umfassen. Vollath schließt daraus: "Die Regelaltersgrenze steigt zwischen 2012 und 2030 ungefähr doppelt so schnell wie die Lebenserwartung."

Volle zwei Jahre Zugewinn an Lebenszeit sind nach Angaben der Regierung in verschiedenen Rechenszenarien für Männer frühestens im Jahr 2035 und spätestens im Jahr 2056 erreicht; für Frauen dauert es im optimistischsten Szenario bis 2039 und im pessimistischsten bis 2069.

Die Lebenserwartung unterscheidet sich den Regierungsangaben zufolge regional deutlich. So hatten 65-jährige Frauen 2024 in Baden-Württemberg noch Aussicht auf 21,5 Jahre – im Saarland waren es nur knapp 20,2 Jahre. 65-jährige Männer in Baden-Württemberg hatten statistisch noch 18,6 Jahre vor sich, in Sachsen-Anhalt etwa 16,6 Jahre. Für Männer mit 65 lag die Lebenserwartung in Westdeutschland zuletzt durchweg etwas höher als in Ostdeutschland (Westen: 17,8; Osten 17,2).

Reiche will Anhebung des Rentenalters: Merz und Klingbeil mit anderen Plänen

Bei Frauen ist es umgekehrt (Westen: 20,8; Osten: 21,1). Daraus schließt Linken-Fraktionschefin Heidi Reichinnek, dass eine weitere Erhöhung des Rentenalters auch eine Schieflage verschärfen würde. Es gebe nicht nur regionale, sondern auch soziale Unterschiede: "Niedriges Einkommen und niedriger Bildungsstand sowie schlechte Arbeitsbedingungen und Wohnsituation beeinflussen die Gesundheit und damit auch die Lebenserwartungen erheblich", stellte Reichinnek fest.

Das Sozialministerium ließ in seiner Antwort offen, ob es tatsächlich zu einer weiteren Anhebung des Rentenalters kommen könnte. Mit der Frage befasse sich die Alterssicherungskommission, deren Vorschläge man abwarte, hieß es. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte im September mit Blick auf ein Papier ihres Beraterkreises erklärt, "dass wir angesichts einer höheren Lebenserwartung länger arbeiten müssen".

Zuletzt ging die Diskussion aber in eine etwas andere Richtung. Bundeskanzler Friedrich Merz plädierte dafür, die Rentenhöhe stärker an der Lebensarbeitszeit zu orientieren und nicht am Alter, in dem man in den Ruhestand geht. Auch SPD-Chef Lars Klingbeil sprach sich dafür aus, sich bei der Rente an den Beitragsjahren zu orientieren. Wer erst mit Ende 20 in den Job startet, der soll später in Rente gehen, als jemand, der mit 17 schon arbeitet."

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