Zu hoher Krankenstand: Regierung diskutiert kürzere Lohnfortzahlung
Autor: Nadine Wüste
Deutschland, Donnerstag, 16. April 2026
Union und SPD planen eine Reform der Lohnfortzahlung bei Krankheit. Kürzere Lohnfortzahlung und höhere Zuzahlungen für Patienten stehen zur Diskussion.
Verglichen mit anderen Ländern in Europa sind deutsche Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer häufiger krank und gehen auch öfter zum Arzt. Im Schnitt fehlen die Deutschen krankheitsbedingt 14,5 Tage im Jahr und gehen 9 bis 10 Mal pro Jahr zum Arzt. In anderen OECD-Ländern, also Industrienationen, gehen die Menschen im Schnitt 6,6 Mal zum Arzt.
Wie ein Insider der Bild bei vertraulichen Verhandlungen erfahren haben soll, wollen Union und SPD die Krankentage in Deutschland nach unten drücken. Diskutiert wird derzeit die Möglichkeit, die Lohnfortzahlung des Arbeitgebers im Krankheitsfall zu reduzieren.
Im Krankheitsfall: Lohnfortzahlung soll gekürzt werden
Wer bis zu sechs Wochen krankgeschrieben ist, erhält eine Lohnfortzahlung vom Arbeitgeber. Erst danach springt die Krankenkasse ein und zahlt 70 Prozent des Bruttoentgeltes. Das ist vom Gesetzgeber im Entgeltfortzahlungsgesetz festgelegt.
Nun wird besprochen, die Länge der Lohnfortzahlung zu kürzen, sodass die Krankenkassen schneller Krankengeld zahlen. Das fehlende Geld soll zur Rückkehr an den Arbeitsplatz motivieren.
Überdies steht auch ein sogenannter Karenztag zur Debatte. Bedeutet: Wer krank ist, erhält für den ersten Krankheitstag kein Geld. So soll vermieden werden, dass aufgrund von Kleinigkeiten Menschen zu Hause bleiben und sich direkt krankmelden. Umgekehrt kam der Vorschlag, Mitarbeiter, die zum Beispiel nur fünf Krankheitstage im Jahr aufweisen, mit einem extra Urlaubstag zu belohnen.
Große Sozialstaatreform: Trifft sie nur Kassenpatienten?
Zur großen Sozialstaatreform, für die für Ende April ein Gesetzentwurf verabschiedet werden soll, gehören auch Steuererhebungen oder -erhöhrungen bei Alkohol und Tabak. Auch eine Zuckersteuer wird diskutiert. Zudem plant die Merz-Regierung, die Medikamenten-Zuzahlung in Apotheken von 5 Euro auf bis zu 15 Euro zu erhöhen. Betroffen von der Reform scheinen vor allem Kassenpatienten und deren Geldbeutel zu sein.
Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, betrachtet das vorgeschlagene Sparpaket zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenkassen als "durchaus angemessen", wie die Deutsche Presse-Agentur am Mittwoch (15. März 2026) berichtet. Im ZDF-"Morgenmagazin" äußerte er, dass es "relativ ausgewogen ist und alle Betroffenen beteiligt werden". Angesichts der rapide steigenden Ausgaben gebe es nicht viele Alternativen. Ein Ausgleich über erhöhte Beiträge würde einseitig die Versicherten und die Arbeitgeber belasten.