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Krankenkassen teurer als man denkt: Echter Zusatzbeitrag viel höher


Autor: Dominik Jahn

Deutschland, Dienstag, 24. Februar 2026

Der durchschnittliche Zusatzbeitrag der Krankenkassen liegt 2026 über den Prognosen der Politik. Für Fachleute keine Überraschung.
Der durchschnittliche Zusatzbeitrag der Krankenkassen liegt 2026 mit 3,13 Prozent über den Prognosen der Politik, was auf finanzielle Engpässe und den Bedarf an Rücklagenaufbau zurückzuführen ist.


Mit Beginn des Jahres 2026 haben zahlreiche Krankenkassen bereits ihre Beiträge erhöht. Die Krise der Kassen ist groß. Bis zum Jahr 2027 droht eine Finanzlücke von bis zu zwölf Milliarden Euro. Jetzt ist von einem Zusatzbeitrag-Schock für Versicherte die Rede. Statt der vom Staat angegebenen 2,9 Prozent im Durchschnitt, liegt der Beitrag im Schnitt bereits bei 3,13 Prozent.

Doch ist das wirklich eine Neuigkeit? Und warum ist der Zusatzbeitrag überhaupt im Durchschnitt höher als gedacht?

Warum ist der Zusatzbeitrag der Krankenkassen höher als angegeben?

Wirft man einen Blick auf die neueste Berechnung durch das IGES Institut im Auftrag der DAK-Gesundheit, dann zeigt sich, dass die gesamte Abgabelast der Sozialversicherung bis zum Jahr 2035 sogar auf bis zu 50 Prozent anwachsen könnte für die Versicherten. Alle Bereiche der Sozialversicherung heißt:

  • Renten-,
  • Kranken-,
  • Pflege- und Arbeitslosenversicherung

Doch warum sind die Zusatzbeiträge viel höher? Die von der Bundesregierung kommunizierten 2,9 Prozent gelten lediglich als eine rein rechnerische Größe, die die Ausgaben abdecken soll. Was hier nicht beachtet wird, ist die Tatsache, dass die Krankenkassen ihre Rücklagen wieder aufbauen müssen. 

 

Damit kommt es zu ganz gravierenden Unterschieden. Diese kann man auf dem Informationsportal krankenkassen.de in einer umfangreichen, aktualisierten Liste mit Zusatzbeiträgen für alle Anbieter sehen: Die Techniker Krankenkasse (TK) liegt hier bei 2,69 Prozent, die DAK-Gesundheit bereits bei 3,2 Prozent und die BKK24 kommt sogar auf 4,39 Prozent.

TK-Chef warnt bereits 2025: 2,9 Prozent im Schnitt sind ein "Kommunikationskniff"

Doch ganz neu ist die Problematik mit dem durch die Politik herausgegebenen durchschnittlichen Zusatzbeitrag nicht. TK-Chef Jens Baas kritisierte die Angaben schon im November 2025. 

Im Interview mit dem Handelsblatt sprach Baas damals von einem "Kommunikationskniff" durch Bundesgesundheitsministerin Nina Warken. Und auch er verwies darauf, dass Krankenkassen  weiterhin die von der Politik auf ein Minimum abgeschmolzenen Reserven wieder auffüllen müssen. Baas: "Das berücksichtigt der Schätzerkreis in seiner Prognose nicht, wird sich aber auch auf die Beiträge auswirken." 

Zu stark steigen laut Baas die Ausgaben für die medizinische Versorgung in allen Bereichen. Baas ist sich daher sicher: "Die steigenden Ausgaben werden das Versprechen von stabilen Beiträgen zunichtemachen."

Techniker Krankenkasse verweist auf Stellungnahme zum Zusatzbeitrag

Auf Nachfrage von inFranken.de bestätigt die Techniker Krankenkasse die Tatsache, dass es sich um eine bereits bekannte Tatsache handelt, dass die Zusatzbeiträge höher sind, als von der Bundesregierung im Durchschnitt angegeben: "Es ist in der Tat keine neue Information."

Mit Verweis auf eine Stellungnahme durch den GKV-Spitzenverband vom 30.10.2025 heißt es dazu unter anderem: "Bereits aktuell liegt der von den Krankenkassen erhobene durchschnittliche Zusatzbeitragssatz mit 2,94 Prozent über dem vom BMG für 2025 festgelegten Satz von 2,5 Prozent." Und weiter:

  • "Der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz von 2,9 Prozent deckt die kassenspezifischen Finanzbedarfe für den gesetzlich geforderten Aufbau der Mindestreserven nicht ab. Es ist davon auszugehen, dass für die weitere Auffüllung der Reserven ein zusätzlicher Finanzbedarf von mindestens 0,1 Beitragssatzpunkten besteht, der sich in entsprechend höheren Zusatzbeitragssätzen niederschlagen wird.
  • Und der entscheidende Hinweis in der Stellungnahme der TK: "Insgesamt ist davon auszugehen, dass die tatsächlich erhobenen Zusatzbeitragssätze der Krankenkassen zu Jahresbeginn 2026 im Durchschnitt 3 Prozent überschreiten werden."

Berechnungen zu den Beiträgen der Krankenkassen 

Eine Annahme, die das IGES Institut bei seinen Berechnungen durchaus bestätigt. Ab dem Jahr 2027 laufen "für 2025 und 2026 gewährte Bundesdarlehen sowie die dämpfenden Effekte des sogenannten kleinen Sparpakets der Bundesregierung aus". Dagegen werden zusätzliche Ausgaben für Krankenhäuser und Apotheken und die Leistungsausgaben weiter steigen. 

Somit kommt es zu den errechneten rund 12 Milliarden Euro als Finanzlücke. Laut der Angaben des Institutes würde das, "ohne weitere Gegenmaßnahmen", zu einem Beitragssatzanstieg "um etwa sechs Zehntel Prozentpunkte auf 18,3 Prozent" führen.