Krankenkassen-Krise: Gkv-Chef will Steuererhöhung bei Bier und Zigaretten
Autor: Ellen Schneider
Deutschland, Dienstag, 07. April 2026
Die Finanzkommission Gesundheit schlägt höhere Steuern unter anderem auf Alkohol und Tabak vor. Eine Forderung, die Gkv-Chef Oliver Blatt unterstützt.
In der Debatte um Maßnahmen zur Bekämpfung der Krankenkassenkrise spielt auch die Prävention eine immer größere Rolle. Die von Gesundheitsministerin Nina Warken eingesetzte Finanzkommission Gesundheit etwa schlug jüngst vor, zuckerhaltige Getränke, Alkohol und Tabak stärker zu besteuern.
Auch Oliver Blatt, Chef des GKV-Spitzenverbands, sprach sich dafür bereits aus. "Lieber etwas teureres Bier und Zigaretten als die milliardenteuren Folgeerkrankungen vom Trinken und Rauchen", sagte Blatt laut dpa nun auch der Rheinischen Post. Schon zuvor forderte er in einer Mitteilung des Verbands: Man sollte dafür sorgen, dass Menschen gar nicht erst krank werden. Mit mehr Investitionen in Prävention und Gesundheitsförderung könnten langfristig Kosten gesenkt und das System stabilisiert werden. Kritiker bezweifeln jedoch, ob Prävention allein die tiefgreifenden Probleme der GKV lösen kann.
Krise der Krankenkassen: Gkv-Chef Blatt lenkt Blick auf Ausgaben - und setzt auf Prävention
Potenzial sehe Blatt im aktuellen Gesundheitssystem durchaus, immerhin stünden im laufenden Jahr 369,5 Milliarden Euro für die Versorgung und Gesundheit der Menschen zur Verfügung, bekräftigt der Gkv-Chef. Jetzt gelte es, "das vorhandene Geld, was wir haben, besser einzusetzen" und gemeinsame Lösungen für Reformen zu finden - ohne Rücksicht auf die Einzelinteressen der jeweiligen Akteure. "Wir müssen jetzt den Hintern hochkriegen", betont er.
Obwohl die vorläufigen Finanzergebnisse der Gkv einen Überschuss von 3,5 Milliarden Euro vorweisen, würden sie auch die Notwendigkeit von Strukturreformen zeigen. Denn: Der Trend, dass die Ausgaben stärker steigen als die Einnahmen, setze sich fort. 3,5 Milliarden Euro seien zwar viel Geld, aber dennoch seien die Kassen auch 2025 noch nicht in der Lage gewesen, ihre Finanzreserven, die sie in den vergangenen Jahren wie gesetzlich verordnet abschmelzen mussten, wieder auf das vorgeschriebene Niveau zu bringen.
Ein besonderes Anliegen sei Blatt das Thema Prävention. Schließlich würden der Konsum von Alkohol, Tabak und falsche Ernährung Folgekosten in Höhe von Milliarden von Euros verursachen. "Der Gedanke, dass wir mehr hinschauen müssen, wie wir bei uns in Deutschland Menschen erst gar nicht krank werden lassen, lohnt sich schon", bekräftigt er. "Wenn wir da besser würden, hätten wir einen Riesen-Effizienzgewinn auch für das Gesundheitssystem." Daher gelte es, die Rahmenbedingungen für ein gesundes Leben zu erleichtern und Menschen so zu befähigen.