CDU-Wirtschaftsrat: Mehr selbst zahlen und weniger Sozialleistungen
Autor: Agentur dpa, Nadine Wüste
Berlin, Montag, 02. Februar 2026
Der Vorschlagskatalog des CDU-Wirtschaftsrats sorgt für heftige Diskussionen in der Politik. Kritik kommt besonders von SPD, Linken und Sozialverbänden.
Wer zum Zahnarzt muss, soll künftig selbst zahlen müssen: Mit der Forderung nach solchen Einschnitten hat der CDU-Wirtschaftsrat empörte Reaktionen ausgelöst. In der SPD wurde der Forderungskatalog des CDU-nahen Unternehmerverbands als "Eiszeit pur" zurückgewiesen. Andere nannten ihn "verstörend" und "unsozial".
Der Wirtschaftsrat pocht auf deutlich weniger Sozialversicherungsleistungen. So lasse sich in der Krankenversicherung Verschiedenes "generell gut privat absichern", heißt es in dem sechsseitigen Papier "Agenda für die Arbeitnehmer in Deutschland", das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt und über das die "Bild am Sonntag" zuerst berichtet hatte.
Pläne des CDU-Wirtschaftsrats: Zahnarztbesuche sollen künftig selbst gezahlt werden
Ausdrücklich nannte der Verein etwa Zahnarztbehandlungen. Diese sollten "nicht länger im Umlageverfahren den Beitragszahlern zur Last fallen". Der Generalsekretär des Wirtschaftsrats, Wolfgang Steiger, sagte der dpa: "Ausdruck einer verantwortungsvollen Politik gegenüber Arbeitnehmern ist es auch, dafür zu sorgen, dass Sozialabgaben nicht immer weiter ansteigen und so immer weniger Netto vom Brutto bleibt." Der Leistungskatalog der Krankenkassen sei "einer von mehreren möglichen Ansatzpunkten, über die es eine ehrliche Debatte braucht".
Heute werden die meisten Maßnahmen zur Verhütung, Früherkennung und Behandlung von Zahn-, Mund- und Kieferkrankheiten von den Krankenkassen bezahlt. Wie bei den anderen Versicherungsleistungen gilt das Umlageprinzip. Die anfallenden Kosten werden durch die laufenden Beitragseinnahmen gedeckt.
Zahnarzt-Leistungen sind heute laut Regierung zuzahlungsfrei, sofern sie nicht über die als nötig anerkannte Versorgung hinausgehen. Vieles bezahlen die Patientinnen und Patienten aber bereits aus eigener Tasche, beispielsweise Inlays. In den ersten drei Quartalen 2025 gaben die gesetzlichen Krankenkassen für Zahnbehandlungen rund 10,5 Milliarden Euro aus.
Kritik bereits am ersten Vorschlag des Wirtschaftsrats
Einen ersten Vorstoss des Wirtschaftsrates hatte es im November 2025 gegeben. Damals legte man bereits eine konkrete Streichliste für Leistugen der Krankenkassen vor.
Gegenüber inFranken.de äußerte sich die Präsidentin des Sozialverbandes VdK, Verena Bentele, sehr kritisch dazu: "Ich bin gespannt, wann endlich in den Köpfen ankommt, dass wir mit Leistungskürzungen nicht weiterkommen. Solche Forderungen mögen Aufmerksamkeit bringen, lösen aber keine zentralen Probleme."