Druckartikel: Druck auf jede Krankenkasse wächst: Mehr Rentner und Teilzeit kosten Geld

Druck auf jede Krankenkasse wächst: Mehr Rentner und Teilzeit kosten Geld


Autor: Dominik Jahn

Deutschland, Donnerstag, 12. März 2026

Eine neue Studie warnt vor steigenden Beiträgen und wachsenden Problemen.
Steigenden Belastungen für gesetzliche Krankenkassen durch demografischen Wandel und vermehrte Teilzeitarbeit.


Die finanzielle Lage der gesetzlichen Krankenkassen ist bereits sehr angespannt. Zwar gab es im zurückliegenden Jahr einen 3,5 Milliarden Euro Überschuss - doch die helfen in der Krise nicht. Es gibt Berechnungen wonach das Finanz-Defizit 2026 auf  56 Milliarden Euro anwachsen könnte.

Und jetzt zeigt eine Studie des IGES Instituts, dass der Druck auf die Kassen immer weiter zunehmen wird. Das Problem: mehr Rentner und immer mehr Menschen in Teilzeit.

Krise der Kassen geht weiter: Verband der Ersatzkassen sieht in Studie die Bestätigung 

Im Auftrag des Verbands der Ersatzkassen (vdek) hat das Institut auf die Entwicklung der Finanzlage der Kassen geschaut. Dazu heißt es dann beim vdek, dass die Lage "extrem angespannt" bleibt.

Auch wenn der durchschnittlich erhobene Zusatzbeitrag mittlerweile bei 3,13 Prozent liegt, und damit doppelt so hoch wie noch vor drei Jahren, droht für 2027 eine weiter wachsende Finanzierungslücke. Es ist mit "mehr als zehn Milliarden Euro" zu rechnen. Dazu kämen dann weitere Beitragssatzerhöhungen. Der Grund für diese Entwicklung:

  • vdek: "Grund für die kritische Finanzsituation der GKV ist ein massives Ausgabenproblem, bedingt durch eine fehlgeleitete und teure Gesetzgebung, eine geschwächte Ausgaben- und Mengensteuerung, erhebliche Vergütungs- und Leistungsausweitungen sowie eine unzureichende Finanzierung versicherungsfremder Leistungen. Strukturelle Veränderungen auf der Einnahmenseite verschärfen das Problem noch."

Die Studie von IGES zeigt die Auslöser der wachsenden Probleme für Krankenkassen

Die Ergebnisse bekräftigen den Verband der Ersatzkassen in der Annahme, dass "der demografische Wandel, Veränderungen am Arbeitsmarkt und Verschiebungen in der Versichertenstruktur die Einnahmebasis in den kommenden Jahren spürbar beeinflussen" werden. So hat sich bei den Daten gezeigt:

  • Die Zahl der gesetzlich versicherten Rentner wird bis zum Jahr 2035 auf mehr als 20 Millionen steigen.
  • Für die Krankenkassen bedeutet das etwa 0,2 Beitragssatzpunkte zusätzlich. Das entspricht rund vier Milliarden Euro an zusätzlichen Kosten.
  • Teilzeitarbeit wird zunehmend zum Problem. Laut der Studie könnte die Quote hier auf 40 Prozent steigen bis ins Jahr 2035.
  • Wie bei der wachsenden Zahl der Rentner käme es auch beim Teilzeit-Problem zu einer zusätzlichen Belastung der Kassen von 0,2 Beitragssatzpunkten.
  • In Summe droht damit also ein Anstieg des durchschnittlichen Beitragssatzes um etwa 0,4 Prozentpunkte - also acht Milliarden Euro.

Die Studie nennt als Fazit aber auch Faktoren, die sich positiv auswirken könnten und der drohenden Belastung entgegensteuern. Hier heißt es:

  • Zahl der Familienversicherten könnte im Zuge einer weiter zunehmenden Erwerbsbeteiligung vor allem von Frauen auch zukünftig abnehmen und Zahl der beitragszahlenden Mitglieder zunehmen.
  • Darüber hinaus würde ein anhaltender Trend einer zunehmenden Erwerbsbeteiligung von Rentnern die Beitragsgrundlagen der GKV erweitern.
  • Wenn Politik Handlungsspielräume bei Potenzialen der Beschäftigungsausweitung im Alter, bei Minijobs sowie Teilzeitbeschäftigung nutzt und gegensteuert, könnten die Belastungsfaktoren weitergehend entschärft werden.

Kürzungen der Leistungen und höhere Beiträge als Reizthema

In der Krise der Krankenkassen sind besonders die Zusatzbeiträge und Kürzungen wie auch in der Studie erwähnt ein großes Thema. Zuletzt hat Oliver Blatt, Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes, im Gespräch mit der Kölnischen Rundschau (KR), Forderungen, Zuzahlungen für gesetzlich Versicherte zu erhöhen oder Leistungen zu streichen, zurückgewiesen. 

Und beim Sozialverband VdK hat man sich auf Nachfrage von inFranken.de ebenfalls kritisch zu möglichen Kürzungen der Leistungen der Kassen geäußert.

VdK-Präsidentin Verena Bentele erklärt dazu: "Leistungskürzungen werden die finanzielle Krise der Krankenkassen nicht lösen. Sie würden vor allem chronisch Kranke und ältere Menschen treffen, die auf eine gute und verlässliche Gesundheitsversorgung angewiesen sind."