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Kostenfalle im Netz: Verbraucherzentrale geht gegen Rentenportal vor


Autor: Susi Geus

Deutschland, Sonntag, 19. April 2026

Die Verbraucherzentrale warnt vor dem Portal rentnerauskunft.de und hat dessen Betreiber abgemahnt. Die Seite sieht professionell aus, gehört aber nicht zur Rentenversicherung.
Der Verbraucherschutz warnt: rentnerauskunft.de ist keine offizielle Seite der Rentenkasse


Willst du Informationen über deine künftige Rente erfragen oder Lücken im Versicherungsverlauf aufdecken, kannst du die nötigen Belege online kostenlos bei der Deutschen Rentenversicherung beantragen. Bei der Onlinesuche nach dem Begriff "Rentenversicherung" kann es aber leicht passieren, dass du an das falsche Portal gerätst. 

Was ist rentnerauskunft.de und wer steckt dahinter?

Beim Googeln nach dem Begriff "Rentenauskunft" wird dir vielleicht das Portal "rentenversicherung.de" angeboten. Das ist aber nicht die offizielle Seite der Deutschen Rentenversicherung. Besonders trügerisch für den Anwender ist, dass rentenversicherung.de fast das gleiche Logo benutzt wie die korrekte Internetseite der Rentenbehörde. 

Die Seite ist übersichtlich konfiguriert und führt dich, sobald du den hellgrünen Button  "Rentenauskunft jetzt anfordern" drückst, in einen Ablauf, bei dem am Ende 29,90 Euro für die Information fällig werden. Spätestens jetzt solltest du erkennen, dass hier etwas nicht stimmt, denn Auskünfte der Deutschen Rentenversicherung sind kostenlos.

Eigentlich ist es schon am Namen der Website erkennbar. Die Deutsche Rentenversicherung heißt auch so. Hinter "rentnerauskunft.de" steckt ein Unternehmen, das seinen Sitz in London hat und im Handelsregister des Registergerichts Companies House, London eingetragen ist.

Warum mahnt die Verbraucherzentrale rentnerauskunft.de an?

Die Verbraucherzentrale Niedersachsen warnt vor dem Portal rentnerauskunft.de und hat dessen Betreiber, die Regis Datasec Ltd. mit Sitz in London, aufgrund irreführender Geschäftspraktiken abgemahnt. Das Portal tarnt sich als offizielle Stelle, um Verbrauchern kostenpflichtige Dienstleistungen für Rentendokumente zu verkaufen, für die eigentlich keine Gebühren anfallen.

Die Website rentnerauskunft.de wirkt täuschend echt, sodass viele Nutzer sie für die offizielle Seite der Deutschen Rentenversicherung halten. Sogar das Logo ist farblich dem der korrekten Seite nachempfunden. Forderst du dort Rentendokumente an, erhältst du eine Rechnung, die du auch gleich online zahlen kannst.

Weiterhin irreführend ist, dass auf dem ersten Bestellbutton lediglich "Anfordern" steht. Es ist nicht klar erkennbar, dass eine zahlungspflichtige Aktion in Gang gesetzt wird. Das ist rechtswidrig. Laut § 312j BGB ist eine Beschriftung wie "zahlungspflichtig bestellen" zwingend erforderlich. Die erfolgt aber erst im weiteren Verlauf, nachdem du deine Daten eingegeben hast. Dort wirst du aufgefordert, die AGB und das Widerrufsrecht zu akzeptieren. Darunter ist dann der Button "zahlungspflichtig bestellen". Den solltest du auf keinen Fall drücken. Nach Einschätzung der Verbraucherzentrale kommt durch den fehlerhaften Button auf der Startseite kein wirksamer Vertrag zustande.

Was tun, wenn du bereits eine Rechnung erhalten oder sogar bezahlt hast?

Bist du bereits in die Falle getappt und hast eine Rechnung erhalten oder sogar schon gezahlt, ist es möglich, Widerspruch bzw. Widerruf einzulegen. Das kannst du formlos mit einer E-Mail-Nachricht tun oder du benutzt den Musterbrief der Verbraucherzentrale. In der Regel erhältst du dann dein Geld zurück. Falls nicht, bietet die Verbraucherzentrale eine Beratung hinsichtlich der rechtlichen Belange an.

Für viele weitere Dienstleistungen gibt es kommerzielle Portale, die unrechtmäßig teure Gebühren für ihre Tätigkeit verlangen. Diese Anbieter leiten deine Anträge nur an die zuständigen Behörden weiter und verlangen dafür Geld. Wenn du online offizielle Dokumente anforderst, ist es wichtig, genau zu prüfen, ob du wirklich auf der offiziellen Seite bist. 

Unseriöse Angebote gibt es für eine Vielzahl von Dokumenten. Zum Beispiel, wenn du Umzugsformulare zum Rundfunkbeitrag (GEZ) brauchst oder einen Nachsendeantrag bei der Deutschen Post stellen willst. Anträge auf Wohngeld, und auf Kinderzuschlag, der Sozialversicherungsausweis und eine Schufa-Auskunft sind bei den entsprechenden Behörden kostenlos zu erhalten. Standesämter verlangen für z. B. Geburtsurkunden Gebühren, die kannst du aber direkt auf dem Online-Portal deiner Stadt erfragen. Die elektronische Reisegenehmigung (ETA) für Großbritannien kostet 20 Pfund (ca. 23 Euro), wird aber auf Drittanbieterseiten für mindestens 60 Euro angeboten. Auch beim Online-Kauf von Vignetten für Österreich ist Vorsicht geboten. Die Preise müssen in Euro angegeben und transparent sein. Die offizielle Seite für Maut ist hier: www.asfinag.at. Dort wirst du umfassend informiert. Natürlich kannst du dich auch an den ADAC wenden. Er erteilt Mautauskünfte und verkauft Vignetten für ganz Europa.

Wie erkennst du die Abzock-Portale?

Viele der unseriösen Anbieter sind nur schwer von den offiziellen Online-Portalen zu unterscheiden. Meist stehen sie auch noch in den Google-Suchergebnissen ganz oben, da sie mit Werbung arbeiten. Lies genau, ob du erkennen kannst, wo Gebühren anfallen, und öffne das Impressum. Dort siehst du, ob die Seite wirklich zum zuständigen Amt oder der Behörde gehört.

Lies auch die AGB. Dort muss stehen, ob und für welche Dienstleistungen Gebühren anfallen. Mach Screenshots des Bestellvorganges, um später Nachweise zu haben, falls etwas schiefläuft. Schau in der Browserzeile nach, ob die Bezeichnung korrekt ist.

Wenn du den Online-Service der Deutschen Rentenversicherung nutzt, bist du auf der sicheren Seite. Telefonische Auskünfte und Hilfe beim Anfordern von Auskünften oder Formularen erhältst du bei der Hotline unter 0800 1000 4800, und zwar kostenlos. Für Mitglieder bietet auch der Sozialverband VdK Deutschland e.V. eine kostenlose Beratung in Rentenangelegenheiten an.