Koalition unter Druck: Stadtwerke rebellieren gegen Reiche-Pläne
Autor: Klaus Heimann
Deutschland, Samstag, 09. Mai 2026
Die Koalition steht beim Gebäudemodernisierungsgesetz unter Druck. Auch Stadtwerke schlagen Alarm gegen die Politik von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). Sie nennen die geplante Modernisierung "unausgereift" und lehnen sie ab. Stadtwerke und Politik geraten beim GMG aneinander. ⚡️🏙️
- Kollidiert die Wärmeplanung der Kommunen mit dem geplanten Gebäudemodernisierungsgesetz?
- Warum gibt es Streit zwischen der Wirtschafts- und der Bauministerin?
- Müssen Mieter mit höheren Heizungskosten rechnen?
Die Abschaffung des Habeck'schen Heizungsgesetzes (Gebäudeenergiegesetz (GEG)) und deren Ablösung durch das neue Gebäudemodernisierungsgesetz (GMG) stecken fest. Es gibt immer mehr Widerstand. Eigentlich wollte die Regierung noch vor Ostern einen im Kabinett geeinten Entwurf vorlegen. Das hat Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) bislang nicht realisiert. Die Uhr tickt beim Heizungsgesetz. Anstatt ihre Kraft auf das GMG zu fokussieren, kontrolliert die Ministerin Dutzende E-Mail-Konten von Mitarbeitern. Sie will so "undichte Stellen" finden, die das Eckpunktepapier an einige Medien "durchgestochen" haben, berichten übereinstimmend der Spiegel und der Tagesspiegel. inFranken.de informiert über den aktuellen Stand beim GMG.
Kollidiert die Wärmeplanung der Kommunen mit dem geplanten Gebäudemodernisierungsgesetz?
Zum 30. Juni 2026 tritt das Einbauverbot für neue Öl- und Gasheizungen in Kraft – sofern bis dahin das neue GMG nicht eine andere Regelung vorsieht. Genau dies haben die Unionsparteien im Wahlkampf versprochen. Dazu braucht es bis zum 1. Juli ein gültiges Gesetz, das im Kabinett, Bundestag und Bundesrat noch zu beschließen ist. Ob das GMG noch rechtzeitig kommt, ist höchst unwahrscheinlich.
Die Folgen sind beträchtlich: Das Einbauverbot für neue Öl- und Gasheizungen gilt in Großstädten (mit mehr als 100.000 Einwohnern), die ihre Wärmeplanung abgeschlossen haben. Das Wärmeplanungsgesetz (WPG) verpflichtet in § 4 Abs. 2 die großen Städte, bis zum 30.06.2026 ihre Planung vorzulegen. In Bayern sind das die Städte München, Nürnberg, Augsburg, Regensburg, Würzburg, Ingolstadt und Erlangen. Die übrigen Städte und Landkreise haben nach dem WPG dafür bis 2028 Zeit.
Mit Abschluss der Wärmeplanung greift die 65-Prozent-Regel im alten Heizungsgesetz (GEG). Das heißt: Alle neu eingebauten Heizungen müssen zu 65 % mit erneuerbaren Energien laufen. Üblicherweise ist dieser Wert nur mit einer Wärmepumpe, einer Hybridheizung oder mit einem Anschluss an das Fernwärmenetz zu schaffen. Der Spruch von Jens Spahn (Vorsitzender der Bundestagsfraktion der CDU/CSU), dass der "Heizungskeller wieder Privatsache wird", ist also schwerer umzusetzen als gedacht. Bundesministerin Katherina Reiche (CDU) schaffte es bislang nicht, die Eckpunkte, auf die sich die Koalitionsfraktionen Ende Februar einigten, in einen beratungsreifen Gesetzentwurf umzusetzen.
Warum gibt es Streit zwischen der Wirtschafts- und der Bauministerin?
Zu dem außer Kontrolle geratenen Zeitplan kommt noch hinzu, dass der Widerstand gegen das GMG wächst. Nicht nur die Partei Die Grünen, sondern neuerdings auch Stadtwerke lehnen die Eckpunkte ab. Ein Bündnis aus kommunalen Unternehmen, darunter die Stadtwerke Duisburg, die Leipziger Stadtwerke und die Mannheimer Stadtwerke (MVV Energie), hat sich mit dem Fernwärmeverband (AGFW) zusammengetan, um Veränderungen an den Plänen durchzusetzen.
Im Positionspapier des Bündnisses heißt es: "Die im Eckpunktepapier der Regierungsfraktionen skizzierten Reformen des Gebäudemodernisierungsgesetzes (GMG) könnten den Transformationsprozess ausbremsen und die Erfüllung der deutschen sowie europäischen Klimaziele ernsthaft gefährden". Und dann weiter: "Die im Eckpunktepapier festgelegten Leitlinien sind unausgereift und werden der Komplexität der Reformaufgabe nicht gerecht".