Kindergeld 2027: Wie viel es gibt – und wer es automatisch bekommt
Autor: Nadine Wüste, Stefan Lutter
Deutschland, Mittwoch, 05. August 2026
Mit dem neuen Kindergeld-Gesetz sollen Familien ab 2027 in mehrfacher Hinsicht entlastet werden. Neben der schrittweisen Erhöhung des Kindergelds ist eine antragslose Auszahlung geplant. Daneben soll es weitere Maßnahmen für Familien geben.
Ab 2027 soll sich für Millionen Familien in Deutschland einiges ändern: Das Kindergeld soll steigen, der Antrag soll in vielen Fällen automatisch entfallen – und auch steuerlich ist eine spürbare Entlastung geplant. Wie hoch das Kindergeld ab 2027 sein soll, wer automatisch Geld bekommen soll und was sich steuerlich ändert – alle wichtigen Antworten im Überblick.
Derzeit beträgt das Kindergeld unabhängig vom Einkommen 259 Euro monatlich je Kind. Wie aus einem Dokument des Bundesfinanzministeriums hervorgeht, plant die schwarz-rote Koalition eine schrittweise Anhebung bis auf 272 Euro pro Monat bis zum Jahr 2028.
Kindergeld 2027: Automatische Auszahlung und geplante Erhöhung
Zusätzlich zur Erhöhung will die Bundesregierung das Auszahlungsverfahren grundlegend vereinfachen. Künftig sollen Familien nach der Geburt automatisch Kindergeld erhalten, ohne einen Antrag stellen zu müssen. Wie die Bundesregierung auf ihrer offiziellen Website erläutert, ersetzt das neue Verfahren dabei nicht die Anspruchsprüfung durch die Familienkasse – bei unvollständiger Datenlage bleibt es beim bisherigen Verfahren. Das entsprechende Gesetz wurde am Donnerstag, dem 9. Juli 2026, vom Bundestag beschlossen. Die Zustimmung des Bundesrats steht noch aus. In Kraft treten sollen die Neuregelungen zum 1. Januar 2027; vorgesehen ist eine Umsetzung in zwei Stufen im Laufe des Jahres 2027.
Die Einführung des antragslosen Verfahrens ist zweistufig gegliedert:
- Stufe eins (voraussichtlich ab März 2027): Das antragslose Verfahren soll zunächst für Neugeborene gelten, deren Eltern bereits mindestens ein älteres Kind haben. Die Familienkasse greift dabei auf Daten zurück, die bereits vom ersten Kind vorliegen.
- Stufe zwei (voraussichtlich ab November 2027): Das Verfahren soll auf Eltern ausgeweitet werden, die ihr erstes Kind bekommen. Voraussetzung ist unter anderem, dass mindestens ein Elternteil mit dem Kind in Deutschland lebt, eine Kontonummer (IBAN) hinterlegt ist und mindestens ein Elternteil im Inland arbeitet.
Laut dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales handelt es sich beim antragslosen Kindergeld um die erste Maßnahme, die auf Grundlage der Empfehlungen der Sozialstaatskommission umgesetzt wird – mit dem Ziel, den Sozialstaat transparenter und bürgernäher zu gestalten. Die CDU-Politikerin Anne König erklärte dazu: "Mit dem antragslosen Kindergeld bauen wir Bürokratie spürbar ab und entlasten Familien in den ersten Wochen nach der Geburt." Außerdem habe sich die Union dafür eingesetzt, dass das Kindergeld grundsätzlich an die Mutter ausgezahlt wird.
Steuerliche Entlastung von bis zu 600 Euro: Diese Voraussetzungen gelten ab 2027
Wie aus den Reformbeschlüssen der Bundesregierung hervorgeht, sollen Familien mit zwei erwerbstätigen Eltern nach Modellrechnungen des Bundesfinanzministeriums ab 2027 um bis zu 600 Euro pro Jahr steuerlich entlastet werden. Die genannten Werte beruhen dabei auf Schätzungen und den derzeit geltenden Sozialabgaben; konkrete Zahlen können erst genannt werden, sobald das Ministerium den aktuellen Existenzminimumbericht veröffentlicht.