Keine Zukunft für Riester-Rente: Privates Altersvorsorge-Depot beschlossen
Autor: Nadine Wüste, Agentur dpa
Berlin, Freitag, 27. März 2026
Die Bundesregierung hat eine neue staatliche und private Altersvorsorge beschlossen, die flexibler und renditestärker als die Riester-Rente sein soll.
Ab Januar 2027 sollen neue Optionen entstehen, um sowohl privat als auch staatlich gefördert für das Alter vorzusorgen. Der Bundestag verabschiedete in Berlin einen Nachfolger für die zunehmend unbeliebte Riester-Rente. Die neuen Angebote seien kostengünstiger, flexibler und vor allem renditestärker, erklärten Union und SPD. Kritiker sehen jedoch auch Risiken.
Was die Regierung erreichen möchte
Vor allem soll erreicht werden, dass mehr Menschen privat für die Rente sparen. Denn die gesetzliche Rente steht vor Herausforderungen: Immer weniger Menschen zahlen ein, während es gleichzeitig mehr und ältere Rentner gibt. Private Vorsorge wird daher immer wichtiger, um im Alter den Lebensstandard halten zu können. Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) betonte, nun lohne sich die private Altersvorsorge auch für jene, die nur geringe Beträge einzahlen könnten. "Es lohnen sich auch schon 10 Euro im Monat." Kanzler Merz möchte künftig eine umfassende Reform, die hin zu einer Aktienrente geht.
Welche Spar-Varianten existieren
Im Zentrum der Reform steht die Abkehr von der verpflichtenden Beitragsgarantie. Für sicherheitsorientierte Sparer soll es weiterhin eine Altersvorsorge geben, bei der 100 Prozent der eingezahlten Beiträge garantiert ausgezahlt werden. Hinzu kommt jedoch eine Variante mit 80-prozentiger Garantie und ein Altersvorsorgedepot ohne Garantien, die höhere Renditen am Kapitalmarkt versprechen. Das bietet Sparern mehr Wahlmöglichkeiten, die bereit sind, für mehr Gewinn auch höhere Risiken einzugehen.
Neu geplant ist auch ein von einem öffentlichen Träger angebotenes Standarddepot. Die Idee: Dieses Depot soll günstige Konditionen bieten – und dann auch private Finanzinstitute unter Druck setzen, nachzuziehen. Die Finanzbranche zeigt sich wenig begeistert: Der Staat werde damit zum Akteur in einem Markt, in dem er selbst den Rahmen setze, sei also gleichzeitig Regulierer, Schiedsrichter und Wettbewerber. Auch die AfD äußerte solche Bedenken.
Vor allem die Grünen hingegen lobten die Entscheidung der Koalition. Sie hatten zuvor ein öffentliches Depot gefordert. Allerdings wollten sie, dass alle Bürger dort automatisch einzahlen, wenn sie sich nicht bewusst dagegen entscheiden. Die Koalition setzt darauf, dass man selbst aktiv wird – viele Menschen würden so wieder nicht erreicht, kritisiert die Oppositionsfraktion.
Was das kosten soll
Beim alten Riester-System mindern hohe Abschluss- und Verwaltungskosten die Rendite erheblich. Im neuen System soll für die Standardprodukte deshalb ein Kostendeckel von einem Prozent der Effektivkosten gelten. Banken und Versicherer können dennoch teurere Produkte anbieten, zum Beispiel bei Beratung vor Ort. Die Sparerinnen und Sparer haben jedoch zumindest Alternativen.
Kritikern ist auch dieser einprozentige Deckel noch zu hoch. Er sei zwar ein Fortschritt im Vergleich zu vielen Riester-Verträgen, "aber wenn man das mit dem Zinseszinseffekt durchrechnet, stellt man fest, dass er immer noch zu hoch ist und den Verbrauchern viele Zehntausende von Euro kosten kann", sagte Finanzmarktexpertin Dorothea Mohn vom Verbraucherzentrale Bundesverband dem Sender Bayern 2.