Kapitalrente kommt: Altersvorsorge per Aktienmarkt – Vor- und Nachteile
Autor: Stefan Lutter
Deutschland, Sonntag, 02. August 2026
Deutschland plant die Einführung einer Kapitalrente als Teil der Rentenreform ab 2028. Das neue Modell soll die gesetzliche Rentenversicherung entlasten und bringt Chancen sowie Risiken für Arbeitnehmer und Unternehmen mit sich.
Der demografische Wandel hat das Fundament der gesetzlichen Rentenversicherung in Deutschland nachhaltig erschüttert. Immer weniger Beitragszahler müssen immer mehr Rentner finanzieren. Die Antwort der Bundesregierung auf diesen strukturellen Druck trägt den Namen Kapitalrente – ein Modell, das einen Teil der Rentenbeiträge nicht mehr direkt an heutige Rentenempfänger weiterleitet, sondern am Kapitalmarkt anlegt.
Laut dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales basiert die Kapitalrente als Teil der großen Rentenreform 2026 auf 33 Empfehlungen der Alterssicherungskommission, die am Montag (23. Juni 2026) an Bundeskanzler Friedrich Merz und Arbeitsministerin Bärbel Bas übergeben wurden. Der Koalitionsausschuss beschloss am Mittwoch (2. Juli 2026), alle 33 Empfehlungen vollständig umzusetzen. Das Gesetzgebungsverfahren soll nach der parlamentarischen Sommerpause beginnen – ein Abschluss bis Ende 2026 ist das erklärte Ziel der Bundesregierung, gilt laut der Stuttgarter Zeitung angesichts der rechtlichen Komplexität jedoch als ambitioniert.
Kapitalrente ab 2028: Aufbau und Funktionsweise des neuen Modells
Ab 2028 zahlen Arbeitgeber und Beschäftigte zusätzlich zur bestehenden Umlagerente einen Teil ihres Bruttoeinkommens in einen öffentlichen Fonds ein – als Ergänzung, nicht als Ersatz. Laut den Plänen der Rentenkommission beträgt der Beitrag zum Start je 0,5 Prozent des Bruttoeinkommens und steigt in jährlichen Schritten bis 2031 auf je ein Prozent, sodass insgesamt zwei Prozent in den Kapitalstock fließen. Für einen Arbeitnehmer mit 3500 Euro Bruttolohn bedeutet das dem Nachrichtenportal news.de zufolge einen Zusatzbeitrag von rund 35 Euro pro Monat, sobald die Reform vollständig greift.
Die Erträge sollen laut Rentenkommission das Rentenniveau der heute Jüngeren ab etwa 2040 spürbar steigen lassen – für Beschäftigte kurz vor dem Ruhestand ist mit einem nennenswerten Effekt hingegen kaum zu rechnen.
Ergänzend zur Kapitalrente ist die sogenannte Frühstart-Rente bereits beschlossen: Kinder zwischen sechs und 18 Jahren erhalten monatlich zehn Euro steuerfrei auf ein persönliches Altersvorsorgedepot – der erste Jahrgang bekommt den Betrag rückwirkend ab Januar 2026. Die Rentenkommission empfiehlt ausdrücklich, die Frühstart-Rente mit der gesetzlichen Kapitalrente zu verzahnen, um besonders lange Ansparzeiten zu ermöglichen.
Das Vorbild Schweden und ein möglicher deutscher Staatsfonds
Als Orientierungsmodell dient das schwedische System: Der staatliche Standardfonds AP7 Såfa läuft seit dem Jahr 2000 und wird mit 2,5 Prozent der Rentenbeiträge gespeist. Dem Nachrichtenportal t-online zufolge erzielte er zwischen 2000 und 2025 im langjährigen Durchschnitt rund elf Prozent Rendite pro Jahr – bei Verwaltungskosten von nur 0,05 Prozent.
Für Deutschland ist ebenfalls ein Staatsfonds vorgesehen, der das Kapital der Versicherten zu Kosten von maximal 0,1 Prozent pro Jahr anlegen soll. Als konkreter Kandidat für das Fondsmanagement gilt der KENFO – der staatliche Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung. Der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zufolge hat KENFO-Vorstandsvorsitzende Anja Mikus öffentlich signalisiert, dass ihr Haus für diese Aufgabe bereit sei: "Wir haben jetzt die Plattform dafür und wir haben die Kompetenz dafür", so Mikus.