Italien: Maut-Erstattung bei Stau durch Baustellen ab Juni 2026
Autor: Nadine Wüste, Agentur dpa
Rom, Montag, 01. Juni 2026
Italien erstattet einen Teil der Maut, wenn Autofahrer wegen Baustellen deutlich länger brauchen. Die neue Regel soll vor allem in der Reisezeit für Entlastung sorgen.
In Italien soll es jetzt eine Rückerstattung geben, wenn man auf einer mautpflichtigen Autobahn aufgrund einer Baustelle lange im Stau steht. Die neue Regelung trat diesen Montag (1. Juni 2026) in Kraft, also noch vor Beginn der großen Reisewelle im Sommer. Wird die normale Fahrzeit erheblich überschritten, müssen die Autobahnbetreiber ihren Kunden die Maut teilweise oder sogar vollständig zurückerstatten.
Jedes Jahr sind auf Italiens Autobahnen auch viele Deutsche unterwegs. Auf dem Weg nach Südtirol, in die Toskana oder weiter in den Süden wird auch in diesem Jahr mit regem Verkehr gerechnet. Für Ausländer ist es nach dem Ärger im Stau jedoch nicht einfach, das Geld zurückzufordern. Die Entschädigung kann über eine App beantragt werden, in der alle Betreiber von Italiens privaten Autobahnen zusammengeschlossen sind.
Im Stau auf der Autobahn: Wann es jetzt in Italien Geld zurückgibt
Autofahrer sollen bereits eine Erstattung erhalten, wenn die Fahrt auf einer Strecke von knapp 100 Kilometern zehn Minuten länger dauert als gewöhnlich. Bei längeren Strecken muss die Verspätung größer sein. Bei mehr als zwei Stunden gibt es nach den Vorgaben der Verkehrsbehörde in der Regel die gesamte Maut zurück.
Die Regelung gilt grundsätzlich auch für Autofahrer aus dem Ausland. Allerdings ist eine italienische Steuernummer erforderlich, um sich in der App registrieren zu können. Dies ist auch für Nicht-Italiener möglich, jedoch umständlich. Unterstützung kann unter anderem die deutsche Botschaft in Rom oder die italienische Botschaft in Berlin bieten. Der ADAC kritisiert: "Italien zählt zu den Ländern mit den höchsten Autobahngebühren in Europa. Und kompliziert ist das System obendrein."
Gezahlt wird erst, wenn der Erstattungsbetrag mehr als einen Euro beträgt. Die Autobahngesellschaft Autostrade per l'Italia rechnete beispielsweise vor, dass es 75 Prozent zurückgibt, wenn man auf einer 90 Kilometer langen Strecke 40 Minuten länger braucht als üblich. Bei einer Stunde wird dann alles erstattet. Kein Geld gibt es zurück, wenn es sich um sogenannte Notfall-Baustellen handelt, bei Unfällen oder wetterbedingten Störungen.
"Schlechter Service": ADAC und Verbraucherschutz skeptisch
Das neue System soll bis Dezember vollständig einsatzbereit sein. Die Neuregelung wurde von der Rechtsregierung in Rom vorangetrieben. Verkehrsminister Matteo Salvini bezeichnete den Beschluss als "Wendepunkt" für die Umsetzung von Rechten von Autofahrern. Hingegen bezweifelt Italiens Verbraucherschutzverband, dass alles funktioniert. "Es ist offensichtlich, dass es jahrelang keine echten Strafen für die geben wird, die den Nutzern einen schlechten Service bieten", heißt es von dort.
Zudem warnen Verbraucherschützer davor, dass die Betreiber ihre Kosten für die Rückerstattungen durch eine Erhöhung der Gebühren ausgleichen. Insgesamt gibt es in Italien etwa 7.000 Kilometer Autobahnen. Im Unterschied zu Deutschland, wo die Nutzung kostenlos ist, muss für den allergrößten Teil Maut gezahlt werden. Europaweit sind die Gebühren in Italien und Frankreich am höchsten: Pro gefahrenem Kilometer werden laut Verbraucherschutzverbänden im Durchschnitt zwischen sieben und neun Cent fällig.