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In 2026: Merz-Regierung plant mehr Netto für Arbeitnehmer


Autor: Elisabeth von Sydow, Nadine Wüste

Deutschland, Donnerstag, 05. März 2026

Die Merz-Regierung plant steuerfreie Zuschläge für Überstunden – so landet künftig mehr Netto auf dem Konto. Erfahre, wer profitiert und wie viel extra reinkommt.
Mehr Netto vom Brutto: Überstunden sollen künftig steuerlich begünstigt werden.


Mehr Netto durch Überstunden: Die Merz-Regierung setzt auf mehr Anreize für freiwillige Mehrarbeit. Zuschläge für Überstunden sollen steuerfrei werden, damit du als Vollzeitkraft mehr Netto in die Tasche steckst. Die Pläne laufen unter dem Arbeitsmarktstärkungsgesetz und sollen ab 2026 greifen – ein Schritt, der den Fachkräftemangel abfedern soll.

Was sieht die neue Steuerregel für Überstunden vor?

Die neue Steuerregel soll Arbeitnehmern zugutekommen. Die Regelung macht Zuschläge für Überstunden steuerfrei, damit das Gehalt in Deutschland steigt. Das gilt, solange Überstunden 25 Prozent deines Grundlohns nicht überschreiten. Der Grundlohn selbst bleibt steuerpflichtig, nur der Zuschlag – also der Mehrbetrag über dem normalen Stundenlohn – fällt von der Steuer ab.

Das gilt für Mehrarbeit über die vereinbarten Vollzeit hinaus, wobei Vollzeit bei Tarifverträgen 34 Wochenstunden und sonst 40 Stunden bedeutet. Der Start sollte auf den 1. Januar 2026 fallen, als Teil eines größeren Pakets zur Arbeitsmarktstärkung. Da es aber noch Bedarf zum Nachjustieren gab, wurde die Einführung verschoben.

Laut Schätzungen könnten "Millionen Arbeitnehmer" von der steuerlichen Entlastung betroffen sein, vor allem in Branchen mit hohem Überstundenaufkommen wie Produktion oder Pflege. Teilzeitkräfte gehen jedoch oft leer aus, da die Regel nur für Arbeit über der Vollzeitgrenze greift. Auch Rentner, die weiterarbeiten, erhalten separate Anreize durch eine Aktivrente mit höheren Freibeträgen. Nach Angaben der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung könnten 1,4 Prozent der Beschäftigten von der Steuerregel profitieren können.

Wie hoch fällt der zusätzliche Nettolohn durch Überstunden aus?

Bei einem Bruttolohn von 3.000 Euro und typischen 28 Überstunden im Monat könntest du durch die Steuerfreiheit eine Überstundenvergütung von rund 64 Euro Netto pro Monat erhalten. Der genaue Betrag hängt von deinem Steuersatz, dem Zuschlagssatz und der Anzahl der Stunden ab – bei 25 Prozent Zuschlag und höherem Einkommen steigt der Effekt entsprechend.

Arbeitgeber könnten zusätzlich bis zu 4.500 Euro steuerfrei als Prämie für Stundenzustockungen zahlen, was dein Netto weiter aufbessert. Insgesamt soll Mehrarbeit so attraktiver werden, ohne dass der Grundlohn belastet wird. Die Überstunden müssen freiwillig und über deiner Vollzeitgrenze liegen, mit Zuschlägen bis maximal 25 Prozent des Grundlohns. Arbeitgeber dokumentieren den Zuschlag separat im Lohnsteuerabzug, damit er nicht besteuert wird. Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen definieren oft die genaue Vollzeitgrenze; ohne Tarif gilt die 40-Stunden-Woche. Die Regel greift nicht bei unbezahlten Überstunden oder wenn der Zuschlag höher ausfällt.

Der wissenschaftliche Beirat des Bundesfinanzministeriums wandte sich im August 2025 in einem Schreiben an Finanzminister Lars Klingbeil (SPD). Darin bewerteten die Experten die Steuerbefreiung von Überstundenzuschlägen als wenig zielführend. Einer vereinfachten Berechnung zufolge könnten Arbeitnehmer durch die steuerfreien Zuschläge lediglich rund 3,50 Euro je Überstunde zusätzlich erhalten.

Wie sind die internationalen Steuerregelungen für Überstunden?

In Deutschland bleiben derzeit alle Überstunden inklusive Zuschläge steuerpflichtig, was den Nettogewinn dämpft. Merz’ Vorschlag sorgt derweil für Kritik bei den Gewerkschaften. Sie warnen vor einem Freibrief für Arbeitgeber, die den Acht-Stunden-Tag aushebeln könnten, und kritisieren, dass Teilzeitkräfte benachteiligt werden. Es besteht die Gefahr, dass die Mehrarbeit steigt, ohne dass Löhne oder Arbeitsbedingungen langfristig verbessert werden. Es muss aufgepasst werden, dass die Überstunden nicht das Arbeitsrecht aushebeln.

Im Vergleich dazu kennen Länder wie die USA oder Großbritannien oft steuerliche Freistellungen für Überstunden oder Pauschalen, die Mehrarbeit stärker fördern. Schweden und Dänemark belohnen freiwillige Mehrarbeit mit ähnlichen Modellen, die den Nettolohn direkt steigern, um den Arbeitsmarkt flexibel zu halten. In Skandinavien gibt es oft steuerreduzierte Zuschläge oder Freibeträge bis zu einem gewissen Stundenvolumen, kombiniert mit flexiblen Arbeitszeitkonten.

Die Merz-Pläne bringen Deutschland damit international näher auf Linie, mit Fokus auf Zuschläge statt Vollentlastung, und orientieren sich an diesen Ansätzen, um den Anreiz für freiwillige Mehrarbeit zu stärken, ohne das gesamte Einkommen zu entlasten.

Was müssen Arbeitnehmer und Arbeitgeber jetzt beachten?

Sobald die Steuerreform der Merz-Regierung in Kraft tritt, prüfe du als Arbeitnehmer deinen Tarifvertrag oder dein Arbeitszeitmodell, ob du die Vollzeitgrenze überschreitest. Lass dir Zuschläge separat ausweisen, damit sie steuerfrei bleiben. Dokumentiere deine Überstunden genau, um Nachweise für die Lohnabrechnung zu haben, und kläre mit der Personalabteilung, wie die neue Regel in deinem Betrieb umgesetzt wird.

Arbeitgeber sollten dann Lohnabrechnungen anpassen, Zuschläge klar vom Grundlohn trennen und Schulungen für die Buchhaltung durchführen, um Fehler zu vermeiden. Informiere deine Teams frühzeitig über die neuen Regeln, etwa in Betriebsversammlungen oder per E-Mail, damit niemand Chancen verpasst oder falsche Erwartungen entstehen. Überprüfe bestehende Arbeitszeitregelungen und bereite Software-Updates vor, die den steuerfreien Anteil automatisch erfassen.

Beide Seiten sollten aktuelle Entwicklungen im Bundesfinanzministerium und aufseiten der Gewerkschaften beobachten, da Anpassungen im Gesetzgebungsverfahren möglich sind – etwa zu Freibetragshöhen oder Ausnahmen. Hier sollten offizielle Kanäle wie das BMF-Portal oder Branchenverbände für Updates genutzt und Pufferzeiten eingeplant werden, falls sich die Umsetzung verzögert.