Gesundheitsreform: Teilkrankschreibung soll Krankenkassen entlasten
Autor: Klaus Heimann
Deutschland, Mittwoch, 10. Juni 2026
Mit der geplanten Teilkrankschreibung könnten Beschäftigte künftig trotz Krankheit teilweise arbeiten. Das neue Modell soll Krankenkassen und Arbeitgeber entlasten und das Gesundheitssystem stabilisieren.
Mit der groß geplanten Gesundheitsreform, die durch massive Einsparungen die Krankenkassen aus der Krise retten soll, soll auch die sogenannte Teilzeitkrankschreibung kommen. Vorbild für diese sind die skandinavischen Länder. Hier gibt es seit Jahrzehnten verschiedene Modelle, sich "teilzeit krankzuschreiben". Hierzulande würde eine Teilzeitkrankschreibung bedeuten, dass Arbeitnehmer trotz einer ärztlich festgestellten Krankschreibung zeitweise arbeiten dürfen bzw. können. Dadurch sollen Millionen Euro bei den Krankenkassen eingespart werden.
Wie ist der Ablauf der Teilkrankschreibung?
Ärztinnen und Ärzte müssen auch künftig eine Arbeitsunfähigkeit zu 100 Prozent oder eine Teilarbeitsunfähigkeit von 75, 50 oder 25 Prozent feststellen und in einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU-Bescheinigung) festhalten. Statt einer 40-Stunden-Woche könnten "teilkranke" Beschäftigte dann beispielsweise 20 Stunden arbeiten. Drei Bedingungen müssen erfüllt sein:
- Der Arzt stellt die eingeschränkte Arbeitsfähigkeit fest.
- Der Arbeitnehmer fühlt sich in der Lage, in Teilzeit zu arbeiten.
- Der Arbeitgeber stimmt zu.
Lehnt der Arbeitgeber ab, bleibt alles wie bisher: volle Krankschreibung und das Krankengeld in der bisherigen Höhe. Homeoffice oder die Flexibilisierung der Arbeitszeiten flankieren die Teilkrankschreibung. Wenn du sie beantragst, musst du das deinem Arbeitgeber melden. Der hat dann sieben Kalendertage Zeit, um zu prüfen, ob der Arbeitsplatz dafür geeignet ist. Gibt der Arbeitgeber innerhalb dieser Zeit keine Erklärung ab, gilt der Arbeitsplatz als geeignet.
Welche Vorteile hat diese Art der Krankschreibung?
In Europa sind es die skandinavischen Länder, die als Vorreiter gelten. Das IGES, ein Forschungs- und Beratungsunternehmen für Fragen des Gesundheitswesens und der Gesundheitsversorgung in Berlin, hat die unterschiedlichen Modelle untersucht.
Das IGES kommt zu dem Ergebnis, dass Menschen mit der Möglichkeit zur Teilkrankschreibung schneller in den Beruf zurückkehren und dauerhaft dort bleiben. Auch senke es die Wahrscheinlichkeit von Langzeitarbeitsunfähigkeit und Frühverrentung. Als Gründe für die Erfolge nennt das IGES, dass es eine geregelte Tagesstruktur gibt und die Teilnahme am Berufs- und Sozialleben, den Genesungsprozess unterstützt. Zudem könne es dem Selbstvertrauen helfen, wenn die Belastung stufenweise steige und die Mitarbeiter schrittweise mehr leisten.
Auf Nachfrage von inFranken.de bestätigt die Siemens-Betriebskrankenkasse (SBK) in München, die über umfassende Erfahrungen mit der Wiedereingliederung von Mitarbeitern nach dem Hamburger Modell verfügt, die positiven Erfahrungen der schrittweisen Wiedereingliederung. In ihrem Statement für inFranken.de betont deren Sprecherin Franziska Herrmann: "Grundsätzlich kann es sinnvoll sein, im individuell möglichen Umfang in den Arbeitsalltag zurückzukehren. Denn je nach Erkrankung kann Arbeit den Genesungsprozess positiv unterstützen. Eine Tätigkeit im passenden Rahmen stärkt häufig das Wohlbefinden und hilft dabei, den Kontakt zum Arbeitsalltag zu erhalten."