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Gesundheitsprobleme treiben immer mehr Menschen in die Schuldenfalle


Autor: Emma Firlus

Deutschland, Donnerstag, 27. August 2026

Eine neue Statistik zeigt, welche Ursachen 2025 besonders häufig hinter Überschuldung standen – und wie hoch die Schulden der Betroffenen waren.
Diese Gründe treiben Menschen in Deutschland am häufigsten in die Überschuldung.


  • Gesundheitliche Probleme sind häufigster Auslöser für Überschuldung
  • Trennung und Scheidung belasten besonders Alleinerziehende
  • Die meisten Ratsuchenden leben allein
  • Staatliche Stellen sind häufigste Gläubiger
  • Statistik zeigt nur Teil der Überschuldung in Deutschland

Überschuldung hat viele Ursachen – oft stehen jedoch schwere persönliche Einschnitte dahinter. Eine Erkrankung, der Verlust des Arbeitsplatzes oder familiäre Veränderungen können dazu führen, dass Menschen ihre finanziellen Verpflichtungen nicht mehr bewältigen können. Die neue Überschuldungsstatistik des Statistischen Bundesamtes zeigt, welche Gründe im Jahr 2025 besonders häufig dazu führten, dass Betroffene Hilfe bei einer Schuldnerberatung suchten.

Gesundheitliche Probleme sind häufigster Auslöser für Überschuldung

Bei den Menschen, die 2025 Unterstützung von einer Schuldnerberatungsstelle in Anspruch nahmen, waren gesundheitliche Probleme der häufigste Grund für die finanzielle Notlage. 18 Prozent der Ratsuchenden nannten eine Erkrankung, eine Sucht oder einen Unfall als entscheidenden Auslöser ihrer Überschuldung. Damit lagen persönliche Schicksalsschläge noch vor wirtschaftlichen Problemen wie dem Verlust des Arbeitsplatzes.

Arbeitslosigkeit war mit rund 17 Prozent die zweithäufigste Ursache für eine Überschuldung. Die Zahlen zeigen, dass finanzielle Schwierigkeiten häufig nicht allein durch falsches Konsumverhalten entstehen, sondern mit Veränderungen der Lebenssituation verbunden sind. Wenn Einkommen wegfällt oder zusätzliche Belastungen entstehen, können bestehende Verpflichtungen schnell zu einer dauerhaften Schuldenlast werden.

Die durchschnittliche Höhe der Schulden aller beratenen Personen lag im Jahr 2025 bei 34.650 Euro. Dabei gab es deutliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen: Männer hatten im Durchschnitt Verbindlichkeiten von 39.717 Euro, während Frauen durchschnittlich mit 29.500 Euro verschuldet waren.

Trennung und Scheidung belasten besonders Alleinerziehende

Bei Alleinerziehenden spielten familiäre Veränderungen eine besonders große Rolle. Eine Trennung, Scheidung oder der Tod des Partners beziehungsweise der Partnerin wurde sowohl von alleinerziehenden Frauen als auch von alleinerziehenden Männern in rund 23 Prozent der Fälle als Hauptgrund für die Überschuldung genannt.

Gerade für Alleinerziehende können solche Einschnitte erhebliche finanzielle Folgen haben. Neben der emotionalen Belastung müssen häufig gleichzeitig neue finanzielle Herausforderungen bewältigt werden – etwa durch ein verändertes Einkommen oder höhere Kosten im Alltag mit Kindern.

Auch bei der Schuldenhöhe zeigten sich Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Alleinerziehende Mütter hatten im Durchschnitt Schulden von 34.386 Euro. Bei alleinerziehenden Vätern lag die durchschnittliche Schuldenlast mit 46.219 Euro deutlich höher.

Die meisten Ratsuchenden leben allein

Die größte Gruppe unter den Menschen, die eine Schuldnerberatung aufsuchten, bildeten 2025 Einpersonenhaushalte. Knapp 52 Prozent der beratenen Personen lebten allein. Rund ein Viertel dieser Gruppe nannte gesundheitliche Probleme als wichtigsten Grund für die Überschuldung.

Die durchschnittlichen Verbindlichkeiten von alleinlebenden Menschen lagen bei 32.155 Euro. Auch innerhalb dieser Gruppe gab es Unterschiede zwischen Männern und Frauen: Alleinlebende Männer hatten im Durchschnitt Schulden in Höhe von 35.293 Euro, alleinlebende Frauen dagegen 27.629 Euro.

Die Daten machen deutlich, dass Überschuldung verschiedene Bevölkerungsgruppen betrifft. Besonders häufig sind Menschen betroffen, deren Lebensumstände sich durch Krankheit, Arbeitslosigkeit oder persönliche Veränderungen plötzlich verschlechtern.

Staatliche Stellen sind häufigste Gläubiger

Viele überschuldete Menschen haben nicht nur einen einzelnen Gläubiger, sondern offene Forderungen bei mehreren Stellen gleichzeitig. Besonders häufig bestanden Zahlungsrückstände gegenüber der öffentlichen Hand. Dazu zählen unter anderem Finanzämter, gesetzliche Kranken- und Rentenversicherungsträger sowie die Bundesagentur für Arbeit und Jobcenter.

Rund 57 Prozent der beratenen Personen hatten im Jahr 2025 offene Forderungen gegenüber öffentlichen Einrichtungen. Ebenfalls häufig waren Schulden bei Telekommunikationsunternehmen: Etwa 47 Prozent der Ratsuchenden hatten dort Zahlungsrückstände.

Weitere häufige Schuldenarten waren Ratenkredite bei Banken sowie unbezahlte Rechnungen aus dem Online- und Versandhandel. Rund 37 Prozent der beratenen Personen hatten Verbindlichkeiten bei Kreditinstituten, knapp 29 Prozent offene Forderungen aus dem Handel.

Statistik zeigt nur Teil der Überschuldung in Deutschland

Die Ergebnisse der Überschuldungsstatistik 2025 beruhen auf Angaben von 738 Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen in Deutschland. Erfasst wurden rund 187.000 beratene Personen. Die Teilnahme an der Erhebung war für Beratungsstellen und Ratsuchende freiwillig.

Die Ergebnisse wurden auf alle Menschen hochgerechnet, die von Schuldner- und Insolvenzberatungsstellen in den Bundesländern beraten wurden. Sie zeigen jedoch nicht die gesamte Zahl der überschuldeten Menschen in Deutschland, da nicht alle Betroffenen professionelle Hilfe suchen oder von den teilnehmenden Stellen erfasst werden.

Mit dem Berichtsjahr 2025 wurde die Überschuldungsstatistik zum 20. Mal veröffentlicht. Die Erhebung besteht seit 2006 und wird seit 2011 auf Grundlage des Überschuldungsstatistikgesetzes als dauerhafte Bundesstatistik fortgeführt.