Frühstartrente startet: So fördert der Staat Altersvorsorge für Kinder

Die Frühstartrente unterstützt Kinder mit monatlichen Beiträgen für ihre Altersvorsorge. Eltern und Verwandte können zusätzlich einzahlen und so das Vermögen weiter steigern.

eden Monat zahlt der Staat zehn Euro – über viele Jahre hinweg kann so ein ansehnliches Kapital für die spätere Altersvorsorge entstehen. Mit der sogenannten Frühstartrente plant die Bundesregierung, Kinder und Jugendliche frühzeitig für den Kapitalmarkt zu interessieren und die private Vorsorge zu stärken. Zusätzlich haben Eltern und Angehörige die Möglichkeit, durch eigene Einzahlungen das angesparte Guthaben weiter auszubauen.

Der deutsche Bundestag hat die Frühstartrente am Freitag beschlossen. Nun muss der Bundesrat noch zustimmen, was aber als gesichert gilt. Finanzpolitiker der schwarz-roten Koalition sprachen von einer historischen Entscheidung. Der SPD-Finanzpolitiker Michael Thews sagte, die Frühstartrente werde lange wirken. "Das wird vielen helfen, eine vernünftige Altersvorsorge aufzubauen."

 Eine frühe Altersvorsorge hänge heute oft von der Einkommens- oder Vermögenshöhe bei den Eltern ab. "Diese Ungleichheit setzt sich dann oft bis ins Alter fort. Das wollen wir ändern."

So soll die Frühstartrente in der Praxis funktionieren

Der Bund plant dem Entwurf zufolge, für jedes Kind vom 6. bis zum 18. Lebensjahr künftig zehn Euro pro Monat in ein individuelles, kapitalgedecktes Altersvorsorgedepot zu zahlen. Ausgezahlt werden soll das geförderte Kapital erst nach Vollendung des 65. Lebensjahrs. Zuzahlungen sollen bis zu 6.840 Euro im Jahr möglich sein. 

Das Depot soll von den Eltern bei einem Anbieter nach Wahl eröffnet werden können oder in einer öffentlichen Kapitalanlage erfolgen. Die Erträge sollen bis Auszahlungsbeginn steuerfrei sein. Starten soll die Frühstartrente mit dem Geburtsjahrgang 2020 rückwirkend zum 1. Januar 2026. Ab kommendem Jahr soll jährlich der Jahrgang der dann Sechsjährigen dazukommen. 

Auch für frühere Geburtsjahrgänge, jene der unter 18-Jährigen, sollen Verträge geschlossen werden können, aber ohne staatliche Zuwendungen. Ein Antrag soll generell nicht nötig sein. Die Ausgaben des Bundes für die Frühstartrente sollen zunächst bei 198 Millionen Euro im Jahr liegen und bis 2030 auf 411 Millionen Euro steigen.

Frühstartrente als Weiterbildung

Mit dem Projekt will die schwarz-rote Koalition laut Gesetzentwurf auch die Finanzkompetenz in Deutschland stärken. Die Wertentwicklung soll für die jungen Menschen "in ihren persönlichen Depots unmittelbar erlebbar" werden, heißt es aus Ministeriumskreisen. Der Gesetzentwurf spricht von "einer frühen praktischen Kapitalmarkterfahrung junger Menschen" mit den Eltern.

Eltern und Kinder sollten nachvollziehen können, wie sich das Vermögen entwickele und welche Rolle Kapitalmarktmechanismen für die private Altersvorsorge spielten. Anbieter und öffentliche Stellen sollen dazu regelmäßig verständlich und transparent informieren. So sollen Anreize entstehen, die private Vorsorge im Erwachsenenalter mit eigenen Beiträgen fortzuführen.

Wie viel Geld kann die Frühstartrente bringen?

SPD-Finanzpolitiker Michael Thews rechnete vor, dass bei zehn Euro Förderung am 18. Geburtstag 1.440 Euro zur Verfügung stehen könnte. Wer nach dem 18. Lebensjahr zehn Euro selbst einzahlen würde, hätte bei Erreichen des 65. Lebensjahrs 53.000 Euro und bei Umwandlung eine Rente von 200 Euro. Die Vorschrift, dass nur ein Standarddepot wie in der privaten Altersvorsorge abgeschlossen werden könne, sei vorteilhaft, vor allem, weil die Kosten gedeckelt seien und damit der Ertrag höher sei. 

Auch ohne Elterninitiative soll niemand leer ausgehen

Ein zentrales Element der Planung ist, dass alle berechtigten Kinder profitieren sollen – unabhängig davon, ob die Eltern aktiv werden. Wird kein Depot eröffnet, soll eine zentrale Auffanglösung greifen.

Die staatlichen Beiträge werden dann kollektiv für den jeweiligen Jahrgang angelegt. Später soll es möglich sein, diese Mittel in ein individuelles Depot zu übertragen, sobald ein solches eingerichtet wird.

Damit will die Bundesregierung verhindern, dass Kinder allein deshalb benachteiligt werden, weil ihre Eltern sich nicht aktiv um eine Depoteröffnung kümmern.

Wer Anspruch hat – und welche Regeln gelten sollen

Anspruchsberechtigt sollen grundsätzlich alle Kinder und Jugendlichen zwischen sechs und 18 Jahren sein, die eine Schule in Deutschland besuchen. Parallel wird noch geprüft, ob zusätzliche Kriterien wie der Wohnsitz oder der Bezug von Kindergeld verbindlich werden.

Die Erträge aus dem angesparten Kapital sollen bis zum Renteneintritt steuerfrei bleiben. Erst in der Auszahlungsphase würden sie regulär besteuert werden, so die bisherige Planung.

Der politische Zeitplan sieht vor, dass die Frühstartrente 2026 gesetzlich verankert wird. Die Auszahlung soll rückwirkend zum Jahresbeginn starten – zunächst für den Jahrgang 2020, der als erster in das Modell fällt.

Früh vorsorgen statt abwarten

Unabhängig von der politischen Umsetzung verweisen Experten darauf, dass der Vermögensaufbau für Kinder nicht auf staatliche Programme warten müsse. Bereits heute ließen sich mit Kinderdepots und ETF-Sparplänen langfristig erhebliche Vermögen aufbauen.

Entscheidend sei dabei der lange Anlagehorizont. Über Jahrzehnte hinweg könnten selbst kleine monatliche Beträge durch den Zinseszinseffekt deutlich wachsen – vorausgesetzt, sie werden konsequent investiert und breit gestreut angelegt.

Die Frühstartrente könnte diesen Prozess ergänzen. Ob sie tatsächlich den erhofften Effekt entfaltet, wird jedoch stark von ihrer konkreten Ausgestaltung abhängen. emfi/lmi/mit dpa

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