Druckartikel: Frühstartrente kommt: Zehn Euro im Monat sollen Altersvorsorge sichern

Frühstartrente kommt: Zehn Euro im Monat sollen Altersvorsorge sichern


Autor: Emma Firlus, Lea Mitulla

Deutschland, Sonntag, 26. Juli 2026

Ein Vorsorgemodell für Kinder und Jugendliche soll die Frühstart-Rente werden. Die Bundesregierung plant: Zehn Euro monatlich sollen vom Staat in ein Altersvorsorgedepot eingezahlt werden. Hilft das?
Die Idee der Frühstartrente: Schon in Kindheit und Jugend für das Alter vorsorgen. (Symbolfoto)


Zehn Euro im Monat, vom Staat gezahlt – und über viele Jahrzehnte hinweg soll daraus ein nennenswertes Vermögen für die Altersvorsorge entstehen. Mit der sogenannten Frühstartrente will die Bundesregierung Kinder früh an den Kapitalmarkt heranführen und gleichzeitig den Aufbau privater Vorsorge stärken. 

Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) hat den angekündigten Gesetzentwurf für eine Frühstartrente in die Ressortabstimmung der Regierung gegeben. Laut Informationen der Deutschen Presse-Agentur sind darin weitere Details enthalten. Zentrales Ziel sei "mehr Chancengleichheit", sagte Klingbeil den Zeitungen der Funke Mediengruppe, die zuerst berichtete. Eine frühe Altersvorsorge hänge heute oft von der Einkommens- oder Vermögenshöhe bei den Eltern ab. "Diese Ungleichheit setzt sich dann oft bis ins Alter fort. Das wollen wir ändern."

So soll die Frühstartrente in der Praxis funktionieren

Der Bund plant dem Entwurf zufolge, für jedes Kind vom 6. bis zum 18. Lebensjahr künftig zehn Euro pro Monat in ein individuelles, kapitalgedecktes Altersvorsorgedepot zu zahlen. Ausgezahlt werden soll das geförderte Kapital erst nach Vollendung des 65. Lebensjahrs. Zuzahlungen sollen bis zu 6.840 Euro im Jahr möglich sein. 

Das Depot soll von den Eltern bei einem Anbieter nach Wahl eröffnet werden können oder in einer öffentlichen Kapitalanlage erfolgen. Die Erträge sollen bis Auszahlungsbeginn steuerfrei sein. Starten soll die Frühstartrente mit dem Geburtsjahrgang 2020 rückwirkend zum 1. Januar 2026. Ab kommendem Jahr soll jährlich der Jahrgang der dann Sechsjährigen dazukommen. 

Auch für frühere Geburtsjahrgänge, jene der unter 18-Jährigen, sollen Verträge geschlossen werden können, aber ohne staatliche Zuwendungen. Ein Antrag soll generell nicht nötig sein. Die Ausgaben des Bundes für die Frühstartrente sollen zunächst bei 198 Millionen Euro im Jahr liegen und bis 2030 auf 411 Millionen Euro steigen.

Frühstartrente als Weiterbildung: Wie hoch soll der Ertrag ausfallen?

Mit dem Projekt will die schwarz-rote Koalition laut Gesetzentwurf auch die Finanzkompetenz in Deutschland stärken. Die Wertentwicklung soll für die jungen Menschen "in ihren persönlichen Depots unmittelbar erlebbar" werden, heißt es aus Ministeriumskreisen. Der Gesetzentwurf spricht von "einer frühen praktischen Kapitalmarkterfahrung junger Menschen" mit den Eltern.

Eltern und Kinder sollten nachvollziehen können, wie sich das Vermögen entwickele und welche Rolle Kapitalmarktmechanismen für die private Altersvorsorge spielten. Anbieter und öffentliche Stellen sollen dazu regelmäßig verständlich und transparent informieren. So sollen Anreize entstehen, die private Vorsorge im Erwachsenenalter mit eigenen Beiträgen fortzuführen.

Inklusive Zinseffekten und Zuschüssen der Eltern rechnet man im Finanzministerium mit großen Ertragschancen. Zahlen beispielsweise die Eltern monatlich 10 Euro zu, steigt der Depotwert bis 18 auf rund 4.400 Euro, wie das Ministerium vorrechnet. Mit 65 liegt der Wert bei 107.000 Euro. Schießen die Eltern pro Monat 50 Euro zu, können die Kinder mit 65 mit einem 320.000-Euro-Depot rechnen. Wenn die Eltern nichts dazugeben, dann liegt der Depotwert mit 18 demnach bei 2.200 Euro und mit 65 Jahren bei rund 53.000 Euro.

Auch ohne Elterninitiative soll niemand leer ausgehen

Ein zentrales Element der Planung ist, dass alle berechtigten Kinder profitieren sollen – unabhängig davon, ob die Eltern aktiv werden. Wird kein Depot eröffnet, soll eine zentrale Auffanglösung greifen.

Die staatlichen Beiträge werden dann kollektiv für den jeweiligen Jahrgang angelegt. Später soll es möglich sein, diese Mittel in ein individuelles Depot zu übertragen, sobald ein solches eingerichtet wird.

Damit will die Bundesregierung verhindern, dass Kinder allein deshalb benachteiligt werden, weil ihre Eltern sich nicht aktiv um eine Depoteröffnung kümmern.

Wer Anspruch hat – und welche Regeln gelten sollen

Anspruchsberechtigt sollen grundsätzlich alle Kinder und Jugendlichen zwischen sechs und 18 Jahren sein, die eine Schule in Deutschland besuchen. Parallel wird noch geprüft, ob zusätzliche Kriterien wie der Wohnsitz oder der Bezug von Kindergeld verbindlich werden.

Die Erträge aus dem angesparten Kapital sollen bis zum Renteneintritt steuerfrei bleiben. Erst in der Auszahlungsphase würden sie regulär besteuert werden, so die bisherige Planung.

Der politische Zeitplan sieht vor, dass die Frühstartrente 2026 gesetzlich verankert wird. Die Auszahlung soll rückwirkend zum Jahresbeginn starten – zunächst für den Jahrgang 2020, der als erster in das Modell fällt.

Offene Fragen und Kritik an den Kosten

Trotz der politischen Grundsatzentscheidung sind viele Punkte noch ungeklärt. Dazu zählen unter anderem die genaue Ausgestaltung der Anlageprodukte, mögliche Zuzahlungen durch Familien sowie die Kostenstruktur der Depots.

Besonders die Frage der Gebühren gilt als entscheidend. Verbraucherschützer warnen laut Spiegel davor, dass das Modell ähnliche Probleme entwickeln könnte wie frühere staatlich geförderte Vorsorgeprodukte, bei denen hohe Kosten die Rendite deutlich geschmälert haben.

Finanzexperten fordern deshalb klare Obergrenzen und transparente, möglichst günstige Standardlösungen. Nur so könne verhindert werden, dass das Modell langfristig vor allem der Finanzbranche nützt.

Früh vorsorgen statt abwarten

Unabhängig von der politischen Umsetzung verweisen Experten darauf, dass der Vermögensaufbau für Kinder nicht auf staatliche Programme warten müsse. Bereits heute ließen sich mit Kinderdepots und ETF-Sparplänen langfristig erhebliche Vermögen aufbauen.

Entscheidend sei dabei der lange Anlagehorizont. Über Jahrzehnte hinweg könnten selbst kleine monatliche Beträge durch den Zinseszinseffekt deutlich wachsen – vorausgesetzt, sie werden konsequent investiert und breit gestreut angelegt.

Die Frühstartrente könnte diesen Prozess ergänzen. Ob sie tatsächlich den erhofften Effekt entfaltet, wird jedoch stark von ihrer konkreten Ausgestaltung abhängen. emfi/lmi/mit dpa