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Frühstart-Rente: Zehn Euro im Monat für die Rente von morgen


Autor: Emma Firlus

Deutschland, Mittwoch, 03. Juni 2026

Mit der Frühstart-Rente plant die Bundesregierung ein neues Vorsorgemodell für Kinder und Jugendliche. Zehn Euro monatlich sollen vom Staat in ein Altersvorsorgedepot eingezahlt werden. Hilft das?
Staatlicher Sparplan für Kinder: So funktioniert die Frühstart-Rente.


Die Idee klingt schlicht: Zehn Euro im Monat, vom Staat gezahlt – und über viele Jahrzehnte hinweg soll daraus ein nennenswertes Vermögen für die Altersvorsorge entstehen. Mit der sogenannten Frühstart-Rente will die Bundesregierung Kinder früh an den Kapitalmarkt heranführen und gleichzeitig den Aufbau privater Vorsorge stärken. Doch viele Details sind weiterhin offen.

Was hinter der Frühstart-Rente steckt

Die Frühstart-Rente ist laut dem Bundesfinanzministerium als staatlich gefördertes Vorsorgemodell für Kinder und Jugendliche gedacht. Ziel ist es, bereits früh einen finanziellen Grundstein für die spätere Altersvorsorge zu legen und gleichzeitig den Umgang mit Kapitalmarktprodukten zu fördern.

Der Staat zahlt dafür monatlich zehn Euro in ein individuelles Altersvorsorgedepot ein, das für Kinder zwischen sechs und 18 Jahren vorgesehen ist. Über die Jahre hinweg soll so ein Kapitalstock entstehen, der später in die reguläre Altersvorsorge überführt werden kann.

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil betont dabei vor allem den bildungspolitischen Ansatz: Kinder und Jugendliche sollen früh lernen, wie Vermögensaufbau funktioniert und welche Rolle private Vorsorge künftig spielt.

So soll das Modell in der Praxis funktionieren

Um die Frühstart-Rente nutzen zu können, sollen Eltern für ihre Kinder ein eigenes Altersvorsorgedepot bei einem Anbieter ihrer Wahl eröffnen. In dieses Depot fließt dann die staatliche Förderung bis zur Volljährigkeit automatisch ein.

Zusätzlich sollen freiwillige Einzahlungen möglich sein, etwa durch Eltern oder andere Angehörige. Ab dem 18. Lebensjahr kann das Depot weitergeführt und eigenständig bespart werden, wodurch der langfristige Vermögensaufbau fortgesetzt werden soll.

Ziel der Bundesregierung ist ein nahtloser Übergang in eine spätere private Altersvorsorge. Dafür sollen bestehende und neue Fördermodelle besser miteinander verzahnt werden als in früheren Systemen.

Auch ohne Elterninitiative soll niemand leer ausgehen

Ein zentrales Element der Planung ist, dass alle berechtigten Kinder profitieren sollen – unabhängig davon, ob die Eltern aktiv werden. Wird kein Depot eröffnet, soll eine zentrale Auffanglösung greifen.

Die staatlichen Beiträge werden dann kollektiv für den jeweiligen Jahrgang angelegt. Später soll es möglich sein, diese Mittel in ein individuelles Depot zu übertragen, sobald ein solches eingerichtet wird.

Damit will die Bundesregierung verhindern, dass Kinder allein deshalb benachteiligt werden, weil ihre Eltern sich nicht aktiv um eine Depoteröffnung kümmern.

Wer Anspruch hat – und welche Regeln gelten sollen

Anspruchsberechtigt sollen grundsätzlich alle Kinder und Jugendlichen zwischen sechs und 18 Jahren sein, die eine Schule in Deutschland besuchen. Parallel wird noch geprüft, ob zusätzliche Kriterien wie der Wohnsitz oder der Bezug von Kindergeld verbindlich werden.

Die Erträge aus dem angesparten Kapital sollen bis zum Renteneintritt steuerfrei bleiben. Erst in der Auszahlungsphase würden sie regulär besteuert werden, so die bisherige Planung.

Der politische Zeitplan sieht vor, dass die Frühstart-Rente 2026 gesetzlich verankert wird. Die Auszahlung soll rückwirkend zum Jahresbeginn starten – zunächst für den Jahrgang 2020, der als erster in das Modell fällt.

Offene Fragen und Kritik an den Kosten

Trotz der politischen Grundsatzentscheidung sind viele Punkte noch ungeklärt. Dazu zählen unter anderem die genaue Ausgestaltung der Anlageprodukte, mögliche Zuzahlungen durch Familien sowie die Kostenstruktur der Depots.

Besonders die Frage der Gebühren gilt als entscheidend. Verbraucherschützer warnen laut Spiegel davor, dass das Modell ähnliche Probleme entwickeln könnte wie frühere staatlich geförderte Vorsorgeprodukte, bei denen hohe Kosten die Rendite deutlich geschmälert haben.

Finanzexperten fordern deshalb klare Obergrenzen und transparente, möglichst günstige Standardlösungen. Nur so könne verhindert werden, dass das Modell langfristig vor allem der Finanzbranche nützt.

Früh vorsorgen statt abwarten

Unabhängig von der politischen Umsetzung verweisen Experten darauf, dass der Vermögensaufbau für Kinder nicht auf staatliche Programme warten müsse. Bereits heute ließen sich mit Kinderdepots und ETF-Sparplänen langfristig erhebliche Vermögen aufbauen.

Entscheidend sei dabei der lange Anlagehorizont. Über Jahrzehnte hinweg könnten selbst kleine monatliche Beträge durch den Zinseszinseffekt deutlich wachsen – vorausgesetzt, sie werden konsequent investiert und breit gestreut angelegt.

Die Frühstart-Rente könnte diesen Prozess ergänzen. Ob sie tatsächlich den erhofften Effekt entfaltet, wird jedoch stark von ihrer konkreten Ausgestaltung abhängen.