Frührente: SPD setzt auf österreichische Lösung statt Rente mit 63
Autor: Klaus Heimann
Deutschland, Montag, 10. August 2026
Politiker diskutieren über die Zukunft der Rente mit 63 und denken über eine neue Regelung speziell für Härtefälle nach. Doch Experten fordern eine Sozialreform, die bessere Lösungen für belastete Berufsgruppen und die Rentenversicherung bringt.
Die Rente mit 63 steht erneut im Mittelpunkt einer hitzigen politischen Debatte. Nahezu ein Drittel aller Arbeitnehmer, die neu in die Altersrente wechseln, macht von der Möglichkeit eines frühzeitigen Renteneintritts nach 45 Beitragsjahren ohne Abschläge Gebrauch.
Faktisch ist die "Rente mit 63" längst eine Rente mit 64. Da das Rentenalter schrittweise angehoben wird, verschiebt sich das Eintrittsalter für die abschlagsfreie Frührente mit jedem Geburtsjahr entsprechend nach oben. Nun haben zwei SPD-Spitzenfunktionäre einen neuen Vorschlag vorgelegt, wie die "Rente mit 63" gerettet werden könnte.
Droht der "Rente mit 63" tatsächlich das Ende?
Nach der Vorlage der Empfehlungen der Alterssicherungskommission schien das Aus für die "Rente mit 63" für langjährig Versicherte mit mindestens 45 Beitragsjahren nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Einmütig lobten die schwarz-roten Koalitionäre (CDU/CSU/SPD) die Ergebnisse und versprachen eine Eins-zu-eins-Umsetzung der 33 Vorschläge. Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) bezeichnete die Rentenpläne als "Gesamtkunstwerk", das nun umgesetzt werden müsse. Ob das wirklich so kommt, ist inzwischen aber völlig offen. Überraschend haben die CDU-Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (Sachsen), Sven Schulze (Sachsen-Anhalt) und Mario Voigt (Thüringen) gefordert, auf die Abschaffung der abschlagsfreien Frührente nach 45 Beitragsjahren zu verzichten. Auch die sozialdemokratischen Länderchefs Anke Rehlinger (Saarland), Manuela Schwesig (Mecklenburg-Vorpommern) und Dietmar Woidke (Brandenburg) haben ein Umdenken gefordert.
Allein im Jahr 2025 kostete die Abschlagsfreiheit die gesetzliche Rentenversicherung rund 13 Milliarden Euro, weil eigentlich fällige Abzüge beim Renteneintritt entfielen. Vor diesem Hintergrund nähern sich Union und SPD in der Frage einer sozialen Abfederung an: Unionsfraktionschef Thorsten Frei erklärte, eine Härtefallregelung sei "in jedem Fall angezeigt" – und auch über Übergangsregelungen werde man reden müssen. Laut einer aktuellen Umfrage lehnen 68 Prozent der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren ab.
Dirk Wiese, erster parlamentarischer Geschäftsführer der SPD, und Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) wollen die "Rente mit 63 Jahren" jedoch nicht einfach fortschreiben. Beide plädieren für "neue Ideen" und eine Nachfolgeregelung. Laut Deutscher Presse-Agentur (dpa) streben die SPD-Politiker eine neue "Härtefallregelung" zusätzlich zur Erwerbsminderungsrente an. Als Vorbild dient Österreich: Das Nachbarland kennt eine Schwerarbeitspension, die vor allem an die Belastung der ausgeübten Tätigkeit anknüpft.
Österreichische Schwerarbeitspension: Wie funktioniert das Modell?
Anders als die deutsche "Rente mit 63" knüpft die österreichische Schwerarbeitspension nicht allein an die Dauer des Arbeitslebens an, sondern an die Belastung der ausgeübten Tätigkeit. Eingeführt wurde sie im Jahr 2007. Rechtliche Grundlage bilden das Allgemeine Pensionsgesetz und die sogenannte Schwerarbeitsverordnung mit zwei Berufslisten. In der Liste 1 sind Berufe mit körperlicher Schwerarbeit und einem täglichen Energieverbrauch von mindestens 2.000 Kilokalorien aufgeführt. Die Liste 2 umfasst Berufe mit einem täglichen Verbrauch von 1.400 bis 2.000 Kilokalorien.
Wer die Schwerarbeitspension in Anspruch nehmen möchte, muss vier zentrale Voraussetzungen erfüllen: