Flugausfälle im Sommer? Wie ernst die Kerosinlage wirklich ist
Autor: Emma Firlus
Deutschland, Sonntag, 31. Mai 2026
Steigende Kerosinpreise, gestrichene Flüge und Warnungen vor möglichen Engpässen: Der Krieg im Nahen Osten bringt die Reisebranche in Alarmbereitschaft. Was bedeutet das für den Sommerurlaub?
Die Angst vor einem Kerosinmangel wächst: Airlines streichen Flüge, Preise steigen, und Experten warnen vor möglichen Folgen für den Sommerreiseverkehr. Noch gibt es Entwarnung – doch die Unsicherheit bleibt.
Warum die Sorge vor einem Kerosinmangel wächst
Steigende Ticketpreise, gestrichene Flüge und die Sorge vor Engpässen beim Flugbenzin: Der Konflikt im Nahen Osten sorgt zunehmend auch in Europas Reisebranche für Unruhe. Experten warnen, dass sich die Lage im Sommer zuspitzen könnte – ausgerechnet zur Hauptreisezeit. Auslöser sind laut Spiegel vor allem Probleme bei den internationalen Lieferketten für Kerosin. Ein erheblicher Teil der europäischen Importe stammt aus dem Nahen Osten und wird über die Straße von Hormus transportiert. Sollte es dort länger zu Einschränkungen kommen, könnte das Folgen für Airlines, Flughäfen und Urlauber haben.
Noch beschwichtigen Politik und Branche. Die Bundesregierung sieht derzeit keine akute Versorgungskrise. Gleichzeitig laufen bereits Krisengespräche, denn Luftfahrtverbände und Energieexperten halten Engpässe in den kommenden Monaten zumindest für möglich. Die Internationale Energieagentur (IEA) warnte zuletzt davor, dass mehrere europäische Länder in den kommenden Wochen mit einer angespannten Versorgungslage beim Flugtreibstoff rechnen müssen. Auch der internationale Luftfahrtverband IATA sieht die Entwicklung mit Sorge.
Hintergrund ist die starke Abhängigkeit Europas von Importen. Ein bedeutender Teil des Kerosins kommt aus dem Nahen Osten. Gerät die Lieferkette dort unter Druck, könnten sich die Auswirkungen rasch weltweit bemerkbar machen. Fachleute warnen deshalb vor möglichen Engpässen, falls die Krise länger andauert. Die Bundesregierung versucht derzeit, die Lage unter Kontrolle zu halten. Nach einem Treffen mit Vertretern der Luftfahrt- und Mineralölbranche betonte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, es gebe aktuell keine Versorgungsprobleme. Gleichzeitig befassen sich Ministerien und der Nationale Sicherheitsrat mit möglichen Szenarien für die kommenden Monate.
Sparmaßnahmen und höhere Ticketpreise
Obwohl bislang kein akuter Kerosinmangel herrscht, reagieren viele Fluggesellschaften bereits auf die stark gestiegenen Treibstoffkosten. Besonders betroffen sind Airlines mit vielen Kurzstreckenverbindungen und hohem Kerosinverbrauch. Die Lufthansa hat angekündigt, bis Oktober rund 20.000 Kurzstreckenflüge zu streichen. Dadurch sollen laut ADAC etwa 40.000 Tonnen Kerosin eingespart werden. Betroffen sind vor allem Verbindungen der Kernmarke Lufthansa sowie der Tochtergesellschaft Cityline. Auch andere europäische Airlines haben ihr Angebot bereits reduziert.
Die Maßnahmen erfolgen vor allem aus wirtschaftlichen Gründen. Denn der Treibstoff gehört zu den größten Kostenfaktoren der Branche. Je länger die Preise hoch bleiben, desto stärker geraten Airlines unter Druck, Verbindungen auszudünnen oder ältere Flugzeuge schneller außer Dienst zu stellen.
Für Reisende macht sich die Entwicklung schon jetzt bemerkbar. Zahlreiche Fluggesellschaften haben ihre Ticketpreise erhöht oder zusätzliche Zuschläge eingeführt. Besonders betroffen sind längere Flugstrecken zwischen Europa, Asien und Afrika. Mehrere internationale Airlines verlangen inzwischen sogenannte Betankungs- oder Kerosinzuschläge. Andere kalkulieren die höheren Treibstoffkosten direkt in die Ticketpreise ein. Vor allem Fernreisen könnten dadurch im Sommer deutlich teurer werden. Die Folge: Viele Urlauber orientieren sich offenbar um. Reiseveranstalter und Marktanalysen registrieren eine steigende Nachfrage nach europäischen Zielen wie Spanien, Portugal, Griechenland oder Italien. Fernreisen verlieren dagegen an Attraktivität, weil die Gesamtkosten steigen.