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Einkommen in Deutschland: Wer zählt zur Mittelschicht?


Autor: Christoph Eberle

Deutschland, Donnerstag, 01. Oktober 2026

Wie viel verdienen Menschen in Deutschland im Durchschnitt und was gehört zur Mittelschicht? Neue Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen aktuelle Entwicklungen bei Brutto- und Nettoeinkommen.
Neue Zahlen zeigen, wie sich Einkommen in Deutschland verteilen. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln ging der Frage nach, ab welchem Einkommen man hierzulande zur Mittelschicht gehört.


Mehrere Institutionen, darunter das Statistische Bundesamt, das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) und die Sparkassen-Finanzgruppe, haben jüngst das durchschnittliche Brutto- und Nettoeinkommen in Deutschland analysiert

. Die aktuellen Ergebnisse zeigen nicht nur Veränderungen bei den Verdiensten, sondern geben auch Aufschluss über die Entwicklung der Einkommensverteilung. Ein weiteres Augenmerk liegt auf den Veränderungen der Einkommensstruktur im Zeitverlauf. Wir erklären, welche Auswirkungen die neuen Daten auf die Definition der Mittelschicht haben.

Verdienst-Check: Durchschnittliches Brutto-Jahresgehalt in Vollzeit bei 64.441 Euro

Die Sparkassen-Finanzgruppe nahm das durchschnittliche Brutto-Jahresgehalt einschließlich Sonderzahlungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld unter die Lupe. Demnach stieg dieses in Deutschland 2025 für Vollzeitbeschäftigte laut Statistischem Bundesamt auf 64.441 Euro brutto – das entspricht bei 13 Monatsgehältern (12 Monate plus je ein halbes Gehalt Urlaubs- und Weihnachtsgeld) je 4957 Euro. Wer keine Sonderzahlungen bekommt, müsste 5370 Euro brutto verdienen.

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Ein Jahr zuvor lag das Durchschnittsgehalt noch bei 62.235 Euro. Das waren bei 13 Gehältern 4787 Euro brutto im Monat und damit 170 Euro weniger. Bei 12 Gehältern wären es 5186,25 Euro. So oder so: Innerhalb von zehn Jahren stiegen die Gehälter und Löhne laut Statistischem Bundesamt um 31 Prozent, seit 1991 sogar um 164 Prozent.

Bin ich "arm" wenn mein Einkommen deutlich niedriger ist?

Nein. Denn der Durchschnittswert fällt beim Einkommensvergleich derart hoch aus, weil sich einzelne besonders hohe Einkommen stark auf die Statistik auswirken, erklärt die Sparkassen Finanzgruppe auf ihrer Internetseite. Anders formuliert: Ein angestellter Oberarzt in einer Klinik, der über 100.000 Euro pro Jahr verdient, oder noch extremer ein Profi-Fußballer mit Millionen-Gehalt reißen die Statistik nach oben. Denn das Durchschnittsgehalt errechnet sich aus allen Einkommen zusammen geteilt durch die Anzahl der Personen.

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Durchschnittseinkommen und Median: Das ist der Unterschied

Wesentlich aussagekräftiger ist daher laut den Sparkassen der Median-Wert. Die Rede ist dann auch vom "mittleren Einkommen", weil hier ein Wert angenommen wird, der genau in der Mitte liegt – genau die Hälfte der Menschen verdient mehr pro Monat, die andere Hälfte weniger.

Median-Jahresverdienst liegt bei 54.066 Euro brutto

Dieses "mittlere Einkommen" betrug in Deutschland im Jahr 2025 laut Statistischem Bundesamt 54.066 Euro. Bei 13 Gehältern sind das 4158 Euro brutto pro Monat, bei zwölf Gehältern ohne Sonderzahlung rund 4506 Euro.

Gegenüber 2024 stieg das mittlere Jahresgehalt laut Statistischem Bundesamt um 1907 Euro.

Ein Prozent der Vollzeitbeschäftigten verdient 219.110 Euro oder mehr

Das Statistische Bundesamt schlüsselte es auch genauer auf: Ein Prozent der Vollzeitangestellten verdiente 2025 demnach in Deutschland 219.110 Euro brutto oder mehr pro Jahr – zehn Prozent 33.828 Euro oder weniger.

Prozent der Vollzeitjobs Bruttogehalt mehr als...
Top 1% 219.110 Euro
Top 10 % 100.719 Euro
Top 20% 79.716 Euro
Top 30 % 68.189 Euro
Top 40% 60.324 Euro
Top 50% (Medianwert) 54.066 Euro
Top 60% 48.837 Euro
Top 70% 44.215 Euro
Top 80% 39.369 Euro
Top 90% 33.828 Euro

Wer gehört zur Mittelschicht in Deutschland?

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln ging der Frage nach, ab welchem Einkommen man hierzulande zur Mittelschicht gehört. Allerdings rechneten die Forscher hier nicht mit dem Bruttoeinkommen, sondern mit dem Haushaltsnettoeinkommen.

Dieses umfasst neben dem Nettogehalt auch Renten, Kapital- und Vermögenseinkommen sowie die geschätzten Mietvorteile aus selbst genutztem Wohneigentum. Datengrundlage waren Zahlen aus 2023 – aktuellere lagen zum Zeitpunkt der Untersuchung nicht vor.

Das Ergebnis: Singles sind laut IW ab einem Haushaltsnettoeinkommen von 1850 Euro Teil der Mitte im engeren Sinne, eine vierköpfige Familie ab 3880 Euro.

Ab welchem Einkommen gilt man in Deutschland als reich?

Wer mehr als 250 Prozent des Medians im Monat zur Verfügung hat, zählt laut IW zur Gruppe der relativ Einkommensreichen: Für Singles gilt das ab mindestens 5.780 Euro.

Insgesamt gehören nur rund vier Prozent der Menschen in Deutschland zu dieser Oberschicht – auch wenn sich das nicht mit der Wahrnehmung der Menschen in Deutschland deckt. Frühere Befragungen zeigen laut IW, dass der geschätzte Anteil einkommensreicher Menschen bei 25 Prozent liegt.

„Reich sind in der eigenen Wahrnehmung zumeist die anderen“, sagt IW-Studienautorin Judith Niehues. „Dass man als Paar ohne Kinder mit einem gemeinsamen Einkommen von über 8.670 Euro zu den einkommensreichsten vier Prozent der Bevölkerung zählt, überrascht viele.“

Wann gilt man als relativ arm?

Als relativ einkommensarm gelten Singles laut IW-Studie, wenn sie weniger als 1390 Euro netto im Monat zur Verfügung haben. Bei Alleinerziehenden mit einem Kind unter 14 Jahren ist das mit einem Haushaltsnettoeinkommen unter 1800 Euro im Monat der Fall. Bei Familien mit zwei Kindern unter 14 Jahren lag die Grenze bei weniger als 2910 Euro monatlichem Haushaltsnettoeinkommen.

In welchen Regionen gibt es die höchsten Einkommen?

In Deutschland gibt es signifikante regionale Unterschiede beim Durchschnittseinkommen. Diese Unterschiede sind oft durch die wirtschaftliche Struktur und die Lebenshaltungskosten in den verschiedenen Bundesländern bedingt. Im Allgemeinen sind die Einkommen in Süddeutschland, insbesondere in Bayern und Baden-Württemberg, höher als in den östlichen Bundesländern wie Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Regionen mit einer starken Präsenz von Industrien und großen Unternehmen, wie beispielsweise die Metropolregion Rhein-Ruhr, verzeichnen ebenfalls höhere Durchschnittseinkommen. Diese Unterschiede zeigen, wie stark die regionale Wirtschaft und die Verfügbarkeit von Arbeitsplätzen das Einkommensniveau beeinflussen können.