Deutschland: Umfrage zeigt Wunsch nach höheren Steuern für Reiche
Autor: Nadine Wüste, Agentur dpa
Berlin, Dienstag, 10. März 2026
Eine Umfrage zeigt: Viele Menschen in Deutschland wünschen sich mehr soziale Gerechtigkeit und höhere Steuern für Reiche. Gewerkschaften kritisieren geplante Lockerungen beim Arbeitszeitgesetz und warnen vor Folgen für Arbeitnehmer.
Fast drei von vier Personen in Deutschland wünschen sich gemäß einer Umfrage, dass Menschen mit sehr hohen Vermögen vermehrt zur Finanzierung des Sozialstaats beitragen. 73 Prozent unterstützen dies, 19 Prozent sprechen sich dagegen aus, wie die Erhebung des Meinungsforschungsinstituts YouGov zeigt. Sozialverbände und Gewerkschaften ließen die Umfrage vor dem Hintergrund andauernder Sozialstaatsdebatten durchführen.
Gewerkschaften warnen vor Ende des Acht-Stunden-Tages
Die Präsidentin des Sozialverband VdK Deutschland, Verena Bentele, sagte in Berlin: "Wir stellen uns all jenen entgegen, die unseren Sozialstaat als zu teuer diffamieren." Verdi-Chef Frank Werneke zählte bestehende Schutzgesetze bei Arbeitszeit und Gesundheit auf: "Praktisch alles wird angegriffen." Unpopulär sind laut dieser Umfrage die Pläne der Koalition, die tägliche Höchstarbeitszeit durch eine Wochenarbeitszeit zu ersetzen. 56 Prozent lehnen die Pläne ab, 35 Prozent befürworten sie.
Die Gewerkschaften hatten vor einem "Ende des Acht-Stunden-Tags" gewarnt, die CSU hatte mit Blick auf die Koalitionspartner jüngst die Umsetzung der Pläne in diesem Jahr gefordert. Das Vorhaben war im Koalitionsvertrag mit dem Ziel größerer Flexibilität vereinbart worden.
71 Prozent der erwachsenen Bundesbürgerinnen und -bürger geben an, Kitas, Pflege- und Sozialeinrichtungen seien personell nicht so ausgestattet, dass sie ihre Aufgaben gut erfüllen könnten. 91 Prozent fordern, der Staat solle mehr dafür tun, dass es bezahlbaren Wohnraum für alle gebe. 77 Prozent sind der Umfrage zufolge für eine "strikte Gleichbehandlung" von privat und gesetzlich Versicherten bei der Vergabe von Arztterminen.
BUND: Heizpläne in Koalitionsausschuss ändern
Die Umweltschutzorganisation BUND forderte von Union und SPD eindringlich eine Anpassung ihrer Heizungspläne in einem am Mittwoch (11. März 2026) geplanten Koalitionsausschuss. "Über die Hälfte der Menschen in Deutschland wohnt in Mietwohnungen", sagte BUND-Geschäftsführerin Verena Graichen.
Sie bräuchten "unbedingt" ein soziales und ökologisches Gesetz. Nun gebe es die Chance zur Anpassung, sagte Graichen mit Blick auf das geplante Spitzentreffen im Kanzleramt.
Die Koalition wolle das Gebäudemodernisierungsgesetz ausgerechnet zurückdrehen, während Öl und Gas infolge des Iran-Kriegs immer teurer würden, sagte Graichen. Nach den Plänen sollen Immobilienbesitzer doch weiter Öl- und Gasheizungen in ihre Wohnhäuser einbauen dürfen. Der BUND warnt, steigende Öl- und Gasrechnungen müssten künftig dann die Mieterinnen und Mieter tragen.