Debatte um Reichensteuer-Erhöhung: Merz signalisiert Bereitschaft
Autor: Nadine Wüste
Deutschland, Mittwoch, 29. April 2026
Bundeskanzler Friedrich Merz zeigt sich offen für eine Anhebung der Reichensteuer und eine umfassende Einkommensteuerreform. Im Gespräch sind eine stärkere Besteuerung hoher Einkommen sowie Entlastungen für mittlere und kleine Einkommen.
Bundeskanzler Friedrich Merz zeigt sich aufgeschlossen für eine Anhebung der sogenannten Reichensteuer - als Bestandteil einer umfassenderen Einkommensteuerreform. "Das wäre denkbar, wenn, wie in dem Vorschlag der Kollegen vorgesehen, der Steuertarif im oberen Bereich geglättet und etwa der Soli abgeschafft wird", sagte der CDU-Chef dem Spiegel.
"Irgendwann muss das ohnehin geschehen. Wir sollten es tun, bevor das Bundesverfassungsgericht uns dazu zwingt." Für 90 Prozent der Steuerpflichtigen wurde der Solidaritätszuschlag bereits abgeschafft.
Vorschlag: Reichensteuersatz auf 47 Prozent erhöhen - ab einem Einkommen von 210.000 Euro brutto jährlich
Merz bezog sich auf einen Vorschlag zweier Abgeordneter aus der Unionsfraktion. Dieser sieht vor, den sogenannten Reichensteuersatz von 45 auf 47,5 Prozent zu erhöhen - er soll zudem bereits ab einem zu versteuernden Einkommen von 210.000 Euro gelten.
Im Gegenzug sind umfangreiche Entlastungen im Bereich darunter vorgesehen - ein höherer Grundfreibetrag, die vollständige Streichung des Solidaritätszuschlags und der Spitzensteuersatz von 42 Prozent soll erst ab einem zu versteuernden Einkommen von 85.000 Euro greifen, statt wie bisher ab rund 70.000 Euro.
Von der Reichensteuer Betroffene würden laut dem Konzept der Abgeordneten Yannick Bury und Florian Dorn dabei zugleich von den Entlastungen im darunter liegenden Einkommensbereich und dem Wegfall des Solidaritätszuschlags profitieren - unter dem Strich würden damit auch sie entlastet. Die Reichensteuer greift derzeit ab einem zu versteuernden Einkommen von 277.826 Euro oder der doppelten Summe bei Ehepaaren. Alles, was über der Grenze liegt, wird dann mit 45 Prozent besteuert.
Linke will Vermögenssteuer ab einer Million Euro - so sähe der Vorschlag aus
Die Linke plädiert seit Langem für eine Vermögenssteuer. Diese ist im Grundgesetz verankert, allerdings seit 1997 ausgesetzt und nicht aufgehoben. Nach Plänen der Linken soll ausschließlich das Vermögen über einer Million Euro versteuert werden. "Eine Person, die eine Million und einen Euro besitzt, muss also nur auf diesen einen Euro Steuern zahlen", und so weiter, erläutert die Partei auf ihrer Website.
Ab der ersten Million soll ein Steuersatz von 1 Prozent gelten, ab 50 Millionen soll ein Steuersatz von 5 Prozent fällig werden. Ab einer Milliarde Euro 12 Prozent pro Jahr. "Niemand sollte mehr als 999 Millionen Euro besitzen", heißt es hier. Insgesamt müssten laut der Linken lediglich 1,5 Prozent aller in Deutschland lebenden Menschen eine Vermögenssteuer zahlen.