Druckartikel: Bund plant Steuer- und Rentenreform: Entlastungen, Gesundheit, Pflege

Bund plant Steuer- und Rentenreform: Entlastungen, Gesundheit, Pflege


Autor: Nadine Wüste, Agentur dpa

Deutschland, Mittwoch, 01. Juli 2026

Die Bundesregierung plant umfangreiche Reformen bei Steuern, Rente, Gesundheit und Pflege. Im Koalitionsausschuss soll nun über Entlastungen, Einsparungen und flexiblere Arbeitszeiten entschieden werden.
Sozialministerin Bärbel Bas (SPD) ist für die Reform zuständig. (Archivbild)


Die Führungsspitzen von Union und SPD treffen sich heute (1. Juli 2026) zu möglicherweise entscheidenden Beratungen über ihr Reformpaket. Im Koalitionsausschuss stehen unter anderem Steuerentlastungen für kleine und mittlere Einkommen, Reformen des Arbeitsmarktes sowie Themen wie Rente, Gesundheit und Pflege auf der Agenda. Ob bereits heute oder erst in der Nacht zu Donnerstag (2. Juli 2026) Entscheidungen getroffen werden, bleibt ungewiss. Es ist ebenso möglich, dass die Verhandlungen verlängert werden. Die Koalition möchte sich nicht unter Zeitdruck setzen lassen. Im Einzelnen geht es um folgende Punkte:

Steuer soll reformiert werden

Als zentrales Vorhaben gilt die Reform der Einkommensteuer. Geplant ist, kleine und mittlere Einkommen ab dem 1. Januar 2027 zu entlasten. Aus der SPD wurde als mögliche Zielgröße eine Entlastung von 500 Euro pro Jahr genannt. Insgesamt könnte das Reformvolumen zwischen 20 und 30 Milliarden Euro liegen.

Finanzminister Lars Klingbeil hat dazu nach Medienberichten zwei Modelle vorgelegt: eines mit einem Entlastungsvolumen von gut zehn Milliarden Euro und eines mit rund 25 Milliarden Euro.

Offen bleibt die Gegenfinanzierung. Diskutiert werden unter anderem höhere Steuern für hohe Einkommen, Änderungen bei der Mehrwertsteuer, der Abbau von Subventionen sowie Einsparungen im Haushalt.

Arbeitsmarkt: Werden Arbeitszeiten flexibler?

Offen ist auch, ob und in welchem Umfang Arbeitszeiten flexibler geregelt werden sollen. Im Koalitionsvertrag wurde vereinbart, die Möglichkeit einer wöchentlichen statt täglichen Höchstarbeitszeit zu schaffen. Gewerkschaften sehen darin jedoch eine mögliche Aufweichung des Acht-Stunden-Tags.

Aus dem Arbeitsministerium wurde im Juni ein Entwurf bekannt, der Ausnahmen nur auf Grundlage von Tarifverträgen oder Betriebsvereinbarungen vorsieht.

Zudem soll eine elektronische Arbeitszeiterfassung verpflichtend werden. Aus der Union und von Arbeitgeberverbänden gab es dagegen Widerspruch.

Rente: Vorschläge der Rentenkommission sollen durchgesetzt werden

In der Rentenpolitik gilt die Einigung innerhalb der Koalition weitgehend als erreicht. Vorgesehen ist, die Vorschläge der Rentenkommission möglichst unverändert umzusetzen. Im Koalitionsausschuss dürfte es vor allem noch um den zeitlichen Ablauf gehen.

Die Eckpunkte der Reform könnten noch vor der Sommerpause im Kabinett beschlossen werden. Bis zum Jahresende sollen dann die notwendigen gesetzlichen Regelungen ausgearbeitet werden.

Einzelne kritische Stimmen gibt es weiterhin, insgesamt gelten die Aussichten auf eine Umsetzung jedoch als vergleichsweise günstig.

Gesundheit: Zahlreiche Einsparungen geplant

Auch bei der Gesundheitsreform laufen die Arbeiten bereits weit fortgeschritten. Ziel ist es, weitere Erhöhungen der Krankenkassenbeiträge zu vermeiden. Die vorgesehenen Einsparungen werden derzeit im parlamentarischen Verfahren beraten.

Ein Beschluss des entsprechenden Gesetzes ist noch vor der Sommerpause im Bundestag geplant. Gleichzeitig besteht weiterhin Klärungsbedarf bei einzelnen Sparmaßnahmen, etwa mit Blick auf Belastungen für Patientinnen und Patienten oder die Pharmabranche.

Sollte zusätzlicher Finanzbedarf aus dem Bundeshaushalt entstehen, könnte dies ebenfalls Thema im Koalitionsausschuss werden.

Pflege: Ausgabenbegrenzung im Fokus

Größerer Abstimmungsbedarf besteht in der Pflegepolitik. Nach einem Entwurf von Gesundheitsministerin Nina Warken wurden unterschiedliche Positionen innerhalb der Koalition deutlich. Hintergrund ist die angespannte Finanzlage der Pflegeversicherung.

Da die Pflegeversicherung nur einen Teil der Kosten abdeckt, steigen die Eigenanteile für Pflegebedürftige seit Jahren. Während der Koalitionsvertrag eine Begrenzung in Aussicht gestellt hatte, stehen nun vor allem Maßnahmen zur Ausgabenbegrenzung im Fokus.

Diskutiert werden unter anderem Änderungen bei Rentenbeiträgen für pflegende Angehörige, bei Pflegegraden und bei Zuschlägen für Heimbewohnende. Kommunen warnen bereits vor möglichen Mehrbelastungen bei der Sozialhilfe.

Bürokratieabbau: Planungsverfahren sollen beschleunigt werden

Ein weiterer Schwerpunkt ist der Bürokratieabbau. Die Koalition will Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigen, Berichtspflichten reduzieren und Verwaltungsleistungen stärker digitalisieren.

Wirtschaftsverbände sehen hierin seit Langem einen wichtigen Hebel zur Stärkung des Standorts. Da viele Vorgaben auf europäischer Ebene entstehen, setzt sich die Bundesregierung auch in der EU für Entlastungen ein.