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Binance-Hack: Krypto in Milliardenwert geklaut - auch von deutschen Kunden?


Autor: Christoph Eberle

Deutschland, Freitag, 30. Oktober 2026

Nach dem Binance-Hackerangriff mit rund 6,3 Milliarden Dollar Schaden: Spielen deutsche Kunden eine Rolle? Das sollten Anleger jetzt wissen.
Hacker erbeuteten Kryptowährungen im Milliardenwert bei der weltweit größten Kryptowährungsbörse Binance. (Symbolbild)


Binance ist mit einem Handelsvolumen von über 60 Milliarden US-Dollar pro Tag die größte Kryptowährungsbörse. Am 30. Oktober um 3.23 Uhr nachts berichtete das Unternehmen auf seiner Internetseite über ein "Security Incident Update", also einen "Sicherheitsvorfall".

Das Unternehmen setzte laut Medienberichten daraufhin vorübergehend alle Ein- und Auszahlungen aus. Gemeinsam mit Partnern seien Vermögenswerte im Wert von rund 3 Milliarden Dollar eingefroren worden. Stablecoin-Anbieter Tether sperrte nach eigenen Angaben Werte von knapp 1,57 Milliarden Dollar, Circle mehr als 800 Millionen Dollar.

Analysten halten es für den größten Krypto-Diebstahl der Geschichte

Laut der Analysefirma TRM Labs wurden rund 6,36 Milliarden Dollar aus Binance-Wallets auf zehn Blockchains abgezogen, das meiste innerhalb von etwa 20 Minuten. Die Rede ist  in der Pressemitteilung von "the Largest Hack in History" - also dem größten Krypto-Diebstahl der Geschichte. Er sei etwa viermal so groß wie der Bybit-Hack vom Februar 2025 mit 1,5 Milliarden US-Dollar

Was ist genau passiert?

Am 29. Oktober 2026 hat laut TRM Labs Angaben ein Angreifer rund 6,36 Milliarden US-Dollar aus Binance-Wallets auf zehn Blockchains abgezogen, der größte Teil davon in etwa 20 Minuten ab 20:05 UTC (Koordinierte Weltzeit). Der Zeitpunkt entspricht 21:05 nach mitteleuropäischer Zeit. 

Ersten Ermittlungen zufolge begann der Angriff laut Medienberichten mit dem gehackten Laptop eines Ingenieurs. Dadurch erhielt ein Angreifer Zugang zu einem System und konnte unberechtigte Abhebungen vornehmen.

TRM Labs vermutet nach eigenen Angaben die nordkoreanische Elite-Hackergruppe „TraderTraitor“ hinter dem Angriff. "Die Zuordnung beruht nach TRM auf belastbaren Erkenntnissen aus On-Chain- und Off-Chain-Analysen", schreibt das Unternehmen in seiner Mitteilung.

So reagierte Binance

Das Unternehmen setzte laut Medienberichten vorübergehend alle Ein- und Auszahlungen aus. Gemeinsam mit Partnern seien Vermögenswerte im Wert von rund 3 Milliarden Dollar eingefroren worden. Stablecoin-Anbieter Tether sperrte nach eigenen Angaben Werte von knapp 1,57 Milliarden Dollar, Circle mehr als 800 Millionen Dollar.

Laut Mitgründerin Yi He will Binance zudem alle Verluste ersetzen. Das Unternehmen erklärte, die Nutzergelder seien sicher. Zudem betreibe es einen Sicherheitsfonds, der vollständig in Bitcoin gehalten werde.

Sind auch Kunden aus Deutschland betroffen?

Binance ist zwar nach eigenen Angaben die größte Kryptobörse der Welt mit über 310 Millionen Nutzern, aber deutsche Kunden dürften nach Branchenangaben eher eine untergeordnete Rolle spielen. Traditionell stark sei vertreten sei das Unternehmen in der Türkei, Indien und Brasilien. Offizielle Zahlen zu deutschen Kunden nennt das Unternehmen nicht.

Neue Kunden hat man aber wohl schon länger nicht mehr: Knackpunkt ist, dass seit Ende Dezember 2024 MiCA das erste einheitliche EU-Regelwerk für den Handel mit Kryptowerten gilt. Die Abkürzung steht für „Markets in Crypto-Assets Regulation".  Die Grundidee ist laut "Justtrade":Wer in der EU Krypto-Dienstleistungen anbieten will, etwa eine Handelsplattform oder die Verwahrung von Kryptowerten, braucht dafür grundsätzlich eine Zulassung.

Ohne MiCA dürfe Binance seitdem sein bisheriges Dienstleistungsangebot für EU-Kunden nicht regulär fortführen. Nach den Vorgaben der europäischen Wertpapieraufsicht ESMA müssen nicht zugelassene Anbieter laut "Justtrade" ihr EU-Geschäft geordnet abwickeln. Dazu gehören demnach ein Stopp der Neukundenaufnahme und die Beschränkung der Funktionen auf die Übertragung, Veräußerung oder Schließung bestehender Positionen. Die Verwahrung dürfe "nur so lange fortgeführt werden, wie es für den geordneten Ausstieg erforderlich ist".

Laut "Bitcoin2go" endete die Übergangsfrist am 1. Juli 2026. Seitdem könne die Kryptobörse Binance ihre bisherigen Dienstleistungen auch deutschen Nutzern nicht mehr regulär anbieten. Guthaben sollen dem Bericht zufolge aber weiterhin zugänglich sein, während Handel, Einzahlungen und weitere Funktionen eingeschränkt sind. Anders formuliert: Auch deutsche Kunden können betroffen sein - die konkrete Zahl ist aber unbekannt. 

Was ist bei regulierten Anbietern anders?

Seit dem 19. Oktober 2026 können auch Kundinnen und Kunden von Sparkassen Kryptowerte in Zusammenarbeit mit DekaBank in ihrer Sparkassen-App kaufen, verkaufen und verwahren. Bislang sind zwar erst wenige Institute an Bord, der Service soll aber schrittweise deutlich ausgeweitet werden. 

Welche Sicherheitsmaßnahmen gibt es zum Beispiel dort, damit so etwas nicht passiert? Das wollte die Mediengruppe Bayern von der DekaBank wissen. "Mit der MiCAR besteht ein einheitlicher europäischer Rechtsrahmen, der Anforderungen an Kryptowerte und Kryptowerte-Dienstleister beschreibt und den Anlegerschutz stärkt", teilte ein Sprecher am Freitagnachmittag mit. Die DekaBank verfüge beispielsweise über eine Kryptoverwahrlizenz nach dem KWG (Kreditwesengesetz) und habe ihre Kryptowerte-Dienstleistungen gemäß MiCAR bei der Bafin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) notifiziert. "Die Verwahrung erfolgt damit unter den Sicherheits- und Aufsichtsstandards eines regulierten Kreditinstituts", teilt er mit.

Gemeint sind damit Vorgaben zu Organisation, IT-Sicherheit, Kapital, Trennung von Kundenvermögen und Aufsicht. Das senkt das Risiko - sagt aber nicht, dass nie etwas passiert. 

Das ist wichtig für Anleger:

  • Prüfen Sie Ihr Konto: Schauen Sie nach, ob Ein- und Auszahlungen wieder möglich sind und ob Ihr Guthaben korrekt angezeigt wird.
  • Achten Sie auf weitere Betrugsversuche: Nach großen Hacks häufen sich Phishing-Mails und angebliche Support-Nachrichten. Binance wird Sie nicht per Mail oder Telegram nach Zugangsdaten fragen.
  • Keine Einlagensicherung: Kryptowerte bei einer Börse sind nicht durch die Einlagensicherung geschützt wie ein Bankkonto.
  • Ob Verluste durch Hacks ersetzt werden, regelt der Vertrag. Eine Versicherung oder ein Entschädigungsfonds ist nicht automatisch vorhanden.