Bidirektionales Laden: So funktioniert Vehicle-to-Grid (V2G)
Autor: Klaus Heimann
Deutschland, Donnerstag, 18. Juni 2026
Bei Vehicle-to-Grid (V2G) laden E-Autos nicht nur Strom in den Akku, sondern speisen ihn auch zurück ins öffentliche Netz. Das wird bidirektionales Laden genannt. Wie das funktioniert und wie du es nutzen kannst.
Die bidirektionale Ladetechnik verbreitet sich nur langsam in Deutschland. Für E-Autobesitzer und Energieversorger eröffnet das Rückspeisen von Strom (Hin-und-her-Ladetechnik) aus dem Stromer-Akku ins Netz neue Möglichkeiten – doch noch ist die Anwendung kompliziert und voraussetzungsreich. Die private kommerzielle Nutzung des bidirektionalen Ladens ist erst am Anfang. Wenn du gleich von Beginn an dabei sein willst, musst du allerdings einiges beachten.
Wie funktioniert die Vehicle-to-Grid-Technik (V2G)?
Bidirektionale Ladetechnik für das E-Auto kann beides: nicht nur Strom mithilfe einer Wallbox aus dem öffentlichen Netz "ziehen", sondern auch wieder "zurück" einspeisen. Die vielen derzeit nur als Speicher genutzten Batterien von E-Autos mutieren damit vom "passiven" zu einem "aktiven" Teil der Energieversorgung. Welche technischen Voraussetzungen du dafür benötigst, dazu später mehr.
Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) meint, dass Akkus von E-Autos in Zukunft eine wichtige Rolle bei der Energieinfrastruktur spielen könnten. Der Thinktank "Agora Energiewende" hat in seiner Studie "Klimaneutrales Stromsystem 2035" Folgendes errechnet: "Davon ausgehend, dass 25 Prozent der Elektro-Pkw im Jahr 2035 Vehicle-to-Grid nutzen und davon durchschnittlich 40 Prozent der Fahrzeuge für den Strommarkt bereitgestellt werden, beträgt die nutzbare Leistung theoretisch 28 Gigawatt." Nur zum Vergleich: Das abgeschaltete Kernkraftwerk Emsland hatte eine Nennleistung von 1,4 Gigawatt. "Damit trägt es zur effizienten Nutzung von erneuerbarem Strom und Ressourcen bei", so das Fazit von Agora Energiewende.
Die immer beliebter werdenden E-Autos können helfen, das Stromnetz zu stabilisieren. Erneuerbare Energien (Wind, Sonne) machen heute schon rund 53 Prozent im deutschen Strommix aus. Privat genutzte E-Autos stehen im Schnitt mehr als 20 Stunden am Tag still, hat der ADAC errechnet. "Ihre Batterien bieten mit 50 bis über 100 Kilowattstunden (kWh) deutlich mehr Kapazität als typische Heimspeicher mit 5 bis 15 kWh." Dieses Potenzial will die bidirektionale Ladetechnik nutzen. Aber das ist noch Zukunftsmusik.
Wie viele Varianten der bidirektionalen Ladetechnik gibt es?
Es gibt drei Varianten der bidirektionalen Ladetechnik. Neben der anspruchsvollsten Vehicle-to-Grid-Technik (kurz V2G) gibt es zwei weitere Varianten. V2L (Vehicle-to-Load): für den Strom für Geräte unterwegs, und V2H (Vehicle-to-Home): für den Strom fürs eigene Zuhause.
Bei V2L dient dein E-Auto als mobile Steckdose. Über eine integrierte Schuko- oder AC-Steckdose kannst du elektrische Geräte direkt mit Strom aus der Fahrzeugbatterie versorgen. Typische Anwendungsbeispiele sind beim Camping die benötigte Energie für die Kühlbox, für den Laptop oder für die Kaffeemaschine. Handwerker können auf einer Baustelle ihre Werkzeuge oder Beleuchtung anschließen. Im Garten oder bei Events kannst du Strom nutzen, ohne dass du ein zusätzliches Aggregat benötigst.
Die V2H ist besonders für Eigenheimbesitzer interessant. Bei dieser Variante versorgt dein E-Auto dein Haus mit Strom. Beispielsweise abends, wenn die Sonne nicht mehr scheint oder der Strompreis hoch ist. Tagsüber lädt dein Auto mit Solarstrom aus der PV-Anlage und abends nutzt du den gespeicherten Strom für den Haushalt, Licht oder die Wärmepumpe. Bei einem Stromausfall übernimmt das E-Auto die Versorgung wichtiger Geräte.