Beitragserhöhung der GKV: Wann lohnt sich ein Wechsel in die Private?
Autor: Nadine Wüste
Deutschland, Donnerstag, 23. April 2026
Vor allem für Gutverdiener sollen die Beiträge für die gesetzliche Krankenkasse steigen. Experten fürchten nun, dass zahlreiche Menschen zu privaten Krankenkassen wechseln. Das würde ein erneutes Finanzloch bei den Gesetzlichen bedeuten.
In Deutschland sind 8,7 Millionen Menschen privat krankenversichert. Dem gegenüberstehen rund 75 Millionen Menschen, die gesetzlich krankenversichert sind. Die Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) selbst rechnet damit, dass nach der Erhöhung der Beiträge für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) zahlreiche Menschen zu privaten Krankenversicherungen (PKV) wechseln könnten.
Hintergrund ist der, dass die Erhöhungen der GKV-Beiträge vor allem Gutverdiener treffen werden. Neben Erhöhungen treten auch Sparmaßnahmen in Kraft – so werden bereits ab April 2026 diverse Krankenkassenleistungen gestrichen.
Wenn GKV-Mitglieder in die private Krankenversicherung wechseln: Wer zahlt die Einbußen?
Das Bundesgesundheitsministerium erwartet, dass etwa 100.000 GKV-Mitglieder in private Krankenversicherungen wechseln dürfen und werden. In den Jahren 2024 und 2025 sind jährlich zwischen 81.000 und 102.000 Menschen in die PKV eingetreten.
Sollten tatsächlich 100.000 Menschen von GKV in PKV wechseln, dürfte das Einnahmeverluste aufseiten der GKV von 1 bis 1,5 Milliarden Euro zur Folge haben, wie Richard Ochmann, Projektleiter Gesundheitspolitik beim Iges-Institut, gegenüber dem Spiegel erläutert.
Diese Einnahmen dürften dann langfristig fehlen, da die Wechsler privat krankenversichert blieben. Diesbezüglich stellt sich zu Recht die Frage, wer die Verluste auffangen soll oder wie diese abgefedert werden können.
Bei 100.000 Übertritten in PKV: Einbußen von bis zu einer Milliarde Euro bei der GKV geschätzt
Hier wird argumentiert, dass durch weniger Menschen in der GKV zwar Einnahmen fehlen, allerdings auch Ausgaben gespart werden, da weniger Leistungen gezahlt werden müssten. Wie groß der Effekt tatsächlich ist, ließe sich vorab nicht bestimmen.
Nina Warkens Gesundheitskommission rechnet bei 100.000 Übertritten von GKV in die PKV mit einem möglichen Nettoverlust von 830 Millionen Euro bis 1 Milliarde Euro. Nach Angaben des Spiegel sprach sich das Gremium der Kommission gegen eine Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze aus, wodurch Gutverdiener mehr belastet werden.