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Arbeitsmarkt Deutschland: Teilzeit-Trend und seine Folgen


Autor: Klaus Heimann

Deutschland, Sonntag, 25. Januar 2026

Der Arbeitsmarkt lahmt. Sind weniger Teilzeit und längere Arbeitszeiten hier wirklich die Lösung? Zweifel sind berechtigt, die Auswirkungen absehbar.
In Deutschland arbeiten inzwischen mehr als 40 % der Beschäftigten in Teilzeit – das ist ein neuer Rekordwert.


  • Gibt es einen Trend zur Teilzeitarbeit?
  • Hilft eine Stunde Mehrarbeit wirklich?
  • Fehlende Aufträge und dennoch Mehrarbeit?
  • Was musst du bei Teilzeitarbeit bedenken?
  • Welche arbeitsrechtlichen Grundlagen gibt es für Teilzeitarbeit?

Das ist ein Rekord: In Deutschland arbeiten inzwischen mehr als 40 % der Beschäftigten in Teilzeit. Experten führen den Trend darauf zurück, dass bestimmte Branchen (Gesundheits- und Sozialwesen, Erziehung und Unterricht, Handel und Gastgewerbe und öffentlicher Dienst) stark gewachsen sind. Aber nicht jeder Arbeitgeber macht da mit. Wir sagen dir, wer Teilzeit beantragen darf und worauf du achten solltest.

Gibt es einen Trend zur Teilzeitarbeit?

"In den 1990ern war Teilzeit noch die Ausnahme, heute ist sie mit 17 Millionen Beschäftigten Normalität", sagt Wissenschaftler Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg. Wobei Teilzeit stark von Frauen dominiert ist: Während mittlerweile fast 60 % aller beschäftigten Frauen in Teilzeit arbeiten, sind es bei den Männern rund 20 %.

Bei Frauen nimmt der Anteil der Teilzeit insbesondere mit der Familiengründung zu und bleibt auch danach die Haupterwerbsform. Selbst wenn die Kinder älter sind, bleiben Mütter weiterhin in Teilzeit tätig. Frauen übernehmen meist auch die Pflege von älteren Angehörigen und treten dafür im Beruf kürzer, wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) analysiert.

Unabhängig vom Geschlecht gibt es einen Trend hin zu Teilzeitarbeit. Einige sehen darin den Grund für den Mangel an Arbeitskräften und sie sehen das als Symptom für ein neues Lebensgefühl, in dem Arbeit nicht mehr die zentrale Rolle spielt. Geht es uns etwa zu gut?

Hilft eine Stunde Mehrarbeit wirklich?

Keineswegs, denn für viele Frauen ist Teilzeitarbeit ungewollt. In Europa wünschen sich 30,4 % der Teilzeitbeschäftigten lieber einen Vollzeitjob. Die Bereitschaft, länger zu arbeiten, bestätigt auch eine Studie von Prognos im Auftrag des Familienministeriums: Danach möchte sogar fast die Hälfte der teilzeitbeschäftigten Mütter (45 %) ihre Arbeitszeit erhöhen – wenn sich die betrieblichen Bedingungen wie Flexibilität, Kommunikation und Karriereperspektiven verbessern. Das entspricht einem Potenzial von rund 14 Millionen zusätzlichen Wochenstunden beziehungsweise etwa 350.000 zusätzlichen Vollzeitäquivalenten.

Die Ursachen für die Teilzeittätigkeit sind: Ein großer Teil der Erwerbstätigen arbeitet aus familiären Gründen in Teilzeit. 2024 nannten 27 % die Betreuung von Kindern oder anderen Angehörigen und sonstige familiäre Verpflichtungen als Grund. Aber es gibt noch andere Gründe für Teilzeitbeschäftigung: Viele suchen eine Vollzeitarbeit, finden sie aber nicht. Zudem gibt es gesundheitliche Gründe. Und fast die Hälfte der Teilzeitkräfte reduziert ihre Arbeitszeit bewusst, um mehr Zeit für sich oder für die Kinder zu haben.

Politikern gefällt die Entwicklung zu mehr Teilzeitarbeit nicht. Bundeskanzler Friedrich Merz und der bayerische Ministerpräsident Markus Söder fordern, die Deutschen müssten mehr arbeiten. Konkret pro Woche: "Eine Stunde mehr würde uns allen helfen", sagt Söder.

Fehlende Aufträge und dennoch Mehrarbeit?

Sebastian Schenk, Geschäftsführer des Allgemeinen Arbeitgeberverbandes der Wirtschaft für Sachsen-Anhalt, sagte dem MDR: "In anderen Bereichen, wie aktuell im Automobilbereich, wo die Firmen zu kämpfen haben, überhaupt Aufträge reinzukriegen, die Absatzzahlen einzuhalten und teilweise schon Richtung Kurzarbeit gehen oder zumindest schauen, wie sie ihre Leute beschäftigt kriegen – da hilft eine Stunde mehr dann am Ende des Tages auch nicht." 

Unterstützt wird diese Position durch DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel: "Wir haben Arbeitgeber, die konsequent nur Minijobs anbieten, und wir haben Arbeitgeber und Arbeitgeberinnen, die im Moment tatsächlich eine Verkürzung der Arbeitszeiten planen, um Beschäftigung zu sichern."

Was sagt die Wissenschaft? "Wenn wir mehr arbeiten, dann produzieren wir auch mehr Waren und Dienstleistungen und dann haben wir halt insgesamt auch mehr Einkommen zur Verfügung. Dieser Zusammenhang ist selbstverständlich gegeben", so der Arbeitsmarktexperte des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Holger Schäfer gegenüber dem MDR. Das entscheidende Mittel für eine Konjunkturbelebung sei das aber wohl nicht. Klar ist, und da sind sich alle einig, ungenutzte Potenziale sind auf dem Arbeitsmarkt zu heben, und dazu gehört ungewollte Teilzeitarbeit. Arbeitsmarktexperten sprechen sogar von der "Teilzeitfalle", die den Wiedereinstieg in Vollzeit erschwert.

Was musst du bei Teilzeitarbeit bedenken?

Es gibt eine Reihe von Punkten, die bei Teilzeitarbeit zu bedenken sind. Der offensichtlichste Nachteil ist das geringere Gehalt im Vergleich zu einer Vollzeittätigkeit. Wer in Teilzeit arbeitet, bekommt in der Regel zwar auch Urlaubs-und Weihnachtsgeld, allerdings weniger als die Vollzeitbeschäftigten, darauf weist der DGB hin.

Das niedrigere Einkommen bedeutet, dass du und der Arbeitgeber weniger Beiträge in die Rentenkasse einzahlt. Das führt im Ergebnis zu einer geringeren Rente im Alter und unter Umständen zu Altersarmut, besonders wenn du lange in Teilzeit arbeitest. Teilzeitarbeit ist auch ein Karrierekiller, da Arbeitnehmer sie als Zeichen von weniger Engagement wahrnehmen oder du von wichtigen Projekten und Führungspositionen ausgeschlossen bist. 

"Grundsätzlich kann man sagen, dass Teilzeitarbeit bei Karrierefaktoren wie Verantwortung im Job, Beförderungsmöglichkeiten oder Führungspositionen zu schlechteren Ergebnissen führt", erklärt Soziologie-Professorin Katja Möhring von der Universität Bamberg. "Viele glauben, dass Jobs mit Führungsverantwortung nur von Personen gemacht werden können, die in Vollzeit präsent sind und Kontrolle vor Ort ausüben."

Welche arbeitsrechtliche Grundlagen gibt es für Teilzeitarbeit?

Der gesetzliche Anspruch kann helfen, doch nicht jeder hat ihn: In Betrieben mit bis zu 15 Beschäftigten hängt die Entscheidung vom Wohlwollen des Chefs oder der Chefin ab. Erst ab 16 Mitarbeitenden besteht ein Rechtsanspruch – vorausgesetzt, der Arbeitnehmer ist seit mindestens sechs Monaten im Unternehmen (Rechtsgrundlage: Teilzeit- und Befristungsgesetz TzBfG). "Sind beide Bedingungen erfüllt, können Beschäftigte eine dauerhafte Reduzierung der Arbeitszeit beantragen", erklärt Arbeitsrechtler Volker Görzel aus Köln gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

In Betrieben mit 46 bis 200 Mitarbeitern greift eine Quotenregelung: Pro 15 Beschäftigten muss der Arbeitgeber nur einen Antrag auf Brückenteilzeit genehmigen, also zum Beispiel vier Anträge in einem Betrieb mit 60 Angestellten (§ 8 TzBfG).

Der Arbeitgeber kann deinen Antrag auch ablehnen (§ 8 TzBfG). Allerdings nur bei schwerwiegenden betrieblichen Gründen, wenn die Organisation und der Arbeitsablauf im Betrieb dies nicht zulassen oder wesentlich beeinträchtigt werden. Entstehen der Firma unverhältnismäßig hohe Kosten, ist das auch ein Ablehnungsgrund. Reagiert der Arbeitgeber nicht innerhalb eines Monats, gilt der Antrag automatisch als genehmigt.