Anlagefehler vermeiden: Tipps für Privatanleger laut Stiftung Warentest
Autor: Alexander Böhm
Deutschland, Mittwoch, 05. August 2026
Viele private Anleger machen typische Fehler beim Investieren, etwa bei der Streuung oder beim Kaufzeitpunkt. Die Auswertung von Stiftung Warentest zeigt, wie sich Verluste und Risiken im Depot vermeiden lassen.
Rund 115.000 Depots haben Stiftung Warentest und Professor Steffen Meyer gemeinsam ausgewertet – mit einem ernüchternden Ergebnis: Nicht einmal 1.000 davon waren frei von den fünf untersuchten Anlagefehlern. Das bedeutet: Fast jeder Privatanleger tappt in mindestens eine der typischen Fallen. Dabei zeigen die Daten deutlich, dass nicht nur die Wahl der Wertpapiere über Erfolg oder Misserfolg entscheidet, sondern auch der Umgang mit Risiken, Verlusten und Kursschwankungen.
Zu geringe Streuung: Warum Klumpenrisiko die Rendite gefährdet
Konzentriert sich ein großer Teil deines Geldes auf wenige Einzelaktien, Branchen oder Länder, hängt das Ergebnis stark von deren Entwicklung ab. Bricht eine bedeutende Position ein, kann sie das gesamte Depot erheblich belasten. Dieses Klumpenrisiko lässt sich nicht allein durch die Hoffnung ausgleichen, dass sich der Kurs bald wieder erholt.
Auch eine hohe Anzahl von Wertpapieren bedeutet noch keine echte Diversifikation. Zehn deutsche Bank-Aktien bleiben demselben Wirtschaftszweig und weitgehend demselben Heimatmarkt verhaftet. Die Verbraucherzentrale empfiehlt breit aufgestellte Aktien-ETFs als Möglichkeit, das Kapital über zahlreiche Unternehmen und Länder zu verteilen.
Ein weltweit investierender ETF kann deshalb eine breite Basis bilden, während Einzelaktien nur einen begrenzten Anteil ausmachen sollten. Sinnvoll ist es, für solche Positionen vorab eine maximale Depotgewichtung festzulegen. Steigt ein Titel durch Kursgewinne deutlich über diese Grenze, lässt sich die Verteilung durch ein Rebalancing wieder an das ursprüngliche Risikoniveau anpassen.
Häufiges Handeln: Wie Orderkosten und Emotionen die Rendite aufzehren
Bei jedem Kauf und Verkauf fallen potenziell Orderkosten, Börsenentgelte und Unterschiede zwischen An- und Verkaufskurs an. Selbst bei günstigen Banken oder Neobrokern summieren sich diese Beträge erheblich, wenn ständig umgeschichtet wird. Die zusätzlichen Handelskosten müssen anschließend erst durch eine bessere Wertentwicklung ausgeglichen werden.
Schwerer noch wiegen oft emotionale Entscheidungen. Nach starken Kursanstiegen entsteht leicht das Gefühl, eine Gelegenheit zu verpassen, während fallende Kurse zum überstürzten Verkauf verleiten. Anleger kaufen dadurch teuer und verkaufen zu billig, obwohl sich an der langfristigen Qualität der Anlage nichts verändert hat.
Als wirksame Gegenmaßnahme eignen sich feste Prüftermine, etwa einmal pro Quartal oder Halbjahr. Dazwischen musst du nicht auf jede Schlagzeile und jede Tagesbewegung reagieren. Automatische Sparpläne sorgen zusätzlich dafür, dass regelmäßig investiert wird, ohne dass ständig über den nächsten Kaufzeitpunkt nachgedacht werden muss.