Altersvorsorge im Vergleich: Was Deutschland von Schweden lernen kann
Autor: Emma Firlus
Deutschland, Samstag, 30. Mai 2026
Schweden und Deutschland reformierten ihre Rentensysteme fast zeitgleich. Doch während die Riester-Rente heute als Problemfall gilt, wird die schwedische Prämienrente international oft als Vorbild genannt.
Als Deutschland Anfang der 2000er-Jahre die Riester-Rente einführte, war die Hoffnung groß. Die private Vorsorge sollte helfen, die gesetzliche Rente zu ergänzen und die Folgen des demografischen Wandels abzufedern. Fast zeitgleich ging auch Schweden einen neuen Weg – allerdings mit einem anderen Konzept. Heute zeigt sich: Während die Riester-Rente seit Jahren in der Kritik steht, gilt das schwedische Modell international vielerorts als Erfolgsgeschichte. Nun steht Deutschland erneut vor einem Umbau der privaten Altersvorsorge. Die Bundesregierung plant ein neues Altersvorsorgedepot als Nachfolger der Riester-Rente. Der Blick nach Schweden zeigt dabei, welche Elemente funktionieren könnten – und wo die Unterschiede weiterhin groß bleiben.
Deutschland und Schweden gingen ähnliche Probleme unterschiedlich an
Beide Länder starteten mit ähnlichen Problemen: Die Gesellschaft altert, immer weniger Erwerbstätige finanzieren immer mehr Rentner. Sowohl Deutschland als auch Schweden wollten deshalb stärker auf Kapitalmärkte setzen, um die Rentensysteme langfristig stabiler zu machen. Doch die politischen Entscheidungen fielen unterschiedlich aus – mit Folgen bis heute.
Ende der 1990er-Jahre war die Ausgangslage in beiden Ländern vergleichbar. Experten warnten davor, dass die klassischen umlagefinanzierten Rentensysteme durch den demografischen Wandel zunehmend unter Druck geraten würden. Deshalb beschlossen beide Staaten Reformen, die zusätzlich Kapitalmarktanlagen in die Altersvorsorge integrieren sollten.
Schweden führte 1998 die sogenannte Prämienrente ein. Deutschland folgte 2001 mit der Riester-Rente. Während Schweden die Kapitalanlage direkt in die gesetzliche Altersvorsorge integrierte, setzte Deutschland auf freiwillige private Zusatzverträge. Genau dieser Unterschied prägt die Systeme bis heute. In Schweden zahlen alle Erwerbstätigen verpflichtend in die kapitalgedeckte Komponente ein. Insgesamt fließen dort 18,5 Prozent des Einkommens in die Altersvorsorge, davon 2,5 Prozent direkt in die Prämienrente. Deutschland hingegen überließ den Aufbau zusätzlicher Vorsorge weitgehend den Bürgern selbst. Wer riestern wollte, musste eigenständig Verträge bei Banken oder Versicherungen abschließen.
Warum die Riester-Rente viele Erwartungen nicht erfüllt hat
Die Riester-Rente sollte ursprünglich die Absenkung des gesetzlichen Rentenniveaus ausgleichen. Vorgesehen war, dass Versicherte vier Prozent ihres Bruttoeinkommens zusätzlich ansparen. In der Praxis blieb der Erfolg jedoch begrenzt.
Ein zentrales Problem waren die hohen Kosten vieler Produkte. Hinzu kamen vergleichsweise geringe Renditen. Besonders stark wirkte sich die gesetzliche Garantie aus, wonach zu Beginn der Rentenphase mindestens die eingezahlten Beiträge und staatlichen Zulagen erhalten bleiben mussten. Dadurch investierten viele Anbieter vorsichtiger und mit geringerem Aktienanteil.
Schweden verzichtete dagegen weitgehend auf solche Garantien. Das bedeutete zwar stärkere Schwankungen an den Kapitalmärkten, eröffnete aber deutlich höhere Renditechancen. Auch in der Auszahlungsphase tragen schwedische Sparer teilweise weiterhin das Kapitalmarktrisiko – ihre Rentenzahlungen können also je nach Börsenentwicklung variieren.