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Altersdepot statt Riester: Alt-Verträge kündigen oder besser behalten?


Autor: Nadine Wüste

Berlin, Mittwoch, 01. April 2026

Ab Januar 2027 soll eine reformierte Altersvorsorge starten. Sie verspricht mehr Auswahl und höhere Renditechancen als die bisherige Riester-Rente. Was also tun mit alten Riester-Verträgen?
Ab Januar 2027 bietet eine Reform der Altersvorsorge kostengünstigere, flexiblere und renditestärkere Optionen als die bisherige Riester-Rente, wobei vor allem private Ersparnisse gefördert werden sollen.


Ab Januar 2027 sollen neue Optionen entstehen, um sowohl privat als auch staatlich gefördert für das Alter vorzusorgen. Der Bundestag verabschiedete in Berlin einen Nachfolger für die zunehmend unbeliebte Riester-Rente. Die neuen Angebote seien kostengünstiger, flexibler und vor allem renditestärker, erklärten Union und SPD. Was aber tun mit alten Riester-Verträgen? Ist es clever, die Verträge aufzukündigen, sie auf Eis zu legen, oder sollte man sich weiterhin besparen?

Welche Spar-Varianten existieren - was ist überhaupt geplant?

Im Zentrum der Reform steht die Abkehr von der verpflichtenden Beitragsgarantie, wie sie bislang für die Riester-Rente galt. Für sicherheitsorientierte Sparer soll es weiterhin eine Altersvorsorge geben, bei der 100 Prozent der eingezahlten Beiträge garantiert ausgezahlt werden, wie unter anderem die Deutsche Presse-Agentur informiert. Hinzu kommen jedoch eine Variante mit 80-prozentiger Garantie und ein Altersvorsorgedepot ohne Garantien, die höhere Renditen am Kapitalmarkt versprechen. Das bietet Sparern mehr Wahlmöglichkeiten, die bereit sind, für mehr Gewinn auch höhere Risiken einzugehen.

Neu geplant ist auch ein von einem öffentlichen Träger angebotenes Standarddepot. Die Idee: Dieses Depot soll günstige Konditionen bieten – und dann auch private Finanzinstitute unter Druck setzen, nachzuziehen. Die Finanzbranche zeigt sich wenig begeistert: Der Staat werde damit zum Akteur in einem Markt, in dem er selbst den Rahmen setze, sei also gleichzeitig Regulierer, Schiedsrichter und Wettbewerber. Auch die AfD äußerte solche Bedenken.

Vor allem die Grünen lobten hingegen die Entscheidung der Koalition. Sie hatten zuvor ein öffentliches Depot gefordert. Allerdings wollten sie, dass alle Bürger dort automatisch einzahlen, wenn sie sich nicht bewusst dagegen entscheiden. Die Koalition setzt darauf, dass man selbst aktiv wird – viele Menschen würden so wieder nicht erreicht, kritisiert die Oppositionsfraktion.

Riester-Rente: Rechenbeispiel

Beim alten Riester-System mindern hohe Abschluss- und Verwaltungskosten die Rendite erheblich. Im neuen System soll für die Standardprodukte deshalb ein Kostendeckel von einem Prozent der Effektivkosten gelten. Banken und Versicherer können dennoch teurere Produkte anbieten, zum Beispiel bei Beratung vor Ort. Die Sparerinnen und Sparer haben jedoch zumindest Alternativen.

Kritikern ist auch dieser einprozentige Deckel noch zu hoch. Er sei zwar ein Fortschritt im Vergleich zu vielen Riester-Verträgen, "aber wenn man das mit dem Zinseszinseffekt durchrechnet, stellt man fest, dass er immer noch zu hoch ist und den Verbrauchern viele Zehntausende von Euro kosten kann", sagte Finanzmarktexpertin Dorothea Mohn vom Verbraucherzentrale Bundesverband dem Sender Bayern 2.

Auf seinem YouTube-Kanal "timvestment" erklärt Finanz-Experte Thorsten Illig-Martin, was es bedeuten kann, einen Riester-Renten-Vertrag zu besparen. In seinem Beispiel lief der Riester-Sparplan 17 Jahre. Rund 25.000 Euro wurden über diesen Zeitraum selbst angespart. Durch Grundzulage und Kinderzulage müsste der Sparer auf etwas mehr als 30.000 Euro kommen - im Vertrag werden allerdings nur etwas mehr als 28.000 Euro aufgeführt. Illig-Martin resümiert, dass der Riester-Sparer demnach eine Rendite von –0,63 Prozent realisiert. Ein Verlustgeschäft. Zudem zeigt eine neue Studie, dass sich Riester- und auch Rürup-Rente nur lohnen, wenn der Sparer zwischen 96 und 99 Jahre alt wird.

Altersvorsorge-Depot: Wie viel der Staat zuschießt - ist hier mehr drin?

  • Bei einem Sparbetrag bis zu 360 Euro im Jahr – also 30 Euro monatlich – gibt der Staat pro eingezahltem Euro 50 Cent dazu.
  • Für Sparbeträge von 360 bis 1.800 Euro wird jeder privat eingezahlte Euro staatlich um 25 Cent aufgestockt. Damit ist eine maximale Grundzulage von 540 Euro jährlich möglich.
  • Hinzu kommt für Familien ein Kinderzuschlag: Ab einem monatlichen Sparbeitrag von 25 Euro kann man den vollen Kinderzuschlag von 300 Euro pro Kind und Jahr erhalten.

Wer die Zulagen erhalten kann

Anders als bisher sollen auch alle Selbstständigen in die staatlich geförderte Altersvorsorge einzahlen können. Auch viele Selbstständige seien im Alter in einer prekären Situation, begründeten das die Koalitionäre.

Die Linke befürchtet, dass die Ärmsten auch vom neuen System nicht profitieren werden. "Wer heute schon kaum Geld hat, um über die Runden zu kommen, kann es doch nicht riskieren, dass hart erarbeitetes Geld dann an den Börsen verzockt wird", betonte die Abgeordnete Isabelle Vandre. Union und SPD förderten eine teure und risikoreiche private Altersvorsorge mit Milliarden, statt die gesetzliche Altersvorsorge zu stärken.

Was Sparer mit alten Riester-Verträgen jetzt tun können

Sparer können entscheiden, ob sie ihren alten Vertrag unverändert behalten, ihn ändern oder vollständig in das neue Modell wechseln. Zunächst besteht für alle Altverträge Bestandsschutz.

Man kann jedoch auch in ein neues Modell wechseln, ohne die bisherige Förderung zurückzahlen zu müssen. Dabei kann man entscheiden, ob man künftig in ein Produkt mit oder ohne Garantien einzahlt. Es können allerdings Wechsel-, Abschluss- und Vertriebskosten anfallen. Und die können enorm hoch ausfallen. Wie der YouTube-Kanal "Dividenden-Lady" an einem Beispiel zeigt, können schnell mal 7000 Euro Rückzahlung fällig werden. Ausschlaggebend bei einer Riester-Vertragskündigung ist das eigene Alter. Wer noch "genug" Zeit hat, privat für das Alter vorzusorgen, in Form von ETFs, Sparplänen oder mithilfe des Altersdepots, kann die fälligen Rückzahlungen relativ schnell ausgleichen. 

Wer den Riester-Vertrag einfach auf Eis legt, geht in jedem Fall auf Nummer sicher, da die Riester-Rente ein Garantievertrag ist. Was bis Tag X eingespart wurde, wird auch ausgezahlt.