Über 40 Krankenkassen erhöhen Beiträge - es soll noch schlimmer werden
Autor: Dominik Jahn
Deutschland, Freitag, 02. Januar 2026
Sparpaket hin oder her, die finanzielle Lage der gesetzlichen Krankenkassen verschärft sich weiter. Politik und Verbände streiten über die Zukunft der Leistungen.
Noch vor Weihnachten war bereits klar, dass viele Krankenkassen ihre Beiträge im Jahr 2026 erhöhen werden. Eine erste Liste dazu gab es auch. Jetzt kommen viele weitere gesetzliche Kassen hinzu. Insgesamt 43 von 93 Krankenkassen gehen mit ihren Beiträgen nach oben.
Laut Spitzenverband der Krankenkassen (GKV) geht erhöht sich der Zusatzbeitrag dabei im Durchschnitt um 0,23 Prozent. Er liegt jetzt bei 3,36. Das Informationsportal krankenkassen.de liefert eine umfangreiche, aktualisierte Liste mit Zusatzbeiträgen aller Anbieter.
Pläne für Krankenkassen reichen nicht aus. Was kritisiert der GKV-Chef?
Auch wenn die Politik noch vor dem Jahreswechsel ein kleines Sparpaket für die Kassen auf den Weg gebracht hat, haben sich die Warnungen der Experten bestätigt. Nachdem die Pläne zunächst durch die Länder blockiert wurden, warnte der Vorstandsvorsitzende des Spitzenverbandes Oliver Blatt davor, dass "Beiträge der Krankenkassen zum Jahreswechsel noch stärker steigen, als sie es ohnehin müssen".
Und Blatt legte jetzt in einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) nach und warnte vor der immer schlechter werdenden Finanzlage der Kassen: "Weil die Finanzierung derart auf Kante genäht ist, gehen wir davon aus, dass einzelne Pflegekassen im kommenden Jahr Liquiditätshilfen benötigen werden. Dafür gibt es zwar ein geregeltes Verfahren, doch es zeigt, wie stark der Reformbedarf ist."
Der GKV-Chef zeigt sich unzufrieden mit dem bisherigen Vorgehen der Regierung und der eingesetzten Kommission: "Das Ergebnis ist enttäuschend. Was die Arbeitsgruppe zusammengetragen hat, ist eine gute, aber längst bekannte Problembeschreibung. Nötig sind endlich politische Entscheidungen darüber, wie die Pflegeversicherung dauerhaft finanziert werden kann, ohne die Pflegebedürftigen finanziell zu überlasten. Ich habe den Eindruck, die Brisanz der Lage ist immer noch nicht allen Beteiligten klar."
Lage 2027 noch schlechter – Politik soll Kassen nicht die Schuld zu schieben
Oliver Blatt erwartet für 2027 eine noch schlechtere Ausgangslage. Blatt: "Und ab 2027 folgt dann der Hammer, weil die Kredite aufgebraucht sind und die weiter steigenden Ausgaben irgendwie bezahlt werden müssen."
Ab 2027 folgt dann der Hammer
Er rechnet dann mit einer Finanzierungslücke, die rund 0,3 Beitragssatzpunkten entspricht. Blatt: "Ohne Reformen kann die Pflegeversicherung das also gar nicht leisten." Worüber sich der GKV-Vorstandsvorsitzende auch sehr ärgert, ist die politische Diskussion, wer die Verantwortung für steigende Beiträge tragen würde.