Warum man nach dem Essen trotzdem noch snacken will
Autor: Emma Firlus
Deutschland, Sonntag, 05. April 2026
Satt, aber noch Lust auf Pizza? Studien zeigen: Das Gehirn reagiert auf Essensbilder, selbst wenn der Magen längst voll ist.
- Satt – und trotzdem Lust auf Essen
- Entscheidungen treffen: Zwei Systeme im Kopf
- Ein Blick ins Labor
- Was die Ergebnisse für unseren Alltag bedeuten
Wer nach dem Abendessen durch Instagram scrollt und plötzlich Appetit auf die Pizza aus einer Werbeanzeige bekommt, muss sich keine Vorwürfe machen. Forscherinnen und Forscher der University of East Anglia und der University of Plymouth haben herausgefunden, dass das menschliche Gehirn auf Essensbilder reagiert, auch wenn der Körper längst satt ist.
Satt – und trotzdem Lust auf Essen
Die Untersuchung zeigt: Obwohl Menschen bewusst signalisierten, dass sie satt waren, blieb die neuronale Reaktion auf Bilder des gerade gegessenen Lebensmittels unverändert. In einem Experiment mit EEG-Messungen trugen die Probandinnen und Probanden Kopfbedeckungen mit Sensoren, die Hirnströme in Millisekundenauflösung erfassten. Während sie spielerisch auf Bilder von Nahrungsmitteln reagierten, blieb das Belohnungssignal im Gehirn selbst nach dem Essen stabil.
Die bewusste Wahrnehmung der Sättigung spiegelte sich im Verhalten wider. Nach der Mahlzeit wählten die Teilnehmenden bevorzugt andere Lebensmittel. Ihre Entscheidungen zeigten, dass sie wussten, dass sie genug gegessen hatten. Doch die belohnungsorientierte Reaktion auf Essen blieb aktiv.
Dieses Ergebnis deutet darauf hin, dass das Gehirn auf gewohnheitsmäßige Reize reagiert, unabhängig davon, ob der Körper zusätzliche Energie benötigt. Wer also nach dem Abendessen noch nach einem Snack greift, handelt auf eine neuronale Reaktion hin, die von der Sättigung unbeeindruckt bleibt.
Entscheidungen treffen: zwei Systeme im Kopf
Unser Gehirn steuert Entscheidungen über mindestens zwei Systeme. Das eine ist bewusst, abwägend und zielgerichtet. Es berücksichtigt aktuelle Bedürfnisse und passt das Verhalten daran an. Das andere arbeitet automatisch und gewohnheitsbasiert, reagiert schnell auf bekannte Reize und ist durch frühere Belohnungen geprägt.
Lebensmittelbilder werden über Jahre hinweg zu festen Reizen im habitbasierten System. Die Reaktionen auf sie laufen größtenteils unbewusst ab und ignorieren die Signale des Körpers, wenn er satt ist. Die aktuelle Studie bestätigt, dass das belohnungsbasierte System unabhängig von der tatsächlichen Nahrungsaufnahme funktioniert.