Teure Vollautomaten: Darum schmeckt der Kaffee trotzdem schlecht
Autor: Julian Drescher
Deutschland, Montag, 16. März 2026
Hunderte Euro für einen Vollautomaten – und der Kaffee schmeckt trotzdem nicht. Barista Arne Preuß kennt die Gründe. Der sechste überrascht wirklich.
Viele Menschen gönnen sich heute eine hochwertige Kaffeemaschine - Vollautomaten kosten schnell mehrere hundert, manchmal über tausend Euro. Die Erwartung ist klar: Kaffee wie vom Barista, täglich, zu Hause, auf Knopfdruck. Doch die Realität enttäuscht allzu oft. Der Kaffee schmeckt zu sauer, zu bitter, zu wässrig oder einfach unangenehm – und niemand weiß, warum.
Warum dein teurer Kaffeeautomat trotzdem schlechten Kaffee macht
Barista und Profi-Kaffeemaschinentester Arne Preuß, Gründer und Betreiber der Kaffee-Webseite Coffeeness, hat in seinem Barista Blog sechs typische Fehler gesammelt, die viele rund um die Kaffeezubereitung machen. Wer sie kennt und vermeidet, kann seinen täglichen Kaffee sofort und spürbar verbessern – ohne großen Aufwand. Viele Vollautomaten-Besitzer haben schnell das Gefühl, irgendwas stimmt nicht mit ihrem teuren Apparat - aber sie wissen nicht, wo sie anfangen sollen. Preuß erlebt das immer wieder: Menschen investieren viel Geld in ihr Gerät, vernachlässigen dabei aber die Stellschrauben, die wirklich zählen. Die gute Nachricht: Die sechs häufigsten Fehler sind schnell erkannt – und meist noch schneller behoben.
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Die Bohne entscheidet – nicht der Automat
Wer Billigbohnen in eine Premiummaschine füllt, bekommt Billigkaffee – egal wie teuer das Gerät ist. Preuß macht das immer wieder deutlich: "Wir haben immer noch nicht verstanden, dass Kaffeegenuss mit der Qualität der Bohne beginnt, nicht mit der Qualität der Maschine", so der Kaffee-Profi. Wer Billig-Bohnen in Premium-Geräte kippe, erhalte nur Billig-Getränke.
Beim Einkauf empfiehlt Preuß, möglichst mild geröstete Bohnen zu wählen: "Die Bio-Eigenmarken der großen Supermärkte schneiden geschmacklich deutlich besser ab als die meisten Röstungen großer Marken. Außerdem lohnt es sich, beim Einkauf auf möglichst mild geröstete Bohnen zu setzen. Ist eine Bohnenskala angegeben, verhalten sich Produkte mit 2 von 5 Bohnen in der Maschine meist deutlich besser als dunkle Espresso- oder Cremabohnen." Von Zubereitungsempfehlungen auf der Packung hält er wenig: "Ich würde die Zubereitungsempfehlungen komplett ignorieren. Wirklich jeder Hersteller schreibt inzwischen 'Vollautomat' drauf, selbst wenn die Bohnen dafür zu bitter oder zu sauer sind."
Wer den nächsten Schritt gehen will, soll laut Preuß am besten mit mittleren Röstungen starten, die viel Süße, keine Säure und nur zarte Bitterstoffe mitbringen - häufig aus Brasilien oder anderen südamerikanischen Ländern. "Sie sind so etwas wie das Schweizer Taschenmesser der Kaffeezubereitung - man kann sie in jeder Maschine und mit jeder Methode verwenden und erhält praktisch immer einen tollen Kaffeegeschmack", so Preuß.
Kaffee mit Kalk schmeckt besser – bis zu einem Punkt
Kaffee besteht zu 99 Prozent aus Wasser. Trotzdem ignorieren die meisten Kaffeetrinker die Wasserqualität vollständig und befüllen ihr Gerät einfach aus dem Hahn. Dabei ist die Wasserhärte einer der wichtigsten Faktoren für den Kaffeegeschmack.
Idealerweise liegt sie zwischen drei und sechs Grad Deutscher Härte (dH). "Kaffeewasser sollte niemals völlig kalkfrei sein", erklärt Preuß. "Die Calciumverbindung ist buchstäblich das Salz in der Suppe, sie arbeitet die Aromen des Kaffees deutlicher heraus. Fehlt sie, schmeckt der Kaffee einfach flach und langweilig." Wasser aus der Flasche sei dabei keine Lösung: "Wasser aus der Flasche ist nicht nur viel zu teuer, sondern mitunter sogar völlig ungeeignet. Je nach Marke liegt die Wasserhärte hier deutlich unter 3 Grad dH."