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Kein Bier im Sportlerheim: Verein kündigt neuen Pächter fristlos


Autor: Daniel Krüger

Gießen, Dienstag, 19. Mai 2026

Ein Streit in einem Sportverein sorgt derzeit deutschlandweit für Aufsehen. Der Grund: Der neue Pächter mit türkischer Küche weigert sich, Bier auf die Karte zu nehmen.
Das Betreiberpaar Bayram (rechts) und Isabell Dalkilic will in ihrem neuen Lokal keinen Alkohol verkaufen - jetzt gibt es Ärger.


In Deutschland gehört das Feierabendbier für viele Menschen einfach dazu - besonders nach dem Sport im Vereinsheim. Doch was passiert, wenn die neuen Pächter einer Vereinsgaststätte keinen Alkohol ausschenken wollen? In Gießen ist genau dieser Fall eingetreten und sorgt nun für einen handfesten Streit zwischen einem Tennisclub und seinen neuen Gastronomen.

Das Ehepaar Bayram und Isabell Dalkilic wollte eigentlich am Samstag  (9. Mai 2026) als neue Pächter der Vereinsgaststätte des Tennisclubs Rot-Weiß an der Licher Straße in Gießen erstmals regulär Gäste empfangen. Doch nun steht die Eröffnung auf der Kippe - der Verein hat dem Paar fristlos gekündigt, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet.

Sportverein kündigt Pächtern fristlos - weil sie keinen Alkohol ausschenken wollen 

Das Ehepaar soll demnach sowohl das Lokal aufgeben als auch die mit angemietete Wohnung räumen. Die Pächter und ihre drei Kinder wären dann ohne Obdach. "Wir können uns das nicht erklären", sagte Isabell Dalkilic der FAZ. In mehreren Gesprächen mit Vereinsvertretern hätten sie erklärt, keinen Alkohol verkaufen zu wollen. Das Gastronomen-Paar wolle bei seinem auf dem Gießener Wochenmarkt beliebten kulinarischen Konzept bleiben: Dort servieren die beiden ostanatolische Gerichte - und zu dieser Küche passe einfach kein Alkohol, so die Pächterin. Der Vorsitzende des Tennisclubs, Fred Ostermeyer betont laut FAZ  in den Gesprächen keinen Zweifel an der Erwartung der Wahlfreiheit zwischen Alkohol und alkoholfreien Getränken gelassen zu haben.

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Er beruft sich zudem auf das Gewohnheitsrecht - Alkohol auszuschenken sei in Sportvereins-Gaststätten in Deutschland üblich. Im Pachtvertrag selbst sei allerdings kein Wort von der Pflicht zu lesen, Alkohol auszuschenken, heißt es im Bericht. Entgegen mancher Mutmaßung im Verein habe das Nein zum Alkohol nichts mit dem muslimischen Glauben der Pächter zu tun, betonte Dalkilic. Sie und ihr Mann wollten vielmehr einen Ort für Familien schaffen. Als Kompromiss könnte sich das Paar vorstellen, dass in einer Bude vor dem Lokal Bier und Wein ausgeschenkt werden könnten.

Den Verantwortlichen des Vereins genügt das jedoch nicht: "Es ist völlig ausgeschlossen, in einem Vereinsheim eines Sportvereins keinen Alkohol auszuschenken", heißt es in der Kündigung, wie die Welt berichtet. Eine Chance auf eine gütliche Einigung sieht der Vereinsvorsitzende nicht mehr. Der Streit könne mangels Präzedenzfalls bis zum Bundesgerichtshof gehen. Gleichzeitig bleibt Alkohol in Deutschland ein ernstes Problem. Viele Menschen in Bayern sind von Alkohol abhängig - ein besorgniserregender Trend. Auch deshalb fordern Ärzte radikale Maßnahmen beim Schnapsverkauf und wollen den Verkauf in Supermärkten einschränken.

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