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Eisen-Präparate im Test: Einnehmbar ohne Arzt?


Autor: Andrea Blatzky

Deutschland, Sonntag, 03. Mai 2026

Bei einem Eisenmangel greifen viele Verbraucher zu Nahrungsergänzungsmitteln. Die Eisen-Präparate werden regelmäßig getestet, weil eine Selbstmedikation mit einer falschen Dosierung Risiken birgt.
Die richtige Dosierung von Eisen – warum Selbstmedikation gefährlich sein kann.


Bestimmte Anzeichen können auf einen Eisenmangel hindeuten. Deshalb greifen viele Konsumenten zu konzentrierten Präparaten, um ihren Bedarf zu decken. Ist eine regelmäßige Einnahme unbedenklich oder gefährdet der Konsum ohne ärztliche Aufsicht deine Gesundheit? 

Wofür braucht der Körper Eisen?

Der menschliche Organismus funktioniert nur richtig, wenn er ausreichend mit Eisen versorgt wird. Das essenzielle Spurenelement ist Teil des bluteigenen Hämoglobins und somit wichtig für die Blutbildung und Zellteilung. Es ist maßgeblich am Sauerstofftransport beteiligt. Durch das eisenhaltige Muskelprotein Myoglobin kann dein Körper das Gas binden und in der Muskulatur abspeichern. Somit ist er in der Lage, Energie zu gewinnen und das Immunsystem aufrechtzuerhalten. Das Gehirn ist ebenfalls nur leistungsfähig, wenn ihm genügend Eisen zur Verfügung steht. Schon Kinder benötigen ausreichend Eisen, damit sich das Organ gut entwickelt.

Eisen gehört zu den Mineralstoffen, die der menschliche Körper nicht selbst herstellen kann. Das heißt, du musst es über die Nahrung zuführen oder deinen Bedarf mithilfe anderer Quellen decken. Hierfür sind folgende Lebensmittel sehr gut geeignet:

  • rote Fleischsorten (Rind und Kalb)
  • Innereien (Kalbsleber oder Rindernieren)
  • Blutwurst
  • Vollkornprodukte, Haferflocken sowie Hirse
  • Nüsse, Samen, Kürbiskerne, Sesam und Kichererbsen
  • Hülsenfrüchte, Soja, Linsen
  • sonstige Quellen (Spinat, Pistazien, getrocknete Pfifferlinge, Zartbitterschokolade)

Was solltest du beachten, um genügend Eisen zu erhalten?

Vitamin C begünstigt die Aufnahme von Eisen. Kombiniere deshalb die Einnahme mit dem Verzehr von Zitrusfrüchten, Paprika oder Brokkoli. Tabletten kannst du beispielsweise mit Orangensaft schlucken - beachte allerdings die Hinweise auf der Verpackung eisenhaltiger Produkte. Dagegen erschweren Koffein, Tee (Schwarztee) die Verwertung. Milchprodukte solltest du ebenfalls meiden, weil das enthaltene Kalzium die Aufnahme von Eisen im Darm verschlechtert. Auch Nahrungsmittel mit Phosphat, wie beispielsweise Cola oder Schmelzkäse sind eher ungeeignet. Konsumiere diese Lebensmittel am besten zeitversetzt - in der Regel genügen 1 bis 2 Stunden. Zudem solltest du während der Medikation mit Eisen diese Speisen und Getränke nur selten und in kleinen Portionen verzehren. Phytinsäure (auch Phytat) ist ein Speicher für Phosphor und Mineralstoffe. Sie findet sich in Getreide, Nüssen und Saaten. Weil sie die Mineralien bindet, kann sich bei diesen Lebensmitteln die Eisen-Aufnahme verschlechtern. Dein Körper verwertet das in Hülsenfrüchten oder Getreide enthaltene Eisen besser, wenn du die Zutaten in Wasser einweichst oder fermentierst. Saaten solltest du vor der Zubereitung keimen lassen. Durch diese Prozesse wird die Säure durch das Enzym Phytase zersetzt. Dann kann dein Körper die Nährstoffe – insbesondere das Eisen – viel besser aufnehmen.

Einige Organe speichern das Eisen, um einem Mangel vorzubeugen. Dazu zählen unter anderem Leber, Milz und das Knochenmark. Frauen sind aufgrund des erhöhten Blutverlusts durch Menstruation und Schwangerschaft besonders gefährdet. Trotzdem kann ein Defizit meistens über die Nahrung ausgeglichen werden. Nierenkranke und Patienten mit einer chronischen Magen-/Darmerkrankung (Morbus Crohn oder Zöliakie) sollten ihren Eisenwert regelmäßig checken lassen. Unter Zöliakie versteht man eine Glutenunverträglichkeit. Gluten ist der Kleber in Weizen und anderen Getreidesorten. Bei diesen Personen kann der Körper Nährstoffe im Allgemeinen schlechter aufnehmen. Veganer oder Vegetarier sollten ebenfalls von Zeit zu Zeit eine Eisenwert-Bestimmung durchführen lassen. Krebskranke leiden öfter unter niedrigen Werten und benötigen deshalb gegebenenfalls mehr Eisen. Weil Babys das Spurenelement für die Blutbildung benötigen, sollten Schwangere oder stillende Mütter ihren Bedarf genau beobachten. Schließlich kann eine ständige Unterversorgung zu folgenden Symptomen führen:

  • Leistungsabfall
  • Müdigkeit
  • Vergesslichkeit
  • Konzentrationsschwäche
  • Kopfschmerzen
  • Herzprobleme (Herzrasen oder Herzklopfen)
  • brüchige Fingernägel
  • trockene und blasse Haut
  • eingerissene Mundwinkel
  • Haarverlust

Wie beugst du einem Eisenmangel vor?

Häufig verschreiben Ärzte Präparate, wenn durch eine Laboranalyse eine Unterversorgung festgestellt wird. Hält dieser Zustand über einen längeren Zeitraum an, wird das Eisen intravenös verabreicht. Freiverkäufliche Mittel werden dagegen oft ohne ärztlichen Rat geschluckt, wenn Anzeichen auftreten, die auf einen Eisenmangel hinweisen. Das Angebot ist auf die unterschiedlichen Bedürfnisse ausgerichtet und die Produkte werden mit vielversprechenden Slogans, wie beispielsweise "Energielieferant", "Steigert die Leistungsfähigkeit" oder "Hilft gegen Müdigkeit" angeboten. Eisenhaltige Produkte gibt es in unterschiedlichen Darreichungsformen

  • Kapseln
  • Tabletten
  • Saft
  • lösliches Granulat

Um die Qualität und den Nutzen dieser Erzeugnisse festzustellen, führen unabhängige und gemeinnützige Verbraucherorganisationen regelmäßig einen Nahrungsergänzungsmittel Test durch. In der Regel werden verschiedene Präparate in unterschiedlichen Preisklassen (5- 30 Euro) unter die Lupe genommen. Darunter befinden sich Arzneien, die zum Teil zugesetzte Vitamine sowie Eisensalze in hochkonzentrierter Form enthalten. Diese Produkte werden oft bei einem ärztlich diagnostizieren Mangel verabreicht. Daneben werden freiverkäufliche Nahrungsergänzungsmittel untersucht. Hier liegt die Preisspanne zwischen 2 und 29 Euro. Empfehlenswert sind gut verträgliche Kombi-Produkte mit Vitamin C, weil die Aufnahme besser ist.  Der wesentliche Unterschied zu den ärztlich verordneten Medikamenten liegt darin, dass die Produkte eine geringere Eisen Dosierung haben. Schließlich werden Arzneimittel dazu eingesetzt, um Krankheiten zu heilen, Nahrungsergänzungsmittel haben – wie der Name bereits aussagt – einen anderen Sinn. Sie sind für Personen ohne Vorerkrankungen geeignet, die ihren Bedarf an wichtigen Mineralien decken wollen. 

Wie gefährlich ist ein zu hoher Eisenwert?

Der beste Zeitpunkt für eine Einnahme eisenhaltiger Produkte ist eine Stunde vor dem Frühstück – also möglichst nüchtern. So ist dein Körper in der Lage, das Mineral besonders gut aufzunehmen. Allerdings kann Eisen deine Magenschleimhaut reizen. Kommt es deshalb zu unerwünschten Symptomen (Schmerzen oder Verdauungsbeschwerden), solltest du den Einnahmezeitpunkt verschieben oder deinen Arzt kontaktieren. Bevorzugst du eine andere Tageszeit, solltest du mindestens zwei Stunden vorher nichts essen. Bis zur nächsten Mahlzeit ist eine Pause von etwa einer Stunde ideal. Die Eisensubstitution kann schon bei einer normalen Dosierung zu Bauchschmerzen, Übelkeit oder Verdauungsstörungen führen. Ein schwarz verfärbter Stuhl  ist zwar unbedenklich, wird aber ebenfalls häufig beobachtet,

Eine erhöhte Konzentration im Blut kann zu den gleichen Anzeichen führen, was für die Betroffenen zunächst irreführend ist. Halten die Symptome an, sollte eine Labormessung durchgeführt werden, bei der häufig eine erhöhte Anzahl der roten Blutkörperchen festgestellt wird. Sogenannte Erythrozytenkonzentrate können zu einem extremen Anstieg der Eisenkonzentration führen. Das sind Infusionen, die bei krankhaften Blutbildungsstörungen verabreicht werden. Bei Kindern kann eine überhöhte Dosierung zu einer Eisenvergiftung und somit einen medizinischen Notfall hervorrufen. Deshalb solltest du Produkte meiden, die speziell für Kinder bestimmt sind, denn diese haben meist eine viel zu hohe Eisenkonzentration

Drastisch erhöhte Werte werden häufig aufgrund von Stoffwechselstörungen (Hämochromatose) festgestellt. Für die sogenannte Eisenüberladung ist die Aufnahme durch den Darm verantwortlich und das Eisen sammelt sich schließlich in der Leber, in der Bauchspeicheldrüse oder im Herz. Folglich kann es durch die hohe Konzentration zu einem Organversagen oder chronischen Erkrankungen, wie beispielsweise Diabetes, kommen. Deshalb ist in diesen Fällen eine ärztebegleitende Therapie wichtig. Allerdings können Symptome, die für eine Über- oder Unterdosierung typisch sind, durchaus andere Ursachen haben. Deshalb sollte im Zweifelsfall immer ein Arzt konsultiert werden

Welche Risiken hat eine Selbstmedikation? 

Der Wert bei einer Laboruntersuchung wird als "Eisenspiegel im Serum" bezeichnet - also die Menge des Transportproteins Transferrin, das zur Zeit der Messung im Blut vorhanden ist. Doch die Menge kann naturgemäß über den Tag hinweg variieren. Eindeutiger und zuverlässiger ist der Ferritin-Wert, also die Menge des im Körper gespeicherten Eisens (Speichereisen). Die Werte im Serum liegen bei Erwachsenen durchschnittlich bei: 

  • Urin: ca. bis 100 μg/24 Stunden
  • Frauen: 60 - 180 Mikrogramm pro Deziliter (μg/dl)
  • Männer: 70 - 180 μg/dl
  • Kinder bis 13 Jahren: 30 - 140 μg/dl 
  • Neugeborene: Erfahrungsgemäß liegen die Werte bis zu einem Alter von 3 Monaten über dem Durchschnittswert.

Hast du den Eindruck, dass ein Eisenmangel der Grund für ungewöhnliche Beschwerden ist, solltest du vorsichtshalber den Wert vom Arzt bestimmen lassen, anstatt irgendwelche Eisentabletten einzunehmen. Schließlich können auch niedrig dosierte Nahrungsergänzungsmittel zu einer Überdosierung führen. Informiere den behandelnden Mediziner darüber, wenn du auch andere Medikamente einnimmst, denn eine mögliche Wechselwirkung kann die Aufnahme von Eisen beeinträchtigen. Dazu zählen unter anderem Antazia (neutralisieren die Magensäure) und Präparate mit zugesetztem Calcium oder Magnesium. Im Zweifel informiere dich beim Arzt oder Apotheker über individuelle Lösungen. Umgekehrt kann Eisen die Wirksamkeit von Medikamenten beeinflussen. Unter anderem wird die Effektivität von Schilddrüsenhormonen beeinträchtigt und das Antibiotikum Doxycyclin wirkt nicht mehr richtig. In diesen Fällen solltest du bis zur Einnahme – ähnlich wie bei Lebensmitteln – etwa 3 Stunden warten.