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Bier, Kartoffeln, Schnitzel: Was hinter Deutschlands Essgewohnheiten steckt


Autor: Tamara Schneider

Deutschland, Sonntag, 26. April 2026

Essen und das, was wir heute unter Esskultur verstehen, verändert sich im Laufe der Zeit. Wir nehmen dich mit auf eine Zeitreise zu dem, was deine Vorfahren gerne aßen.
Echt deutsche Gerichte - mit den Jahrhunderten änderte sich auch die Esskultur.


Was die Deutschen im Laufe der Geschichte gerne aßen und welche Gerichte auf dem Teller landeten, veränderte sich kontinuierlich. Die "typisch deutsche" Esskultur entwickelte sich über Jahrhunderte hinweg und ist das Ergebnis von regionalen Gegebenheiten, gesellschaftlichen Umbrüchen und globalen Einflüssen. Essen spiegelte die Lebensumstände, sozialen Unterschiede und kulturellen Einflüsse wider. Wir nehmen dich mit auf eine kleine Zeitreise durch die abwechslungsreiche Geschichte der deutschen Esskultur. 

Mittelalter: Einfach und vom Stand abhängig

Sich im Mittelalter richtig satt zu essen, war noch lange nicht für jeden Menschen in den Ländern, die zum deutschen Reichsgebiet gehören sollten, möglich. Die Ernährung war stark von der sozialen Stellung abhängig. Während der Adel importierte Früchte, feines Weißbrot und durch den aufwendigen und teuren Gewürzhandel schmackhaft gewürzte Speisen genießen konnte, lebte die Mehrheit der Bevölkerung von einfachen Gerichten. Besonders verbreitet waren Getreidebreie aus Hafer, Roggen oder Hirse, ergänzt durch Gemüse und gelegentlich Fleisch.

Regionalität und Saisonalität bestimmten den Speiseplan. Was vor Ort angebaut oder gesammelt werden konnte, kam auf den Tisch. Dazu gehörten auch Milch und Eier durch die Haltung eigener Tiere. Auch Bier spielte eine zentrale Rolle im Alltag, denn es war vergleichsweise günstig herzustellen und musste nicht wie zum Beispiel Wein gehandelt werden. 

Die mittelalterliche Ernährung zeigt, wie stark nachhaltige und regionale Ernährung historisch in Deutschland verankert ist. Das ist ein Prinzip, das heute wieder an Bedeutung gewinnt, denn regionale Produkte sind hoch im Kurs. Und auch Fleisch ist ein heute wieder teures Lebensmittel, das in guter, regionaler Qualität nur zu besonderen Anlässen auf den Teller sollte. 

Frühe Neuzeit: Neue Lebensmittel kommen auf

Mit der frühen Neuzeit, also den Jahren zwischen 1500 und 1800, begann ein Wandel der Esskultur in Deutschland. Es wurden neue Handelswege erschlossen und Entdeckungen führten die Deutschen in bisher unerschlossene Kontinente. So gelangten zahlreiche Lebensmittel nach Europa, die es bisher auf dem Speiseplan noch nicht gegeben hatte. Zu den neuen Lebensmitteln gehörten unter anderem Kartoffeln, Mais, Tomaten, Kakao und auch Kaffee.

Neue Zutaten und Geschmacksnuancen erweiterten die Möglichkeiten der Küche erheblich und führten zu einer vielfältigeren Ernährungsweise. Gleichzeitig blieben soziale Unterschiede bestehen, die sich auch in der Art der Ernährung zeigten. Während wohlhabende Bevölkerungsschichten von exotischen Gewürzen und Luxusgütern wie Datteln oder Kaffee profitierten, blieb die Ernährung der einfachen Bevölkerung weiterhin schlicht.

Viele heute selbstverständliche Lebensmittel – etwa die Kartoffel – waren einst exotische Neuheiten und mussten erst etabliert werden. Sobald Kartoffeln für die Mehrheit der Bevölkerung verfügbar waren, wurden sie besonders in Krisenzeiten wichtig und gerade für die ärmeren Schichten unverzichtbar. Die im Anbau widerstandsfähige Kartoffel half gegen den Hunger, und je mehr Kinder im Haushalt lebten, desto mehr Kartoffelgerichte kamen auf den Tisch. 

18. und 19. Jahrhundert: Der Siegeszug der Hausmannskost

Im 18. und 19. Jahrhundert war das Hauptmotto des Essens: "Hauptsache satt". Harte körperliche Arbeit und der Aufstieg der Industrialisierung ließen den Bedarf der Menschen an energiereichen Mahlzeiten ansteigen. Typisch für diese Epoche waren nahrhafte Suppen und Eintöpfe, Brot sowie Breie aus Getreide und Hülsenfrüchten.

Gerade in den Städten veränderte sich der Umgang mit Lebensmitteln. Mit wachsender Bevölkerung und somit begrenzten Ressourcen entwickelte sich eine ausgeprägte Vorratskultur. Lebensmittel wurden eingelagert, eingelegt oder getrocknet – etwa Sauerkraut, Kartoffeln oder Obst.

Und auch die Kriegszeiten ließen die Menschen zu Vorratshamstern werden. Einkellern, Einkochen und andere Formen der Haltbarmachung gehörten bald zu den Kernkompetenzen einer guten Köchin. Gleichzeitig entstand im 19. Jahrhundert langsam das Bild einer "typisch deutschen Küche". Das sind vor allem deftige wie zum Beispiel Braten, Klöße oder regionale Spezialitäten.