Apfelschorle trifft Bier: Klosterbrauerei wagt irren Sommermix
Autor: Julian Drescher
Starnberg, Mittwoch, 18. März 2026
Die Andechser Klosterbrauerei mixt Apfelschorle mit alkoholfreiem Weißbier – und nennt es Apfelweisse. Klingt schräg. Schmeckt offenbar. Die Mönche waren erst dagegen.
Bier hat in Deutschland ein Problem: Der Absatz sinkt seit Jahren. 2025 brach der Bierverkauf in Bayern erneut um 5,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ein. Wer als Brauerei nicht gegensteuert, verliert Marktanteile.
Alkoholfreies Bier dagegen boomt. Laut Statistischem Bundesamt hat sich die Produktionsmenge alkoholfreien Biers in Deutschland seit 2014 auf rund 700 Millionen Liter im Jahr 2024 mehr als verdoppelt. Wer sich fragt, welche fränkischen Brauereien beim Thema alkoholfreies Bier schon weit vorne sind, findet die Antwort im großen inFranken.de-Leser-Ranking der beliebtesten alkoholfreien Franken-Biere.
Apfelschorle trifft Bier: Klosterbrauerei wagt irren Sommermix
Die Andechser Klosterbrauerei südlich von München hat ein neues alkoholfreies Biermischgetränk auf den Markt gebracht, das sicherlich bei vielen erstmal für fragende Gesichter sorgen wird: die Apfelweisse. Das Getränk besteht zu 55 Prozent aus Andechser Apfelschorle und zu 45 Prozent aus dem alkoholfreien Weißbier der Brauerei. Verkaufsleiter Konrad Muck brachte es gegenüber dem Nachrichtenportal Merkur.de auf den Punkt: "Man muss es erklären und probieren. Beim dritten Schluck klingelt's dann."
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So simpel der Mix klinge – ganz so einfach sei er nicht. Das alkoholfreie Weißbier selbst sei technisch anspruchsvoll in der Herstellung. Das ideale Mischverhältnis sei zudem gemeinsam mit den Andechser Mönchen erprobt worden – Varianten wie 60:40, 50:50 oder 40:60 seien dabei ausgeschieden.
Die Andechser Klosterbrauerei unweit des Ammersee gehört zum Benediktiner-Kloster Andechs und blickt auf eine Brautradition zurück, die bis ins 15. Jahrhundert reicht. Bekannt ist die Brauerei heute unter anderem für ihr Doppelbockbier. Geschmacklich überzeuge die neue Apfelweisse laut Brauerei mit einer tiefen Goldfärbung, Duftnoten von grüner Banane sowie einem Hauch von Papaya durch den verwendeten Aromahopfen – ein spritziges, fruchtiges Getränk mit kaum wahrnehmbarer Hopfenbittere.
Erst Widerstand, dann Ausverkauf – die Apfelweisse trifft einen Nerv
Der Start des neuen Sommergetränks laufe bemerkenswert gut: Die Erstabfüllung – dreimal so viel wie ursprünglich geplant – sei bereits kurz nach Produktionsstart komplett an den Großhandel verkauft worden. Mit den ersten warmen Tagen dürfte die Nachfrage weiter steigen – bei Sportlern ebenso wie bei allen anderen, die nach einer Erfrischung ohne Alkohol suchen. Sogar zwei italienische Großhändler hätten bereits Interesse angemeldet, berichtete Verkaufsleiter Muck dem Merkur.
Dass die Andechser Klosterbrauerei mit alkoholfreien Produkten auf Kurs sei, zeigten die eigenen Zahlen: Das alkoholfreie Weißbier, seit sieben Jahren im Sortiment, komme mittlerweile auf rund 7000 Hektoliter pro Jahr. Das alkoholfreie Helle, erst Anfang 2024 eingeführt, liege bereits bei 2500 Hektolitern – Tendenz steigend. Wie mutig der Schritt zur Entalkoholisierung für Brauereien sein kann, zeigt auch das Beispiel einer fränkischen Traditionsbrauerei: Die Weiher-Brauerei Kündmüller ging dabei einen besonders harten Weg.