Druckartikel: Mähfreier Monat: Darum solltest du im Mai deinen Rasen nicht mähen

Mähfreier Monat: Darum solltest du im Mai deinen Rasen nicht mähen


Autor: Alessa Waltz, Agentur dpa

Deutschland, Mittwoch, 29. April 2026

Ein stets gemähter Rasen wirkt sich negativ auf die Umwelt aus. Im Mai bietet sich die Chance, etwas dagegen zu tun. Welchen Nutzen hat ein "mähfreier Monat"?


Im Mai beginnt die Natur förmlich zu explodieren und das Gras schießt mit rasantem Tempo in die Höhe. Daher ist es nicht ungewöhnlich, dass in vielen Gärten wöchentlich das Geräusch des Rasenmähers zu hören ist, um das Wachstum von Wildkräutern und Blümchen zu bändigen.

Ein gemähter Rasen gilt als gepflegt und ansehnlich, wirkt sich jedoch negativ auf die Artenvielfalt aus. Um diese zu fördern, können Gartenbesitzer einfach ihren Rasenmäher bis Ende Mai im Schuppen lassen. Die Rasenflächen, Blumen und Brennnesseln im heimischen Garten sollten als Nahrung und Lebensraum für Insekten und Vögel vorerst stehen bleiben, appellierte der Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV) in Hilpoltstein. 

Biologin erklärt den "mähfreien Mai" - das steckt dahinter

"Ungemähte Rasenflächen bieten wichtigen Lebensraum für Wildblumen und Insekten", erläuterte LBV-Biologin Tarja Richter. "Löwenzahn und Weißklee locken beispielsweise Schmetterlinge und Wildbienen an, die den Nektar und die Pollen brauchen, Brennnesseln werden von einigen Schmetterlingen zur Eiablage genutzt. Auch Vögel profitieren von den Insekten und Samen."

Durch den Verzicht auf das Mähen könnten sich die Pflanzen bis zur vollen Blüte entwickeln. Die ersten Blüten auf der Wiese seien als Nahrungsquelle besonders wertvoll, erläuterte Richter. "Außerdem bietet langes Gras einen wichtigen Lebensraum für Käfer oder Heuschrecken."

Laut LVB machen Privatgärten zwei Prozent der Gesamtfläche des Freistaats aus. Deshalb seien Versteckmöglichkeiten und Nistorte für Vögel und Insekten im Garten so wichtig - und das Verhalten der Besitzer durchaus relevant. Wer dauerhaft zum Artenschutz beitragen will, soll laut LBV den Rasen auch ab Juni nur etwa einmal im Monat stutzen, am besten mit einer Sense. Das abgeschnittene Gras sollte danach nicht liegengelassen, sondern direkt kompostiert werden. 

Positiver Beitrag zur Umwelt - das ist die Idee hinter der Kampagne

Indem der Rasenmäher nicht benutzt wird, kann also ein positiver Beitrag zur Umwelt geleistet werden. In Belgien sind Umweltschutzorganisationen und zwei wichtige Nachrichtenmagazine Vorreiter einer Bewegung, die den Mai als "mähfreien Monat" etablierte. Hintergrund ist, dass die in Belgien so geschätzten, peinlichst genau getrimmten Rasenflächen der Biodiversität erheblichen Schaden zufügen. 

Dies wiederum hat negative Konsequenzen für die Klimakrise. Im Jahr 2022 folgte die Deutsche Gartenbau-Gesellschaft mit der Kampagne "Mähfreier Mai". Experten aus dem Gartenbau betonen, dass es nicht notwendig ist, den ganzen Rasen in einen Wildwuchs zu verwandeln. Um die Artenvielfalt zu fördern, reicht es bereits aus, einen kleinen Teil des Rasens ungestört wachsen zu lassen. Darüber hinaus wird empfohlen, dem Rasen zu gestatten, in unterschiedlichen Höhen zu wachsen, was insbesondere Schmetterlinge erfreut.

Die Initiatoren hoffen, dass jeder im Mai ein wenig Rasen sprießen lässt, um so die Vielfalt der Insekten zu unterstützen. Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau macht darauf aufmerksam, dass die Artenvielfalt der Flora und Fauna durch die Ausbreitung landwirtschaftlicher Flächen erheblich beeinträchtigt wird und Lebensräume wie Brachen, Streuobstwiesen und natürliche Hecken zunehmend verschwinden. Dadurch wird der Lebensraum vieler Pflanzen und Tiere drastisch eingeschränkt und die Biodiversität stark reduziert. Daher ist es umso wichtiger, die Artenvielfalt auch im Kleinen zu fördern und im eigenen Garten auf den "perfekten" Rasen zu verzichten, um die Umwelt zu schützen. Dies bedeutet, dass die "Monokultur im Kleinen" nicht mehr so häufig gemäht wird, wie es für einen gepflegten Rasen üblich wäre.

Der eigene Garten: Das solltest du der Umwelt zuliebe vermeiden

Alternativ sollte zumindest ein Teilbereich des Rasens wachsen können. Gerade im Wonnemonat Mai solltest du der Natur einfach ihren Lauf lassen. Somit können die Blumen und Kräuter sprießen und sich infolgedessen auch die Artenvielfalt prächtig entwickeln. Damit tust du direkt etwas Gutes für die Umwelt - wovon du selbst und deine Mitmenschen profitieren. Summende-Gärten.de verweist auf eine US-amerikanische Studie, die den Nutzen von Wild-Gärten für Insekten attestiert: Wenn eine Rasenfläche frühestens alle drei Wochen gemäht wird, lässt sich die größte Artenvielfalt entdecken. Bienen und Hummeln profitieren hierbei vor allem von Klee, Löwenzahn und ähnlichen Gewächsen. Paul Westrich, Experte für Wildbienen, empfiehlt sogar, den Rasen maximal zwei- bis viermal im Jahr zu mähen - so werden den Bienen optimale Lebensbedingungen geboten. 

Ein absolutes Tabu für den umweltfreundlichen Rasen: Pestizide. Diese Unkrautvernichter sind oftmals nicht nur tödlich für die Pflanze, die bekämpft werden soll, sondern auch für Insekten und Tiere, beispielsweise Amphibien wie Eidechsen oder auch Fische. Garten.de weist darauf hin, dass verschiedene Pestizide auch für den Menschen schädlich sein können und beispielsweise die Schleimhäute reizen können. Deshalb sollte Unkraut unbedingt von Hand gejätet werden und auf giftige Chemie-Keulen komplett verzichtet werden. 

Außerdem solltest du auf die Verwendung von torfhaltiger Erde verzichten. Das Umweltbundesamt erläutert, dass viele Blumenerden Torf enthalten, die aus Hochmooren stammen. Das Fatale: Da die Moore die CO2-Speicher schlechthin darstellen, entweicht durch den Torfabbau massiv CO2 in die Umwelt. Zudem fallen durch den Abbau der Moore wichtige Möglichkeiten der Speicherung des Treibhausgases weg. Obendrein wird so auch vielen Lebewesen ihr Lebensraum genommen. Tipp: Nutze alternativ besser Erde von einem Kompost- oder Häckselplatz in der Nähe - diese hat eine hohe Qualität und kostet zudem nichts.

So bekommst du einen nachhaltigen Rasen

Eine weitere Umwelt-Todsünde: die "Steinwüste". Nicht nur in Bezug auf die Biodiversität, auch das Klima und die Wärmeentwicklung betreffend, sind Steingärten nicht zu empfehlen. Laut der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenanbau sorgen Kies- und Steinvorgärten dafür, dass sich die Wärme in Siedlungs- und Wohngebieten gut entwickeln kann und sich die Hitze an heißen Sommertagen innerhalb des Viertels massiv staut. Abhilfe würden hier Wiesen und Bäume schaffen, die Feuchtigkeit speichern und Schatten spenden. Die Blätter der Bäume sorgen zudem durch Verdunstung dafür, dass die Temperatur gesenkt wird. 

Der BUND rät dazu, grundsätzlich immer einige Stellen im Garten wild wachsen zu lassen - selbst wenn der Rest des Gartens hin und wieder doch vom Rasenmäher bearbeitet wird. Denn so haben auch kleine Tiere wie Blindschleichen und Eidechsen eine Chance. Diese revanchieren sich wiederum mit dem Verspeisen von Schnecken, die sich nur zu gerne an deinen Nutzpflanzen bedienen - somit entsteht ein echtes Geben und Nehmen. 

Von der Nutzung von Mährobotern rät der LBV dringend ab - die können kleinen Gartenbewohnern wie Igeln gefährlich werden.

Auf diesem Rasen fühlen sich Pflanzen und Tiere besonders wohl

Besonders zu empfehlen sind laut Bayerischer Landesanstalt für Weinbau und Gartenanbau zwei Rasentypen, in denen sich Pflanzen und Tiere wohlfühlen. Zum einen ist das der Kräuterrasen, in dem überwiegend Pflanzen wie das Gänseblümchen, Löwenzahn, Klee und andere gedeihen. Zudem ist auch eine Blumenwiese förderlich für die Biodiversität: Hier fühlen sich Insekten pudelwohl.

Um die Biodiversität zusätzlich zu unterstützen, sollte den Garten eine große Pflanzenvielfalt auszeichnen. Empfehlenswert ist es, bei der Auswahl der Pflanzen auf Wirtspflanzen zu setzen, auf die einige nützliche Insekten spezialisiert sind. Fehlen diese Wirtspflanzen, tummeln sich hauptsächlich Insekten im Garten, die als "Nutznießer" mehrere Pflanzen anfliegen - die spezialisierten Insekten meiden den Garten und die Nutznießer breiten sich aus, was die Artenvielfalt vermindert. Der NABU erklärt: Da Bienen nur einen kurzen Saugrüssel haben, fliegen sie in erster Linie Lippen- und Rachenblütler an, an deren Nektar sie ohne Probleme gelangen.

Wer der Umwelt etwas Gutes tun möchte und die Möglichkeiten hat, sollte sich außerdem am Anbau von Obst und Gemüse im eigenen Garten versuchen - denn das erspart die Produktion, den Transport und die Verpackung. Des Weiteren sollte das Prinzip der Kreislaufwirtschaft befolgt werden. Hierbei werden Rasenabfälle, wie etwa das Schnittgut, weiter verwendet. Rasenschnitt kann zum Beispiel zum Mulchen des Rasens erneut verwendet werden.