Wiesbaden
Movie Money

Falschgeld im Umlauf: Vorsicht vor diesen täuschend echten Scheinen

Auf den ersten Blick sehen sie aus wie ganz normale Geldscheine: das sogenannte "Movie Money" geht momentan wieder in Franken um. Doch wie kann man das Falschgeld von echtem Geld unterscheiden?
Falschgeld in Franken im Umlauf: Vorsicht vor diesen täuschend echten Scheinen
"Prop Copy" oder "Movie Money": So erkennst du die häufigsten Falschnoten. Foto: Boris Roessler/dpa

Beim Bezahlen an der Kasse muss es meistens schnell gehen. Wohl kaum einer nimmt sich die Zeit, seine Geldscheine genauer unter die Lupe zu nehmen - doch das kann gefährlich werden. Denn immer wieder ist täuschend echtes Falschgeld im Umlauf, auch in Franken.

Zuletzt wurde ein Fall in Bad Windsheim bekannt, wie der Verlag Nürnberger Presse berichtet. Doch der falsche 20-Euro-Schein ist bei weitem kein Einzelfall. Insgesamt wurden 2021 laut Bundeskriminalamt (BKA) 123.301 gefälschte Banknoten aus dem Verkehr gezogen. Insgesamt ist das weniger als in den Vorjahren, speziell in Bayern ist die Zahl der Falschnoten aber gestiegen. Im aktuellen Fall aus Mittelfranken handelt sich um sogenanntes "Movie Money" oder "Prop Copy", das als Requisite oder Spielgeld angeboten wird. Allerdings müssen solche Banknoten eigentlich in Größe und Farbe von echten Geldscheinen zu unterscheiden sein - und dürfen auch nicht in den regulären Zahlungsverkehr gebracht werden.

Falschgeld in Franken entdeckt: Wie erkenne ich "Movie Money"?

Dennoch machen solche "veränderten Banknotenabbildungen" (VBNA) fast die Hälfte allen Falschgeldes aus, das im und außerhalb des Zahlungsverkehrs entdeckt wurde. Das geht aus dem Bundeslagebild des BKA aus dem Jahr 2021 vor. VBNA werden von den Behörden gesondert zu den klassischen Fälschungen erfasst. Denn es handelt sich um Bargeld-Kopien "mit zusätzlichen, mehr oder weniger auffälligen, textlichen oder bildlichen Veränderungen".

Im Fall von "Movie Money" steht am Rand unter den Abkürzungen der Europäischen Zentralbank: "This is not legal. It is to be used for motion props". Zu deutsch: "Dies ist nicht legal. Es ist als Requisite zu verwenden." Unter der Europaflagge in der oberen linken Ecke steht "Movie Money". Dort sollte eigentlich die Unterschrift eines EZB-Präsidenten stehen.  Außerdem steht unter dem Wort Euro am unteren Rand einfach nur "Prop", also Requisite. Auf dem Original ist unter "EURO" dasselbe Wort in griechischer Schrift (EYPO) und kyrillischer Schrift (EBPO) zu sehen.

"Diese Banknoten kann man schon durch bloßes Hinschauen als Fälschung erkennen", betont Bundesbank-Vorstandsmitglied Johannes Beermann. Die Farben, das Design und die Größe der Geldscheine sind bei solchen VBNA jedoch identisch zu echten Euro-Scheinen. Und alleine die Möglichkeit, "dass Reproduktionen durch die Öffentlichkeit mit echten Euro-Banknoten verwechselt werden", reicht für einen Tatbestand aus. "Movie Money", wie es auch in Franken entdeckt wurde, wird daher von der Falschgeld-Analysestelle der Deutschen Bundesbank als "zur Täuschung im Zahlungsverkehr geeignet" eingestuft. Im Sinne des Strafgesetzbuches ist es also Falschgeld.

Fühlen, Sehen, Kippen: So gehst du am besten mit Falschgeld um

Was also, wenn man nicht genau hinschaut und Falschgeld untergejubelt bekommt? "Wer Falschgeld entgegennimmt und dies zu spät erkennt, hat in mehrfacher Hinsicht den Schaden: Er bekommt keine Entschädigung, und wer Falschgeld wissentlich weitergibt, macht sich strafbar", warnt das BKA. Es droht eine Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr. Bei Geldscheinen solltet ihr also lieber zweimal hinschauen. "Alle derzeit im Umlauf feststellbaren Falsifikate sind nach dem Prüfschema 'Fühlen – Sehen – Kippen' als Fälschung zu erkennen", so die Experten.

  • Fühlen: Festigkeit des Papiers prüfen, Fälschungen sind meist von minderer Qualität. Fühlbare Elemente wie das Relief des Bildes, die Erhebungen an den Rändern oder den Hologrammstreifen prüfen.
  • Sehen: Falschgeld hat meistens keine Sicherheitsmerkmale. Fehlt vielleicht das Wasserzeichen oder das Hologramm-Porträt? Es kann dabei hilfreich sein, einen zweifelsfrei echten Geldschein danebenzulegen.
  • Kippen: Einige Sicherheitsmerkmale werden erst beim Kippen sichtbar, zum Beispiel die Regenbogenfarben im Hologrammstreifen, die Smaragdzahl oder der Glanzstreifen auf der Rückseite.

Im Zweifelsfall könnt ihr das Geld auch bei der nächstgelegenen Bank oder der Bundesbank überprüfen lassen. Wenn ihr den Verdacht habt, aus Versehen Falschgeld angenommen zu haben, meldet euch umgehend bei der Polizei. Das Geld steckt ihr am besten in einen Umschlag, die Beamten können es dann auf Fingerabdrücke untersuchen.

Insgesamt weniger Falschgeld in Deutschland

Kriminelle setzen schon seit ein paar Jahren vermehrt auf das "Movie Money". Meist wird es in China hergestellt und dann weltweit über das frei zugängliche Internet oder im Dark Web verkauft. In Bayern hatte das Landeskriminalamt bereits 2019 vor den nachgemachten Scheinen gewarnt und auch 2020 nahm die Zahl der Meldungen über diese Art von Falschgeld in den sozialen Netzwerken zu. Inzwischen nimmt der Trend scheinbar wieder ab. Daten aus dem ersten Halbjahr 2022 zeigen einen leichten Rückgang, wie die Bundesbank mitteilte. Aber auch insgesamt haben es Geldfälscher inzwischen schwerer in Deutschland, vor allem seit der Corona-Pandemie. Mit 19.789 gefälschten Geldscheinen, die in den ersten sechs Monaten 2022 sichergestellt wurden, ist das der niedrigste Wert seit 2013. 

"Das ist den hochwertigen Sicherheitsmerkmalen auf den Banknoten sowie den Informationskampagnen und Schulungen der Bundesbank zu verdanken, aber auch dem guten Zusammenwirken mit den Strafverfolgungsbehörden", erläuterte Beermann. So hoben Beamte im Juli 2021 eine große Fälscherwerkstatt in Köln aus. Sie stellten dabei den Angaben zufolge 600 fertige 20-Euro-Blüten und Material für mehr als 10 000 weitere Fälschungen sicher. Nach diesem Schlag gegen Kriminelle sank die Zahl der gefälschten 20-Euro-Scheine in Deutschland in den ersten sechs Monaten 2022 im Vergleich zum zweiten Halbjahr 2021 deutlich um 16,4 Prozent

2021 wurde der 20-Euro-Schein fast am meisten gefälscht. Laut BKA-Statistik wurden mehr als 35.000 Fälschungen sichergestellt. Am häufigsten war der "falsche Fünziger" aufgeflogen, hier waren es rund 40.000 gefälschte Exemplare. Grundsätzlich werden Scheine mit kleinerem Nennwert wie 10, 20 oder 50 Euro häufiger gefälscht, sie machen in etwa drei Viertel aller Falschnoten aus. "Movie Money" und andere VBNA-Varianten haben allerdings für einen sprunghaften Anstieg bei den 200- und 500-Euro-Scheinen gesorgt. Die Zahl der falschen 200-Euro-Scheine waren fast doppelt so hoch wie noch 2020, bei den 500-Euro-Fälschungen stieg die Zahl etwa um ein Drittel an. "Solche Scheine wurden nahezu ausschließlich im Rahmen von polizeilichen Großsicherstellungen als VBNA-Varianten aufgefunden", heißt es dazu im Bericht des BKA.

Letztendlich ist die Chance aber doch sehr gering, dass euch im Alltag Falschgeld begegnet. Nach Angaben der Bundesbank entfielen im ersten Halbjahr in Deutschland fünf gefälschte Banknoten auf 10 000 Einwohner. Europaweit gab es zehn Fälschungen auf 10 000 Einwohner.