Romance-Scams 2026: Wie KI Liebesbetrug gefährlicher macht denn je – und wie Singles sich schützen
Autor: Niclas Michel, Volker Gutgesell
, Freitag, 08. Mai 2026
Ein charmanter Arzt aus dem Ausland, ein einfühlsamer Witwer, ein erfolgreicher Unternehmer auf Geschäftsreise: Die Geschichten klingen unterschiedlich, das Muster ist immer gleich. Romance-Scams – also organisierter Liebesbetrug im Internet – haben sich zu einer der lukrativsten Betrugsformen unserer Zeit entwickelt. Und sie werden gefährlicher. Künstliche Intelligenz verleiht den Tätern heute Werkzeuge, die selbst geübte Online-Dater an ihre Grenzen bringen. Wer auf Partnersuche im Internet ist, sollte die aktuellen Maschen kennen – und wissen, woran er sie erkennt.
Die neue Dimension des Liebesbetrugs
Der jüngste Norton Insights Report: Artificial Intimacy zeichnet ein alarmierendes Bild. Demnach wurden bereits 44 Prozent aller aktiven Online-Dater Ziel eines Dating-Scams. Gleichzeitig zeigen sich 77 Prozent offen für eine emotionale Beziehung mit einer Künstlichen Intelligenz. 59 Prozent halten es sogar für möglich, sich in einen Chatbot zu verlieben. Diese Zahlen verdeutlichen: Die Grenze zwischen echter Zuneigung und maschineller Simulation verschwimmt zunehmend.
Forschende der israelischen Ben-Gurion-Universität konnten zudem nachweisen, dass KI-gestützte Scam-Bots in Gesprächen teilweise höhere Vertrauenswerte erzielten als menschliche Betrüger. Die Maschine schreibt geduldiger, antwortet schneller und passt ihren Tonfall präzise an die emotionale Verfassung des Gegenübers an. Der klassische „Scammer mit Sprachbarriere“ gehört damit der Vergangenheit an.
Diese Maschen dominieren die Partnersuche im Internet
Romance-Scams folgen einem immer wiederkehrenden Drehbuch. Wer die typischen Stationen kennt, erkennt den Betrug oft, bevor finanzieller Schaden entsteht.
- Der Love Bomber: Innerhalb weniger Tage überschüttet das Gegenüber sein Opfer mit Komplimenten, Liebesbekundungen und Zukunftsplänen. Diese künstliche Nähe soll kritisches Denken ausschalten.
- Der ferne Held: Ärzte in Krisengebieten, Soldaten im Auslandseinsatz oder Ingenieure auf Bohrinseln werden oft als Identitäten verwendet. Die Tarnungen sind so gewählt, dass ein persönliches Treffen plausibel verhindert werden kann.
- Die Investmentfalle (Pig Butchering): Statt direkt um Geld zu bitten, lockt der Täter sein Opfer in vermeintlich lukrative Krypto-Investments. Erst werden kleine Gewinne ausgezahlt, dann verschwindet die gesamte Einlage.
- Der medizinische Notfall: Plötzliche Krankenhausaufenthalte, Unfälle der angeblichen Kinder oder Zollgebühren für ein Geschenk – stets verbunden mit der dringenden Bitte um Geld.
- Die KI-Persona: Komplett erfundene Identitäten mit deepgefälschten Fotos, Videoanrufen und Sprachnachrichten. Selbst kurze Live-Videos sind heute kein verlässlicher Echtheitsbeweis mehr.
Warum gerade Singles ab 40 ins Visier geraten
Die Täter wählen ihre Ziele bewusst. IIm Fokus stehen häufig Menschen zwischen 40 und 65 Jahren. In dieser Lebensphase können Trennungen, Verwitwung oder berufliche Neuorientierung emotionale Verletzlichkeit erzeugen. Wer Geborgenheit sucht, übersieht Warnsignale leichter. Hinzu kommt: Diese Altersgruppe verfügt häufig über Erspartes, Wohneigentum oder eine solide Altersvorsorge – ein attraktives Ziel für organisierte Banden.
Sie möchten wissen, wie sich eine seriöse digitale Partnersuche in dieser Lebensphase erfolgreich gestalten lässt. In diesem Beitrag finden Sie hilfreiche Anregungen dazu.