Innovative Technik: Bahngleise könnten bald mehr liefern als nur Transport

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Strom aus fahrenden Zügen: Diese Technik nutzt die Vibrationen der Gleise
Ein US-Unternehmen nutzt Zugvibrationen zur effizienten Stromerzeugung.
Strom aus fahrenden Zügen: Diese Technik nutzt die Vibrationen der Gleise
Sven Hoppe/dpa/Symbolbild

Ein US-Unternehmen will die Bewegungen vorbeifahrender Züge zur Stromerzeugung nutzen. Ein elektrohydraulisches System soll dafür die Kräfte im Gleis aufnehmen und in elektrische Energie umwandeln.

Schwere Züge setzen bei jeder Fahrt enorme Kräfte auf die Gleise frei. Ein US-Unternehmen will einen Teil dieser mechanischen Energie künftig auffangen und in elektrischen Strom umwandeln. Dafür entwickelt Regen Tracks ein elektrohydraulisches System, das die Bewegungen und Belastungen der Bahnstrecke nutzt.

So soll Strom aus den Gleisen entstehen

Wenn schwere Eisenbahnwagen über eine Strecke fahren, wirken dabei wiederholt hohe Kräfte auf die Schienen und den Unterbau. Das von dem jungen Start-up Regen Tracks entwickelte System soll diese Bewegungen und Vibrationen aufnehmen. Die dabei entstehende mechanische Energie wird anschließend über einen elektrohydraulischen Mechanismus in elektrische Energie umgewandelt.

Nach Angaben des Unternehmens für regenerative Schienenenergietechnik gibt es bereits einen funktionsfähigen Prototypen. Dieser soll zeigen, dass sich die wiederkehrenden Belastungen durch vorbeifahrende Züge technisch erfassen und in elektrische Leistung umsetzen lassen. Konkrete Angaben dazu, wie viel Strom dabei erzeugt werden kann, macht Regen Tracks bislang allerdings nicht.

Die Technik unterscheidet sich damit von klassischen Systemen zur Rückgewinnung von Bremsenergie. Diese nutzen die Bewegungsenergie eines Zuges vor allem während des Abbremsens. Regen Tracks will dagegen die Kräfte nutzen, die während der normalen Fahrt immer wieder auf die Infrastruktur wirken.

Bahnstrecken könnten zu kleinen Kraftwerken werden

Das US-Unternehmen denkt dabei nicht nur an einzelne Züge. Vor allem stark frequentierte Güterbahnstrecken könnten interessant sein, weil dort regelmäßig schwere Lasten bewegt werden. Regen Tracks untersucht deshalb Möglichkeiten, die Technologie entlang von Verkehrswegen einzusetzen und die gewonnene Energie in der Nähe der Bahnstrecke verfügbar zu machen.

Als mögliche Anwendungen nennt das Unternehmen unter anderem die Versorgung von Bahninfrastruktur, Energiespeichern und ein lokales Energiemanagement. Auch eine Unterstützung des Stromnetzes wird als mögliche Perspektive genannt. Dabei handelt es sich um geplante beziehungsweise untersuchte Einsatzmöglichkeiten, nicht um bereits nachgewiesene Anwendungen.

Ferner soll die Technologie grundsätzlich auch für andere Fahrzeuge und Verkehrssysteme untersucht werden. Regen Tracks spricht von Einsatzmöglichkeiten für Eisenbahnwagen, Fahrzeuge und weitere Transportsysteme. Wie weit sich das Prinzip tatsächlich übertragen lässt, ist nach dem derzeitigen Entwicklungsstand noch offen.

Auch Rechenzentren sind ein mögliches Ziel

Regen Tracks verweist außerdem auf den wachsenden Strombedarf moderner Rechenzentren. Insbesondere Anlagen für künstliche Intelligenz benötigen viel elektrische Energie für die Rechenleistung und Kühlung. Bahnstrecken könnten aus Sicht des Unternehmens langfristig zusätzliche lokale Energiequellen in der Nähe solcher energieintensiven Standorte bereitstellen.

Als denkbare Standorte nennt das Unternehmen unter anderem Logistikzentren, Industriegebiete und Verkehrskorridore. Gerade dort treffen Bahnverkehr und hoher Energiebedarf teilweise aufeinander. Die Idee ist, die mechanische Energie des Verkehrs vor Ort zu nutzen, statt ausschließlich auf externe Energiequellen zurückzugreifen.

Wie groß der Beitrag einer solchen Technik tatsächlich sein könnte, lässt sich derzeit jedoch nicht beziffern. Regen Tracks veröffentlicht bislang keine Angaben zur elektrischen Leistung des Prototyps, zum Wirkungsgrad oder zur Strommenge, die sich beispielsweise bei einer einzelnen Zugfahrt gewinnen lässt. Auch konkrete Angaben zu einer möglichen Versorgung von Rechenzentren liegen nicht vor.

Prototyp soll weiterentwickelt werden

Das Unternehmen befindet sich nach eigenen Angaben noch in der Entwicklungsphase. Im Mittelpunkt stehen die Verbesserung des Prototyps und weitere technische Untersuchungen. Zudem will Regen Tracks Kontakte zu Partnern aus der Bahnbranche, dem Transportsektor und dem Ingenieurwesen aufbauen.

Für einen späteren Einsatz müssten die Systeme dauerhaft mit den Belastungen des Bahnverkehrs umgehen können. Gleichzeitig müssten sie sich in bestehende Infrastruktur integrieren lassen. Welche technischen Anforderungen dabei im Detail entstehen und wie wirtschaftlich ein flächendeckender Einsatz wäre, ist derzeit noch nicht bekannt.

Regen Tracks hat die Technologie im September 2026 öffentlich vorgestellt und will die Entwicklung in den kommenden Monaten vorantreiben. Weitere Informationen zu Tests, technischen Fortschritten und möglichen Partnerschaften sollen nach Angaben des Unternehmens über dessen offizielle Kanäle folgen.