• Geschichte des Münchner Oktoberfestes
  • Deshalb wird auf dem Oktoberfest Tracht getragen
  • Trachtenmode für Männer
  • Trachtenmode für Frauen
  • Wiesn-Outfit: Die Top 5 der absoluten No-Gos

Nach zwei Jahren Coronapause heißt es am 17. September 2022 auf der Münchner Theresienwiese wieder "O'zapft is!" - und das ganz ohne Corona-Beschränkungen und Maskenpflicht. Um Punkt 12 Uhr wird Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) traditionell im Festzelt Schottenhamel das erste Fass Bier anstechen. Der Moment, auf den Wiesnfans - ob prominent oder nicht - sehnsüchtig warten, denn vorher darf auf dem Oktoberfest kein Bier ausgeschenkt werden. Die Wiesn ist Tradition. Es geht aber auch um sehen und gesehen werden. Während man noch, heute schwer vorstellbar, bis in die 1990er Jahre mit Straßenkleidung auf das Oktoberfest gegangen ist, gehört inzwischen für viele die Tracht dazu, wie das Bier, die Hendln und der Ochs am Spieß. Jahr für Jahr stellt sich für viele die Frage: Was ziehe ich an, damit es "echt" wirkt oder vielleicht sogar original ist und auf keinen Fall kitschig? Was sind die Grundregeln für ein stilgerechtes Wiesn-Outfit?

Münchner Oktoberfest: Das größte Volksfest der Welt

Die Erfolgsgeschichte des Münchner Oktoberfestes beginnt am 12. Oktober 1810. Zum Auftakt der Feierlichkeiten anlässlich der Hochzeit des Kronprinzen Ludwig I. Und Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen findet auf einer Wiese am Stadtrand ein Pferderennen statt. Ein Jahr später nimmt sich der Landwirtschaftliche Verein in Bayern der Fortsetzung des Stelldicheins an. Fortan wird die Wiese zu Ehren der Prinzessin "Theresienwiese" genannt, auf Bairisch kurz "Wiesn". Die ersten Fahrgeschäfte werden 1818 installiert. Der Rest ist Geschichte, die bis heute jedes Mal Millionen von Menschen aus der ganzen Welt begeistert.

An die alte Zeit erinnert die Oide Wiesn (alte Wiesn), die seit 2010 auf dem Südteil der Theresienwiese stattfindet. Sie war anlässlich des 200-Jahre-Jubiläums des Oktoberfests eigentlich nur einmalig geplant. Durch den großen Erfolg hat sich die Stadt München aber dazu entschieden, die Oide Wiesn beizubehalten. Neben bayerischer Blas- und Volksmusik findet man historische Fahrgeschäfte. Um auf das Gelände zu gelangen, muss man zwar Eintritt bezahlen (in diesem Jahr vier Euro), dafür kostet die Nutzung der Fahrgeschäfte nur einen Euro. Auch der Zutritt zum vielfältigen Kulturprogramm ist im Eintritt enthalten. Wenn die Partystimmung und das Gedränge in den großen Zelten nicht deins ist, bist du auf der Oidn Wiesn gut aufgehoben. Alle vier Jahre suchst du sie aber vergeblich, denn dann findet auf dem Gelände das Bayerische Zentral-Landwirtschaftsfest statt.

Von der Größe des Oktoberfestes zeugen die Zahlen der Wiesn 2019:

  • 6,3 Millionen Menschen besuchten das Oktoberfest 2019, davon ungefähr 550.000 die Oide Wiesn
  • 7,3 Millionen Maß Bier wurden ausgeschenkt.
  • 124 Ochsen wurden gegessen.
  • Das Fundbüro meldete mehr als 3.000 Fundstücke, darunter 420 Telefone, 690 Kleidungsstücke, ein Küchensieb und sogar ein Gebiss.
  • Die Ordner*innen nahmen "Andenkenjäger*innen" 96.912 Bierkrüge in den Zelten und an den Ausgängen des Festgeländes ab. Diese mitzunehmen, ist nämlich verboten.

Oktoberfest: Der Tag, an dem die Tracht erfunden wurde

Wenn man nicht gerade Mitglied in einem Trachtenverein ist und über Tracht spricht, ist Trachtenmode gemeint. Diese hat sich allerdings in den letzten Jahren dem Original angenähert, wenn man überhaupt von Original sprechen kann. Denn das, was als echte Tracht bezeichnet wird, ist genaugenommen auch nichts über Jahrhunderte Gewachsenes.

Die Liebesbeziehung zwischen Bayern und der Tracht beginnt erst im 19. Jahrhundert als sozialpolitische Kampagne. Anlässlich der Vermählung seines Sohnes Ludwig mit Therese 1810 lässt König Max I. Joseph Kinder und Jugendliche in einer eigens entworfenen "Tracht" auftreten. Die nachfolgenden Regenten integrierten Trachtenträger*innen fest in das Hofzeremoniell zur Stärkung des Zusammenhalts und des "Nationalgefühls".

Wiesn-Revolution: Über diese praktische Neuerung dürfen sich Besucher*innen des Oktoberfestes freuen

Buam: Die Lederhose - Seele der bayerischen Männertracht

Heute noch ist Tracht einer der Inbegriffe bayerischer Geselligkeit und eines Heimatgefühls, das von Nichtbayern gerne miterlebt wird. Um nicht in Kitsch zu verfallen, solltest beim Outfit auf einiges achten:

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  • Lederhose: Fester Bestandteil der bayerischen Männertracht ist die kurze Hirschlederhose oder die Variante als Kniebundhose. Für die kurze Hirschlederhose musst du allerdings mit Preisen ab rund 800 Euro rechnen. Den Preis, der nach oben quasi offen ist, macht unter anderem der Aufwand der Stickerei. Die Königsklasse ist die Maßgeschneiderte. Wenn du nicht ganz so tief in die Geldbörse greifen willst, kannst du auf "Wildbock" zurückgreifen. Der Begriff hat sich in der Modebranche für Leder von der Ziege oder vom Springbock etabliert. Abzuraten ist von Rinder- oder Schweineleder, da diese Lederarten dünn und somit nicht besonders lange haltbar sind. Solche günstigen Stücke werden oft in Asien produziert. Die Lederhose solltest du eine Größe kleiner kaufen und "eintragen", denn Leder dehnt sich. Die Lederhose wird durch Träger oder einen Trachtengürtel gehalten. 
  • Hemd: Klassisch trägt "Mann" weiß. In den vergangenen Jahren haben sich auch gestreifte Trachtenhemden durchgesetzt, etwa in blau oder grün - angelehnt an Arbeitshemden aus der früheren Landwirtschaft. Auch einfarbige Hemden in anderen Farben sieht man immer mehr - von blauen Stoffen über ein kräftiges Grün bis hin zu zarten Rosatönen. Typische Materialien sind Baumwolle oder Leinen. No-Go: Karierte Hemden, die eher an einen lustigen Wandertag in der Kurpfalz erinnern. Bayer*innen sprechen gerne vom "Preußen-Karo". Ob du dich für ein durchgeknöpftes Hemd oder ein sogenanntes Pfoad mit Riegel entscheidest, ist Geschmacksache. Wenn du es ganz traditionell magst, kannst du den Riegel mit deinen Initialen besticken lassen. Manche Onlineshops bieten diese Möglichkeit gegen Aufpreis an.
  • Janker: Mit einem Janker wird dein Trachtenoutfit komplettiert. Typische Materialien sind Loden oder Leinen. Janker aus Baumwolle sind günstiger, allerdings nicht sehr trachtentypisch. Die Knöpfe können aus Metall oder aus Hirschhorn gefertigt sein. Bei Letzteren solltest du darauf achten, dass in der Produktbeschreibung tatsächlich "echte Hirschhornknöpfe" zu lesen ist. Knöpfe in "Hirschhornoptik" bestehen aus Kunststoff. Wenn du es nicht so förmlich magst, kannst du anstatt des Jankers auch eine Strickweste tragen.
  • Weste: Gilets gibt es in vielen Ausführungen und Materialien. Meist werden sie aus Baumwolle, Wolle oder Leinen hergestellt. Eine besondere Ausführung ist die Miesbacher Weste mit Ausschnitt und Kette, welche die Weste zusammenhält. Sinn dieser Variante ist, dass man den Steg des Hosenträgers sieht. Du kannst deine Weste unter dem Janker tragen oder bei schönem Wetter ohne eine Überjacke. 
  • Schuhe: Bei den Schuhen gibt es nur eine Wahl: Haferlschuhe. Traditionell sind sie schwarz. Aber auch braune Haferlschuhe sind "tragbar". Wenn dir Haferlschuhe zu traditionell sind, kannst du auf urige Lederboots, die optisch historischen Bergschuhen ähneln, zurückgreifen. Turnschuhe, Flip-Flops oder "normale" Halbschuhe trägt man zur Tracht nicht.
  • Socken: Zur kurzen Lederhose trägt man Kniestrümpfe oder Loferl, also Wadenwärmer - zur Kniebundlederhose sind nur Kniestrümpfe möglich. Wenn du Kniestrümpfe trägst, sollten diese hochgezogen sein und nicht nach unten gerollt. Traditionelle bayerische Faustregel: Die Waden müssen bedeckt sein.
  • Accessoires: Zur bayerischen Tracht gehört der Hut aus Wollfilz oder aus Hasenhaar. Hüte aus Tierhaar sind hochpreisig. Auf einen Gamsbart kannst du getrost verzichten. Dieser ist quasi den "echten" Trachtlern vorbehalten. Traditionalisten tragen einen Charivari. Das ist eine Kette mit verschiedenen Anhängern, der links und rechts in den Gürtelschlaufen oder an den Knöpfen des Latzes eingehängt wird. Die günstige Modeschmuck-Variante wirkt aber eher kitschig - deshalb solltest du darauf lieber verzichten. Ein echter Charivari ist ein Erbstück, meist aus echtem Silber. Die Sammlung der Anhänger wird mit ganz persönlichen Elementen, wie Jagdtrophäen oder geschenkten Silbermünzen, erweitert.

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Madln: Ohne Dirndl geht es nicht

Auch wenn für viele (sehr) kurze Lederhosen an Frauen sexy wirken mögen: Die Frau trägt Dirndl. Dabei ist die Auswahl an Formen und Farben groß.

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  • Dirndl: Der Trend geht wieder weg vom kurzen Dirndl zum etwas längeren. Die gängigen Materialien sind Baumwolle, Leinen oder Seide. Billige Dirndl werden aus Polyester hergestellt. Die Wahl der Farbe hängt vom Geschmack der Trägerin oder auch dem Typ ab. Die Dirndlschürze wird mit einer Schleife gebunden. Wo du diese bindest, hängt von deinem Status ab: Rechts gebunden bedeutet, dass du vergeben bist. Singles binden die Schleife links. Witwen, Kellnerinnen und Kinder binden die Schleife hinten in der Mitte.
  • Bluse: Die Dirndlbluse ist traditionell weiß, aber auch andere (zarte) Farben sind heute gebräuchlich - mit oder ohne Spitze. Wie tief das Dekolleté ist, hängt vom persönlichen Geschmack und vom Selbstbewusstsein ab. Dirndlblusen sind mit kurzen, dreiviertellangen oder langen Ärmel erhältlich. Ein Dirndl ohne Bluse zu tragen, geht nicht.
  • Dirndl-BH: Dieser ist so tief geschnitten, dass er nicht aus dem Dekolleté hervorschaut. 
  • Janker oder Weste: Das Dirndl kannst du ohne Jacke tragen oder mit Damenjanker oder Strickwestchen.
  • Schuhe: Zum Dirndl trägt man Trachtenpumps aus schwarzem oder braunem Glattleder oder Wildleder. Auch etwas frischere Farben tun dem perfekten Wiesn-Outfit keinen Abbruch. Wichtig dabei ist, dass die Farbe zum Dirndl passt. Auch mit Trachtenballerinas bist du gut angezogen. Von Turnschuhen, Sandalen oder Flip-Flops ist abzuraten. High Heels sind zwar nicht traditionell, werden aber gerade von jungen Frauen gerne zum Dirndl getragen. Auf der Wiesn sind sie eher unpraktisch.
  • Socken: Traditionell gehören zum Dirndl gestrickte oder gehäkelte Kniestrümpfe oder Socken, die ein wenig über den Schuh blitzen. Du kannst in geschlossenen Schuhen aber auch auf Socken verzichten und in den Schuhen nichtsichtbare Söcklinge tragen.
  • Accessoires: Wenn du dich dazu entscheidest, auf das Oktoberfest eine Handtasche mitzunehmen, sollte es eine Trachtenhandtasche sein. Ein Haarreifen oder -band kann dein Outfit aufwerten. Auch Trachtenhüte gibt es für Frauen. Ein Trachtentuch wirkt traditionell. Dieses passt am besten zu einem sehr klassischen Outfit.

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Wiesn-Outfit: Die Top 5 der absoluten No-Gos

Auf der Wiesn kommen einem schon mal Menschen in seltsamen Outfits, die teilweise sogar auf dem Oktoberfest verkauft werden, entgegen.

Wenn du nicht peinlich berührte Blicke ernten willst, solltest du unbedingt auf folgende Dinge verzichten:

  • Sepplhut
  • Hähnchen auf dem Kopf, auch wenn es mit den Beinen klatschen kann
  • Badehose im Lederhosen-Style
  • Rotes "Trachten"-Hütchen aus Kunststoff mit Kunststofffeder
  • Kunsthaarperücke mit blonden Zöpfen

Fazit

Zwischen kitschigen Styles und traditioneller Tracht nach allen Regeln der Trachtenverbände hast du eine große Auswahl an klassischen und hochwertigen Outfits. Wenn du als Mann zum Beispiel tatsächlich nur einmal im Jahr die Lederhose aus dem Schrank holst, musst du nicht unbedingt eine Hirschlederhose besitzen. Es muss bei Frauen auch nicht zwingend das Trachtentuch aus Seide sein. 

Wenn du dich klassisch kleidest und ein paar "Regeln" der Trachtenmode befolgst, ohne mit Gewalt auffallen zu wollen, passt du gut auf das Oktoberfest. Obwohl gerade Dirndldesigner*innen jedes Jahr die neuesten Trendfarben verkünden, musst du dein Dirndl nicht regelmäßig austauschen. Je klassischer die Farben sind, zum Beispiel blau oder grün, desto zeitloser ist dein Dirndl.

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