Würzburger Forscher zu Auswirkungen von sozialen Medien auf junge Menschen
Autor: Redaktion
Würzburg, Mittwoch, 12. Juni 2024
In einem Thesenpapier widersprechen Forscher der Julius-Maximilians-Universität Würzburg einem US-Amerikanischen Psychologen, der sich in seinem Buch über die Auswirkungen sozialer Medien auf Kinder und Jugendliche geäußert hat.
Haben die sozialen Medien zu einem massiven Anstieg psychischer Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen geführt? Der US-amerikanische Psychologe Jonathan Haidt vertritt diese These in seinem Buch „The Anxious Generation: How the Great Rewiring of Childhood Is Causing an Epidemic of Mental Illness“, wie die Julius-Maximilians-Universität Würzburg in einer Pressemitteilung berichtet.
Ein Team aus dem Lehrstuhl für Kommunikationspsychologie und Neue Medien der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) hält Haidts Darstellung für zu einseitig und holzschnittartig. Die Forschenden beziehen genau jetzt Stellung, weil Haidts Buch Mitte Juni 2024 in einer deutschen Übersetzung auch hierzulande auf den Markt kommt („Generation Angst: Wie wir unsere Kinder an die virtuelle Welt verlieren und ihre psychische Gesundheit aufs Spiel setzen“).
„Wir begrüßen öffentliche Debatten über die Auswirkungen sozialer Medien, doch scheint uns Haidts Standpunkt in seiner Einseitigkeit eher zu einer Vernebelung der Sachlage beizutragen“, schreiben Professor Markus Appel, Dr. Silvana Weber und Dr. Fabian Hutmacher. Darum haben die drei Forschenden ein Thesenpapier verfasst, das eine sachliche und wissenschaftlich fundierte Diskussion des Themas anstoßen soll.
Video:
Hier das Thesenpapier der Forschenden: Fünf Punkte zur Einordnung des Sachbuchs „Generation Angst“ von Jonathan Haidt
Die Publikation „The Anxious Generation: How the Great Rewiring of Childhood Is Causing an Epidemic of Mental Illness“ (in Kürze auf Deutsch erhältlich unter dem Titel „Generation Angst“) von Jonathan Haidt hat in den USA eine Debatte zu den Risiken von digitalen Medien neu angefacht. Gut so – denn sowohl der Umgang mit digitalen Medien als auch die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen sind gesellschaftlich und sozial relevante Themen. Haidt entwickelt hierzu ein dystopisches Narrativ und spricht eine besorgte Öffentlichkeit an. Doch wichtige Fakten blendet er dabei aus. Die folgenden fünf Punkte scheinen dabei besonders zentral:
1. Die Ausgangslage ist USA-spezifisch. Die von Haidt konstatierte drastische Verschlechterung der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen wird in der Wissenschaft kontrovers diskutiert. Social Media und Co. werden global intensiv genutzt, doch die Trends im Hinblick auf die psychische Gesundheit sind weltweit sehr unterschiedlich: So lassen sich die von Haidt identifizierten Trends aus den USA nicht ohne Weiteres auf andere Weltregionen übertragen.
Auch in Deutschland stellt der hohe Stand an psychischen Erkrankungen insbesondere nach der Coronazeit eine gesellschaftliche Herausforderung dar. Für Deutschland ist aber auch festzuhalten, dass Suizide bei Kindern und Jugendlichen seit den 1980er Jahren erfreulicherweise sehr viel seltener geworden sind, wie Daten des Statistischen Bundesamts zeigen.