Würzburg: #WomenInScience - Forscherinnen am Uniklinikum geben Karrieretipps und Co.
Autor: Redaktion
Würzburg, Freitag, 09. Februar 2024
In der Serie #WomenInScience berichten Forscherinnen am Universitätsklinikum Würzburg über ihren Werdegang, geben Empfehlungen für mehr Diversität in der Wissenschaft und Karrieretipps an den Nachwuchs.
"Weil die Welt immer noch in großen Teilen von Männern für Männer gestaltet werde und erkannt werden müsse, dass eine größere Vielfalt zu mehr Innovation führt, hat die UNESCO den 11. Februar zum Internationalen Tag der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft erkoren."
Auch das Universitätsklinikum Würzburg (UKW) setzt sich für Diversität in der Wissenschaft und Chancengleichheit ein, wie es in folgender Pressemitteilung erklärt. Es gibt auf dem Campus zahlreiche Fördermaßnahmen und Mentoring-Programme - und es gibt die Serie #WomenInScience mit inzwischen mehr als 20 weiblichen Rollenvorbildern. In den Porträts berichten Ärztinnen, Wissenschaftlerinnen und Technologinnen von der Faszination ihrer Forschung, ihren Entdeckungen, die das Leben vieler Patientinnen und Patienten bereits verbessert haben und zum Verständnis zahlreicher Erkrankungen beigetragen haben sowie von Meilensteinen und Hindernissen. Die Forscherinnen machen auch auf gesellschaftliche Rahmenbedingungen und konservative Rollenbilder aufmerksam, die eine Karriere in der Wissenschaft erschweren.
Zukunftsgewandte Strukturen durch flachere Hierarchien
„Die gläserne Decke ist noch da und es ist schwer, sie als Frau zu durchbrechen“, sagt Professorin Heike Rittner, die seit November 2023 den Lehrstuhl für Schmerzmedizin hat und somit zu den 27 Prozent der Professorinnen an der Medizinischen Fakultät gehört (siehe Infokasten Geschlechterverhältnis). Die Mutter von drei Kindern gibt zu bedenken: „Die mächtigsten Positionen sind überwiegend von Männern besetzt.“ Ihrer Meinung nach müssten die Strukturen in der Universitätsmedizin zukunftsgewandter werden: flachere Hierarchien, die mehr Eigenverantwortlichkeit und Juniorgruppen ermöglichen, könnten mehr Frauen, aber auch mehr Männer für die Forschung begeistern. In Yale habe sie „genial gute“ Erfahrungen mit departmentartigen Strukturen gemacht.
Mehr Frauen in Entscheidungsgremien
Auch Professorin Malgorzata Burek, Biologin und Frauenbeauftragte an der Medizinischen Fakultät legt den Finger in die Wunde: „Die meisten Regeln werden von Männern gemacht. Aber viele Männer wissen gar nicht, was gebraucht wird, welche Entscheidungen wichtig sind. Erst wenn mehr Frauen in den Entscheidungsgremien sitzen, kann sich etwas ändern - zum Beispiel bessere Arbeitsbedingungen und mehr Planbarkeit.“ Dazu zählen Vertragsverlängerungen, unbefristete Stellen und flexiblere Arbeitszeitmodelle sowie mehr Kooperation statt Konkurrenz. Zu den größten Hindernissen zählt Malgorzata Burek zufolge das Wissenschaftszeitvertragsgesetz, das eine hohe Fluktuation vorsieht, um Innovationen zu fördern. Doch wer so viele Anstrengungen auf sich nimmt, müsse Ziele haben und langfristige Sicherheiten.
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Der Leidenschaft folgen und Bedingungen schaffen, diese ausleben zu können
Generell könne der Arbeitsalltag als Clinician Scientist, also als Behandelnde, die gleichzeitig forschen, sicher noch etwas familienfreundlicher werden, meint Professorin Stefanie Hahner. Die stellvertretende Leiterin der Endokrinologie am UKW und Mutter von zwei Kindern zweifelt manchmal daran, ob sie angesichts ihres Arbeitspensums ein gutes Vorbild sei. „Am Ende liegt aber vieles auch an uns selbst. Entscheidend ist, dass wir Freude an unserer Tätigkeit haben und dass diese Freude ausstrahlt. Dann wird diese sehr vielseitige und bereichernde Tätigkeit nicht nur für uns, sondern auch für andere attraktiv.“ Die Leidenschaft eint alle porträtierten Forscherinnen: immer wieder neue Fragestellungen zu finden und Antworten zu suchen, die eines Tages zu besseren Behandlungsmöglichkeiten führen könnten.
Vom inneren und äußeren Druck, zuhause bei den Kindern zu bleiben
„Wenn Sie Ihre Leidenschaft gefunden haben, umgeben Sie sich mit Menschen, die Ihnen dabei helfen, sie auszuleben. Es ist wichtig, nicht nur ein unterstützendes berufliches Umfeld zu haben, sondern auch ein privates“, berichtet die Neurobiologin und Juniorprofessorin Rhonda McFleder. Als zweifache Mutter kennt sie den Druck von innen und außen, sich als Frau mehr um die Kinder kümmern zu müssen. „Ich habe glücklicherweise ein großartiges Unterstützungssystem, das mir hilft, diesen Druck zu bekämpfen und meine Träume zu verfolgen. Um mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen, müssen wir diesen Druck, zu Hause zu bleiben, beseitigen und Frauen zu gleichberechtigten Mitgliedern sowohl am Arbeitsplatz als auch im Haushalt machen.“
Vom perfekten Zeitpunkt Kinder zu bekommen
Den einen perfekten Zeitpunkt für eine Familiengründung gebe es laut Stefanie Hahner nicht. Dazu seien die individuellen Bedingungen zu unterschiedlich. „Familie zu haben ist immer eine Herausforderung, jedoch kein Hindernis für eine akademische Karriere. Die Bedingungen für Frauen heute sind ausbaufähig, aber sehr viel besser als sie es noch vor ein paar Jahren waren, da inzwischen viele Förderprogramme mit flexibler Berücksichtigung von Elternzeiten existieren. Mitunter habe ich mit Frauen aber auch schon über die Möglichkeit von Social Freezing gesprochen, um den zeitlichen Druck der Familiengründung herauszunehmen. Schöner wäre natürlich die Möglichkeit, alles parallel gut integrieren zu können und daran gilt es gemeinsam weiter zu arbeiten.“